Suchtberatung
Neumarkter Diakonie warnt während der Fußball-EM: Sportwetten sind auch Glücksspiel

11.07.2024 | Stand 11.07.2024, 11:37 Uhr |

Wetten kann man auf viele Sportarten – nicht nur im Fußball. Foto: Patrick Seeger, dpa

Millionen von Menschen fiebern derzeit bei der Fußball-Europameisterschaft mit ihren Team vor den TV-Geräten und beim Public Viewing. „Doch während wir uns auf nerven-aufreibende Spiele und sportliche Höchstleistungen freuen, dürfen wir nicht vergessen: Sport ist ein Milliardengeschäft für die Anbieter von Sportwetten“, erklären die Diplomsozialpädagogen Hans Walcher und Heidi Völker, von der Suchtberatungsstelle der Diakonie NAH.

Die großen Wettanbieter locken Millionen von Menschen in ihre Wettbüros und auf ihre Websites, versprechen viel Spaß beim Wetten und natürlich schnelle Gewinne, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Diakonie. „Sportwetten sind nichts anderes als Glücksspiel – sie sind gefährlich, weisen ein hohes Suchtpotenzial auf und vermitteln vor allem jungen Menschen den Eindruck, sie könnten mit Wissen über gewinnen“, so Konrad Landgraf, Geschäftsführer der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern (LSG).

Doch dieser Schein trüge, betont Landgraf: „Den Ausgang eines Fußballspiels kann man nicht vorhersagen, ein Gewinn ist nicht garantiert“. 4,6 Millionen Erwachsene in Deutschland seien Experten zufolge spielsüchtig oder zeigten erste Symptome dafür.

Das gehe aus dem „Glücksspielatlas 2023“ hervor, den der Bundesdrogenbeauftragte Burkhard Blienert vorgestellt hat. Demnach leiden rund 1,3 Millionen Menschen an einer sogenannten Glücksspielstörung. Das heißt, sie entwickeln durch die Teilnahme an Automatenspielen, Sportwetten und anderen Glücksspielen gesundheitliche, finanzielle oder auch soziale Probleme.

Weitere 3,3 Millionen Menschen zeigten ein riskantes Glücksspielverhalten mit ersten Anzeichen für eine Sucht – etwa entzugsähnliche Erscheinungen, wenn nicht gespielt wird oder die Rückkehr zum Glücksspielen am nächsten Tag, um Verluste auszugleichen.

Um auf dieses Thema aufmerksam zu machen, fand deutschlandweit eine Aktion statt, an der sich auch die Suchtberatungsstelle der Diakonie NAH in Lauf beteiligt hat: „Wirf dein Geld nicht aus dem Fenster!“ lautete das Motto.

Die Aktion sollte verdeutlichen, dass bei Sportwetten – wie bei allen Glücksspielen – auf lange Sicht immer Verluste gemacht werden. „Sportwetten sind häufig der Einstieg in die Glücksspielsucht“, sagt Walcher. In die Beratungsstelle kämen immer wieder Betroffene und verzweifelte Angehörige von Spielsüchtigen. „Das monatliche Gehalt ist mit wenigen Klicks im Online-Casino oder einem Aufenthalt im Wettbüro verspielt.“ Da die Betroffenen ab und zu auch mal gewinnen, werde weiter gezockt, um dies wieder zu erleben.“