Spektakel auf der Kippe
Ringen um das nächste Tillyfest in Breitenbrunn geht weiter

Nach dem überraschenden Rücktritt des Organisationsteams herrscht in Breitenbrunn Ratlosigkeit

07.11.2023 | Stand 08.11.2023, 14:30 Uhr

Großartige Stimmung herrschte beim diesjährigen Tillyfest in Breitenbrunn, doch nun traten die Organisatoren zurück. Foto: Sturm (Archiv)

Es gibt gute und schlechte Nachrichten zum Tillyfest in Breitenbrunn. Die gute ist: Bei der Abschlussbesprechung zogen die Verantwortlichen ein positives Fazit zur 33. Auflage in diesem Jahr. Alle waren sich einig, dass es mit dem Historienspektakel weitergehen soll. Die schlechte ist: Das bisherige Organisationsteam macht nicht mehr weiter.

Wie und in welcher Form oder in welchem zeitlichen Turnus es deswegen mit dem Fest tatsächlich weitergeht, bleibt somit offen.

Vor mehr als drei Jahrzehnten veranstaltete der Markt Breitenbrunn zum ersten Mal ein Fest mit historischem Hintergrund. Was in der Anfangsphase als Gewerbeschau gedacht war, entwickelte sich bis heute zu einer der größten historischen Veranstaltungen im Umkreis. Seit nunmehr zehn Jahren kümmert sich vorrangig ein mehrköpfiges Organisationsteam um die Gestaltung und Organisation des Tillyfestes. Zuletzt setzte sich diese Gruppe aus Mathias Habermann, Christian Braun, Verena Gleißl, Heike Adam, Thomas Hengl, Ludwig König und Benedikt Habermann zusammen. Unterstützt wird das Team von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung, des Bauhofs und der Kläranlagen.

Zur Abschlussbesprechung am Sonntagabend waren neben Bürgermeister Johann Lanzhammer (FW) und den Vertretern des Organisationsteams Mitglieder aller Tillyfest-Gruppen gekommen. An einem Bild auf der Leinwand konnte man unschwer erkennen, worum es an diesem Abend hauptsächlich ging. Da stand geschrieben: „Willkommen zur Versammlung im Namen der ehemaligen Tilly-Organisation.“ Dazu sagte Teamsprecher Mathias Habermann: „Wir haben uns nach zehn Jahren Ehrenamt dazu entschieden, gemeinsam aufzuhören. Es war eine schöne Zeit, aber nun ist der Zeitpunkt gekommen, die Organisation an die Gemeinde zurückzugeben.“ Einen triftigen Grund dafür gebe es aber nicht. Es fehle einfach an der nötigen Power. Man habe bereits mit einigen Leuten gesprochen, eine Bereitschaft organisatorisch tätig zu werden, habe aber niemand erkennen lassen. „Wir wollen keinen Scherbenhaufen hinterlassen und wünschen uns, dass es mit dem Fest weitergeht“, sagte Habermann und deutete an, dass man künftigen Organisatoren noch beratend zur Seite stehen werde.

Alle waren sich einig, dass das Tillyfest nicht der Vergangenheit angehören darf. Zumal es sich im Jahr 2024 zum 400. Mal jährt, dass Johann Tserclaes Graf von Tilly, einer der prominentesten Besitzer der Herrschaft Breitenbrunn und Namensgeber des Festes, erstmals seine neue Herrschaft Breitenegg und Breitenbrunn besucht hat. Lanzhammer sagte: „Es hat mich überrascht, dass ich schon wenige Tage nach dem Tillyfest die Mitteilung erhalten habe, dass das Organisationsteam aufhört.“ Der Rathauschef machte mit klaren Worten deutlich, dass die Gemeinde das Fest allein und ohne ein Team nicht schultern könne.

Aus den Reihen der Tillyfest-Gruppen, bei denen teilweise ein Generationswechsel ansteht, konnte sich niemand damit anfreunden, Verantwortung für die Gesamtorganisation zu übernehmen. Man sei mit der Organisation der eigenen Lager schon stark beschäftigt, hieß es. Außerdem wurde die Meinung vertreten, dass das Tillyfest ein Fest der Gemeinde sei und von ihr auch überwiegend organisiert werden sollte. Kritik gab es am Rückzug des kompletten Organisationsteams. Ferner wurden die Fragen in den Raum geworfen, ob man eine Veranstaltung mit diesem Umfang auf Dauer überhaupt noch ehrenamtlich organisieren könne, ob es eventuell besser wäre, das Fest auf ein anderes Niveau zurückzufahren oder ganz auf externe Gruppen zu verzichten. Außerdem wurde kurz angesprochen, ob man die historische Veranstaltung an einem oder weiterhin an zwei Tagen, oder sogar nur mehr in einem zweijährigen Turnus veranstalten sollte.

Lanzhammer vertrat die Auffassung, dass externe Gruppen das Tillyfest bereichern. Ganz darauf zu verzichten wäre keine gute Idee. Jedenfalls lägen schon jetzt Anfragen von Gruppen zwecks einer Teilnahme im kommenden Jahr vor. Deswegen müsse man schnell in die Gänge kommen und schauen, wie es weitergehe. Schließlich einigte man sich, dass sich Bürgermeister, Verwaltung und das bisherige Organisationsteam bald zusammensetzen. Anhand der vorliegenden Unterlagen soll dabei geprüft werde, welche organisatorischen Aufgaben die Gemeinde selbst übernehmen könnte, beziehungsweise welche auf die Gruppen zu verteilen wären. „Am Besten für alle, vor allem aber für unser Tillyfest, wäre es aber, wenn sich ein neues Organisationsteam finden würde“, so Lanzhammer.

swp