Irre Aufholjagd in der Relegation
Bis zur 97. Minute war der SV Fortuna abgestiegen: „Das war ein Jahrhundertspiel“

26.05.2024 | Stand 26.05.2024, 22:26 Uhr
Markus Schmautz

Der Jubel im Lager des SV Fortuna war grenzenlos. Aus einem 1:5-Rückstand in der Gesamtwertung beider Spiele machte die Zeiml-Elf nach 120 Minuten gegen Wasserburg noch einen 7:5-Sieg. Foto: Schmautz

Was für eine Dramatik! Das Hinspiel der ersten Relegationsrunde zur Fußball-Bayernliga hatte der SV Fortuna beim TSV Wasserburg 1:3 verloren. Folglich musste ein Sieg mit drei Toren Vorsprung im Rückspiel her. Als Wasserburg zur Pause 2:0 führte, schien der Fortuna-Abstieg besiegelt.

Doch das Team des sich verabschiedenden Cheftrainers Helmut Zeiml lieferte dank eine nicht mehr für möglich gehaltenen Energieleistung eine sagenhafte Aufholjagd und machte aus einem zwischenzeitlichen aus Hin- und Rückspiel summierten 1:5-Rückstand noch einen 7:5-Sieg.

Der Klassenerhalt aber ist damit immer noch nicht eingetütet. In Runde zwei muss auch noch der Siebzehnte der Bayernliga Süd, der VfR Garching, geschlagen werden, der den Landesliga-Mitte-zweiten Seebach mit einem 4:2 und 2:2 eliminierte. Laut BFV-Ligenleiter Jens Reitstetter wird dabei entsprechend der Auslosung zunächst am Mittwoch um 18.30 Uhr wieder in der Projekt-29-Arena an der Isarstraße gespielt und das Rückspiel findet am Samstag um 16 Uhr in Garching statt. Der Sieger dieses Duells bleibt Bayernligist.

Die 568 Zuschauer sahen gegen Wasserburg im ersten Durchgang eine einseitige Partie. Die Gäste aus Wasserburg ließen kaum etwas zu und kamen zu vielen Großchancen. Zwei nutzten Robin Ungerath (18.) und Michael Barthuber (42.) zur hochverdienten 2:0-Pausenführung. Summa summarum lagen die Fortunen nach drei von vier Halbzeiten also mit 1:5 in Rückstand.

Fortunas Glück mit Jokern

„Was meine Mannschaft dann geleistet hat, war aller Ehren wert. Das ist Fortuna. Ich bin sehr stolz auf die Truppe“, freute sich Trainer Helmut Zeiml nach dem Abpfiff. Doch der Reihe nach. Wasserburgs Trainer Florian Heller wechselte mit Ungerath (46.), Kerschaum (52.), Wagner (68.) und Barthuber (68.) nahezu seine komplette Offensive aus – und damit den sicher geglaubten Sieg. Zeiml hingegen hatte Glück mit seinen Wechseln. In der 52. Minute brachte er den wendigen Arlind Morina, der noch einige Male im Mittelpunkt stand. Andrea Nocerino (55.) und Dominik Feuersänger (62.) glichen zum 2:2 aus.

Nach einem Foul an Fabian Ziegler verwandelte Mario Baldauf den Strafstoß zum 3:2 (67.). Plötzlich fehlte nur noch ein Treffer zur Verlängerung. Fortuna war weiter am Drücker, Wasserburg lauerte auf Konter. Feuersänger (78./87./89.) und Ziegler (85.) vergaben das mögliche vierte Tor. Auf der Gegenseite wartete Nicolas Köpper nach 83 Minuten gegen Stellner mit einer Glanztat auf. In der 92. Minute wurde Wirbelwind Arlind Morina im Strafraum gefoult.

Allerdings parierte TSV-Keeper Volkmer den Elfer von Baldauf. Die Grün-Weißen marschierten unbeirrt weiter. In der siebten und letzten Minute der Nachspielzeit erzielte Tom Liebherr das viel umjubelte 4:2 und brachte sein Team in die Verlängerung

Fortuna war auch da wesentlich präsenter. Für den ausgelaugten Mario Baldauf wechselte Zeiml Martin Glöckner ein. Und der zweite Joker hämmerte in der 99. Minute den Ball aus 18 Metern zum 5:2 in den Winkel. In der 119. Minute packte Jason Sarajlic, der einen Volkmer-Fehlgriff nach einem Schmitt-Freistoß nutzte, das Tor zum 6:2-Endstand drauf.

Der Zeiml-Wunsch lebt

Der Jubel im Fortuna-Lager war grenzenlos. Der sportliche Leiter Hans Meichel hat im Fußball schon viel erlebt, „aber so etwas noch nicht. Das war ein Jahrhundertspiel.“ Helmut Zeimls Wunsch, seinem Schwiegersohn Arber Morina einen Bayernligisten zu übergeben, lebt weiter. „Die erste Halbzeit war wie im Hinspiel: Wasserburg war klar besser. Nach dem Anschlusstor ging ein Ruck durch die Mannschaft. Unglaublich, was danach passiert ist. Die Mannschaft hat einen unglaublichen Charakter“, so Zeiml. Co-Trainer Arber Morina, der selbst noch ein paar Minuten auf dem Platz stand, dachte schon voraus: „Nun gilt es, sich auf Garching zu konzentrieren.“