Traditionsboxen in Schwandorf
Auf dem Volksfest flogen die Fäuste: Im Bierzelt wurden Ostbayerns Meister ermittelt

10.06.2024 | Stand 10.06.2024, 15:30 Uhr |
Josef Schaller

Auch wenn Noel Suvajac vom SV Pocking (r.) einen Treffer landete, gewann am Ende Pavlo Riabchenko vom BC Dingolfing (l.) den Titel im U17-Weltergewicht. Fotos: Josef Schaller

In 15 Gewichtsklassen wurden am Sonntag auf dem Schwandorfer Volksfest die ostbayerischen Boxmeisterschaften ausgetragen. Es war eine schweißtreibende Angelegenheit, denn im 2000 Personen fassenden Bierzelt herrschten klimatische Bedingungen, wie man sie sonst nur in einer Sauna vorfindet.

Trotzdem wollten sich 300 zahlende Gäste sowie rund 500 Angehörige und Vereinsmitglieder die spannenden Kämpfe nicht entgehen lassen und schwitzten aus Solidarität mit den Sportlern mit. Insgesamt zwölf Vereine hatten ihre besten Boxer in den Ring geschickt. Schwandorfer hatten sich nicht für die Endrundenkämpfe qualifiziert.

Boxen hat auf dem Schwandorfer Volksfest eine lange Tradition und der Boxclub Schwandorf, der die Wettkämpfe stets ausgetragen hatte, war einst ein großes sportliches Aushängeschild der Stadt. Der 1969 gegründete Verein stellte in den 80er Jahren mehrere bayerische und deutsche Meister. Doch zuletzt war es ruhig geworden um den Verein, das letzte Volksfest-Boxen fand vor vier Jahren statt – die letzten ostbayerischen Meisterschaften, die in Schwandorf im Bierzelt ausgetragen wurden, liegen sogar 20 Jahre zurück.

Dass die ostbayerische Box-Elite dieses Jahr wieder auf dem Volksfest ihre Meister ermitteln konnte, ist vor allem dem Vorsitzenden des BC Schwandorf, Thomas Roigk, zu verdanken. Da er schon vorher ein großer Fan des Volksfestboxens gewesen und mit seiner ehemaligen Clique ein Dauergast bei den Wettkämpfen gewesen sei, habe er den Verein in schwierigen Zeiten unterstützen wollen und sei deshalb 2018 dem BC Schwandorf beigetreten. Noch nie sei er vorher Mitglied in einem Verein gewesen, wie der 61-Jährige erwähnt. Obwohl er nur wenig Vereinserfahrung mitbrachte, wurde er vier Jahre später zum Vorsitzenden gewählt. Eines seiner großen Ziele war es, den Boxsport wieder ins Bierzelt zu holen.

Dass es gleich mit den ostbayerischen Meisterschaften geklappt hat, ist ein wenig dem Zufall, aber auch seinem Willen und Optimismus zu verdanken. Als bei der Bezirksversammlung im Januar in Köfering deutlich geworden war, dass noch kein Verein für die Ausrichtung des Wettbewerbs gefunden wurde, packte Roigk die Gelegenheit beim Schopfe und brachte den BC Schwandorf ins Spiel. Mit großen Erwartungen sei der Verein schließlich in die Vorbereitungen für dieses sportliche Veranstaltungshighlight gegangen, wie Roigk erklärt. Man habe sich 800 bis 900 Zuschauer erhofft – und die sind schließlich auch gekommen, zählt man neben den 300 zahlenden Gästen Vereins- und Familienmitglieder der Sportler hinzu.

In den vergangenen Monaten hatte der BC in Vorbereitung auf das Event alle Hände voll zu tun. Noch am Samstag nach dem offiziellen Bierzeltbetrieb wurde mit den Aufbauarbeiten begonnen und am Sonntagmorgen um 7.30 Uhr standen die Helfer bereits wieder auf der Matte. Auch unmittelbar vor Beginn der Wettkämpfe war der 61-jährige Roigk ein gefragter Mann. Mehrfach wurden sein Rat oder eine Entscheidung eingefordert. „Ich kümmere mich darum“, war stets seine Antwort.

Um die Einteilung der Kämpfe kümmerte sich der Bayerische Boxverband in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesportverband. In 15 Alters- und Gewichtsklassen wurden die jeweiligen ostbayerischen Meister ermittelt. Jeder Kampf war ein Finalkampf. Vorrundenkämpfe haben nicht stattgefunden. Zu Beginn der Veranstaltung und während der Pause gab es Sparringskämpfe zu sehen von jungen Boxern, die noch keine Wettkampferfahrung hatten. Alle Kämpfe gingen über drei Runden. Die Rundenzeiten richteten sich nach den Altersklassen.