Hausnotruf wird ausgebaut
BRK-Kreisverband Schwandorf muss viele Herausforderungen bewältigen

16.06.2024 | Stand 16.06.2024, 19:00 Uhr |

Mit ihrem Team ist Bianca Scherer (r.) im Bereich der Ambulanten Sozialen Dienste im Landkreis Schwandorf für rund 1000 Klienten verantwortlich. Mit auf dem Bild sind Sachbearbeiterin Monika Nörl (l.) und (im Auto) Alexandra Nunhofer, kommissarische Leiterin der Sozialstation Burglengenfeld Foto: Frank Betthausen

Nein, die Zeiten sind nicht einfach. Corona-Folgen, das dramatische Weltgeschehen, eine Gesellschaft, die immer älter wird, Pflegebedingungen, die sich radikal verändern, und Personalmangel in den Heimen und in der ambulanten Pflege – und trotzdem will Otto Josef Langenhan den Kopf nicht in den Sand stecken. Im Gegenteil – der Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands Schwandorf mit seinen rund 900 hauptamtlich Beschäftigten betont: „Wir stellen uns mit allem dagegen, was wir haben und was uns möglich ist.“

Langenhan sprüht vor Entschlossenheit. Das BRK halte mit aktuellen Entwicklungen Schritt, arbeite in Schwandorf intern stark an der Effizienz, stelle sich der Digitalisierung und richte großes Augenmerk auf das betriebliche Gesundheitswesen, wie es in einer Pressemitteilung des BRK heißt.

Auch sonst kämpfe der Sozialverband im Freistaat an vielen Stellen darum, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Zum 1. Januar 2025 trete eine allgemeine Tariferhöhung von 7,5 Prozent in Kraft. Dazu werde heuer pro Vollzeitstelle eine Inflationsausgleichsprämie in Höhe von dreimal 1000 Euro ausbezahlt. „Wir wollen unbedingt dagegen angehen, dass die Zukunft im Problem der Personalknappheit versinkt“, sagt der Kreisgeschäftsführer. Aber: Dafür müsse auch mehr Geld ins System, um die Bedingungen attraktiver zu machen und mehr investieren zu können. „Dann können wir gute Leute gut beschäftigen.“

Forderung an die Kassen

Die Zeiten unterlägen einem starken Wandel. Die Versorgung in der Pflege müsse dringend auf andere Beine gestellt werden. „Die Kostenerstattung muss eine andere werden“, lautet Langenhans zentrale Forderung an die Krankenkassen.

Bei all dem zielen seine Überlegungen nicht auf eine Gewinn-Maximierung ab. Nein, es gehe vielmehr darum, neue Wege in der Pflege zu gehen. „Da gibt es viele Ansätze – aber es muss halt finanziert sein. Immer nur Geld mitbringen und zuschießen: Das kann auch ein Sozialverband wie das BRK nicht. Sonst gefährde ich andere Dinge“, sagt der Geschäftsführer.

Mobilruf als weiterer Baustein

Eine seiner Strategien, den Herausforderungen dieser Tage zu begegnen? Die Grundlage dafür schaffen, dass Menschen gut versorgt möglichst lang in den eigenen vier Wänden leben können. „Das ist ein ganz, ganz wichtiger Bestandteil der Pflege“, sagt er. Mit seinen Mitarbeitern tut er viel dafür, den Hausnotruf und den Mobilruf samt dazugehörigem Bereitschaftsdienst auszubauen – flächendeckend im gesamten Landkreis. „Ich bin mehr oder weniger der Türöffner fürs BRK“, sagt Fachlicher Leiter Markus Kleber, der die Dienstleistungen verantwortet. Und seine Kollegin Bianca Scherer, Leiterin der Ambulanten Sozialen Dienste, ergänzt: „Das ist das Erste, was die Leute in den Haushalt lassen.“

Ihre Erfahrungen: Die Rot-Kreuz-Mitarbeiter werden von den Kunden, denen es um ein Gefühl von Sicherheit im Alltag und darum geht, im Notfall unkompliziert Hilfe anfordern zu können herzlich empfangen. „Die Leute freuen sich, wenn wir vorbeikommen. Das macht einfach Spaß – und das kann man den Menschen auch widerspiegeln“, erzählt Kleber.

Mit Gerät in den Urlaub fahren

410 Teilnehmer hat der Hausnotruf derzeit im Landkreis Schwandorf – Tendenz stark steigend. Der Mobilruf, der sich im Aufbau befindet, erfreut sich ebenfalls immer größerer Beliebtheit. Im Gegensatz zum Sender, den die Kunden beim Hausnotruf am Handgelenk oder als Kette um den Hals tragen und über den im Ernstfall eine Kommunikation mit der Zentrale in Würzburg möglich ist, funktioniert er über eine SIM-Karte. Er ist damit nicht an eine bestimmte Reichweite gebunden. „Ich kann das Gerät immer und überallhin mitnehmen. Ich kann damit sogar in den Urlaub fahren“, erläutert Kleber.

Vor zwei Jahren ist beim BRK Schwandorf der Hausnotruf-Hintergrunddienst in Betrieb gegangen. Er sei Tag und Nacht besetzt, wie Kleber erklärt, weil viele Angehörige zu weit weg wohnten oder arbeiten müssten und im Alltag nicht ohne weiteres bei ihren Familienmitgliedern vorbeifahren könnten, wenn es die Situation erfordere.

Drei Sozialstationen helfen

Bianca Scherer ist mit ihrem Team im Bereich der Ambulanten Sozialen Dienste im Landkreis für rund 1000 Klienten verantwortlich: Hausnotruf-Kunden genauso wie Patienten, die pflegerische Unterstützung brauchen. Die Sozialstationen befinden sich in Schwandorf, Nabburg und Burglengenfeld (für das Städtedreieck, Bruck und Bodenwöhr). 26 Pflegefachkräfte und Pflegefachhelfer arbeiten an den Stützpunkten fürs BRK.

Erst vor ein paar Wochen hat der Kreisverband elf neue VW Polos für die 16 Autos umfassende Fahrzeugflotte der Ambulanten Pflege geleast. Der Kreisverband geht in vielerlei Hinsicht mit der Zeit. „Es hat sich viel weiterentwickelt von den Strukturen“, sagt Monika Nörl, Sachbearbeiterin bei den Ambulanten Sozialen Diensten. Das gilt auch für die Beratungseinsätze, die zu den festen Angeboten des BRK Schwandorf gehören. 450 Kunden erhalten einmal jährlich oder halbjährlich eine Beratung, bei der ihre jeweilige Lebenssituation begutachtet und besprochen wird.

Am Ende der ambulanten Versorgungskette steht die unterstützende Pflege mit einer festen Betreuung daheim. Die Unterschiede sind groß. Es gibt Patienten, die viermal pro Tag intensive Begleitung benötigen – bei Körperpflege, Medikamentengabe oder Verbandswechseln –, und solche, die nur einmal pro Woche Hilfe beim Baden brauchen.