Konzert in der Nittenauer Pfarrkirche
Domspatzen berührten die Zuhörer in Nittenau mit ihrem Programm „Himmelwärts“

10.07.2024 | Stand 10.07.2024, 17:00 Uhr |
Renate Ahrens

Von Anfang an zog der Chor unter Leitung von Lauren Avila die Zuhörer in der Pfarrkirche in den Bann. Foto: Renate Ahrens

Ein besonderes Konzert, das wohl jeden Besucher begeisterte, fand am Sonntag in der Nittenauer Pfarrkirche statt. Stehender Applaus war am Ende der verdiente Lohn für den Auftritt der Regensburger Domspatzen.

Für Stadtpfarrer Holger Kruschina sei es eine sehr große Freude und Ehre, den weltberühmten Knabenchor in Nittenau zu Gast zu haben, wie er erklärte. Mit ihrem Programm Himmelwärts zogen die jungen Sänger die Gäste von Anfang bis Ende in ihren Bann.

Es war ein faszinierenderer kultureller Genuss und eine Stunde erstklassiger Chormusik: Geistliche Motetten und Lieder von Komponisten aller Musikepochen, von der Renaissance über die Romantik bis zur Moderne, waren zu hören. Mit dem Applaus sollte bis zum Schluss gewartet werden, doch hin und wieder entfuhr dem einen oder anderen Zuhörer dennoch ein anerkennendes Wort. Meist vierstimmig, doch auch drei- oder sogar achtstimmig trugen die etwa 60Sänger zwischen zehn und 19 Jahren die Musikstücke vor. In jeder Sekunde des Konzerts waren alle hochkonzentriert und diszipliniert, und eindrucksvoll war der Gesang.

Konzentrierte Stille

Man hätte eine Stecknadel fallen lassen hören, als Chorleiterin Lauren Avila, die für die erkrankte Kathrin Giehl einsprang, den Taktstock zu ersten Mal hob und „Jauchzet dem Herrn“ von Felix Mendelssohn Bartholdy erklang – engelsgleich, wie alle Lieder aus fünf Jahrhunderten.

Hauptaufgabe der Domspatzen sei es, so ihr erklärtes Ziel, zur Ehre Gottes und zur Freude der Mitmenschen zu singen. Das ist am Sonntag mehr als gelungen. Gerade geistliche Chormusik ist schließlich Verkündigung in ihrer schönsten Form, und sie erreicht die Menschen auf einer besonderen emotionalen Ebene. Im Zentrum des Singens stehe laut Chorleitung der Gedanke, dass der Glaube an Gott und die Liebe zu den Menschen zuversichtlich in die Welt und dankbar nach oben blicken lassen – himmelwärts eben, wie es zwei kleine Domspatzen kurz während des Konzerts in einem amüsanten Dialog besprachen.

Die jungen Sänger spannten einen Bogen von Josef Gabriel Rheinbergers „Dextera Domini“ über ein kraftvolles und berührendes „In monte Oliveti“ von Jouzas Naujalis bis zu „All things bright and beautiful“ von John Rutter. Beim schwungvoll und frisch vorgetragenen „Joshua fit the battle of Jericho“ von Göttsche wollte man fast mitklatschen, und am Ende war „Let us go in peace“ von John Rutter zu hören.

Für die Zugabe stellten sich die Sänger rings um die Zuhörer im Kreis auf, was die Akustik der Kirche noch einmal anders und intensiv erleben ließ.

Noch lange erklangen die Lieder in den Köpfen der Besucher nach. „Traumhaft“ sei das Konzert gewesen, sagte eine Besucherin am Schluss. Manuela Frummet aus Nittenau erklärte: „Es war großartig, und es ist faszinierend, mit welcher Leidenschaft die jungen Menschen die Chormusik darbieten.“ Sehr beeindruckt äußerte sich auch Pfarrer Kruschina. Die Stunde hätte einem Kraft gegeben. Sogar ein Elternpaar eines Domspatzen war gekommen: Tina und Bernd Fuchs aus Brennberg. Ihr Sohn Hannes ist seit zwei Jahren Teil dieses Gietl-Chors, einem von insgesamt vier Chören der Domspatzen.

Seit 2022 sind Mädchen dabei

„Es ist immer wunderschön, ein Konzert zu singen“, sagt Hannes strahlend. Seine Schwester Paula ist ebenfalls ein Domspatz, denn seit dem Jahr 2022 werden auch Mädchen aufgenommen.

Der Regensburger Knabenchor besteht bereits seit dem Jahr 975, also über 1000 Jahre lang. Gerade in den vergangenen Jahrzehnten verstanden es die Chorleiter, das musikalische Profil des Chores zu schärfen, und so ist er bis heute zeitgemäß. Noch immer liegt die Hauptaufgabe der Domspatzen in der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste im Regensburger Dom St. Peter. Während der Schulzeit sind sie dort jeden Sonntag und an den Hochfesten zu hören.