Rege Diskussion
Ein Lehrbeispiel friedlichen Widerstandes: WAA-Mitstreiter erinnern in Schwarzhofen an Proteste

29.10.2023 | Stand 29.10.2023, 17:00 Uhr

Sie erinnerten an die Geschehnisse vor mehr als 30 Jahren: Alfred Wolfsteiner, Hans Schuierer, Wolfgang Nowak und Maximilian Beer (v. l.). Foto: Adolf Mandl

„Eine Sternstunde der Zivilbevölkerung in Bayern“ und ein „Lehrbeispiel, was in einer Demokratie durch friedlichen Widerstand zu erreichen ist“ – so lauteten Urteile maßgeblicher Historiker über den WAA-Widerstand. Dieser Protest, der zehn Jahre lang die Oberpfalz prägte, galt ein Filmnachmittag des Kulturförderkreises Schwarzhofen mit Ausschnitten aus verschiedenen Werken zum Thema. Wolfgang Nowak, der Archivar des Widerstandes, hatte sie aus seiner umfangreichen Materialsammlung zur Verfügung gestellt.

Mit Altlandrat Hans Schuierer (SPD) war auch eine Gallionsfigur zur gemeinsamen Veranstaltung des Kulturförderkreises Schwarzhofen und des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg nach Schwarzhofen gekommen in die Aula der Grundschule.

Beer: Pflege der Erinnerungskultur ist wichtig



Bürgermeister Maximilian Beer (CSU) als „Hausherr“ und Vorsitzender des Kulturförderkreises freute sich über die Besucher aus nah und fern und betonte, wie wichtig die Pflege der Erinnerungskultur sei, gerade jetzt, wo die Demokratie wieder in Gefahr gerate. „Wer nichts aus der Geschichte lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“, zitierte Beer den Historiker Golo Mann.

Das könnte Sie auch interessieren: Veteranen des WAA-Widerstands feiern in München Ende der Atomkraft

Ortsheimatpfleger Alfred Wolfsteiner, der die Veranstaltung organisiert hatte, erinnerte an den kürzlich verstorbenen Pfarrer Richard Salzl, der 30Jahre lang die Nachbarpfarrei Penting betreute, dazu die Pfarreien Seebarn und Neukirchen-Balbini. „Er ist eine maßgebliche Stütze des christlichen Widerstandes und der Marterl-Gemeinde gewesen“, rief er in Erinnerung. Schuierer kommentierte die Ausschnitte aus dem Film „Wackersdorf“, die teilweise in Schwarzhofen und Umgebung entstanden waren. „Der Film ist halt ein Spielfilm, weit entfernt von jeglicher Realität“, urteilte Schuierer. Der Film sei aber von großer Bedeutung, um die Geschehnisse von damals nicht in Vergessenheit zu lassen.

Versuche, ihn mürbe zu machen



Schuierer erzählte, wie man versucht habe, ihn mürbe zu machen und unter Druck zu setzen. Besonders wichtig sei neben der Unterstützung durch Geistliche beider Konfessionen das friedliche Engagement der Frauen gewesen.

Etliche Besucher der Veranstaltung schilderten eigene Erlebnisse aus dem Widerstand. Über die Gründe, warum die WAA schließlich aufgegeben wurde, wurde rege diskutiert.

Abschließend zeigten Filmausschnitte, wie nach der Explosion von Tschernobyl 1986 die Gewalt auf dem WAA-Gelände eskalierte und wie die Bayerische Staatsregierung versuchte, den Widerstand allein auf gewalttätige auswärtige WAA-Gegner zu schieben.

Wolfsteiner, der die Veranstaltung auch mit einer Buchausstellung mit WAA-Literatur versehen hatte, dankte Hans Schuierer und Wolfgang Nowak für ihr großes Engagement, dass der WAA-Widerstand auch bei jüngeren Generationen in den Schulen und in der Bevölkerung nicht vergessen werde. Schuierer, so Wolfsteiner, habe gezeigt, dass es in der Demokratie unbedingt wert ist, für sie zu kämpfen und wie der Kampf auch zum Erfolg führen kann. „Denn wer kämpft, der kann verlieren. Aber wer nicht kämpft, der hat schon verloren.“