Gut 60 Kräfte im Einsatz
Gefahrgutunfall simuliert: Wehren aus Burglengenfeld und Teublitz üben Kollision von Zug mit Auto

25.02.2024 | Stand 25.02.2024, 17:00 Uhr
Stefan Barte

Entlang des Eislaufparkplatzes wurde auf der Zufahrtsstraße zum Unglücksort eine komplette ABC-Schleuse aufgebaut, um die nach dem Einsatz zurückkehrenden Feuerwehrkräfte zu dekontaminieren, das heißt von möglichen Schadstoffanhaftungen an der Schutzbekleidung zu befreien. Foto: Stefan Barte

Um 14.45 Uhr wurden am Samstag die Feuerwehren aus Teublitz und Burglengenfeld alarmiert. Der Funkspruch war kurz: „Gefahrgut-Zug auf der Bahnstrecke Maxhütte-Haidhof nach Burglengenfeld Höhe Eislaufplatz kollidiert mit PKW. Zwei Verletzte, Gefahrstoffaustritt.“

Zum Glück handelte es sich bei dieser Alarmierung nicht um einen Ernstfall, sondern nur um eine Übung.

Mit den spärlichen Informationen rückten wenige Minuten nach der Alarmierung die zwei Wehren mit allen zur Verfügung stehenden Kräften und Einsatzfahrzeugen an. Die Lage vor Ort war unübersichtlich und von Einsatzleiterin Theresa Hecht auf Grund der Dimensionen schwierig einzuschätzen. Ein demoliertes Auto lag unterhalb des unbeschrankten Bahnüberganges auf der Wiese, die Diesellock stand mit fünf H- Wagen auf dem Bahndamm, unbekannte Gefahrstoffe rannen aus den Waggons heraus. Eine schwer verletzte Person befand sich im Auto, die zweite, ein kontaminierter Rangierhelfer, blieb zunächst unentdeckt.

Verletzten aus Golf befreien

Mittlerweile liefen alle Fahrzeuge mit gut 60 Feuerwehrkräften auf dem Parkplatz vor dem Eislaufplatz auf. Ein Ausweichen und näheres Heranfahren an die Unfallstelle war aufgrund der unbekannten Gefahrstoffe und der durchnässten Wiesen unmöglich. Ein logistisches Problem, das nur mühsam zu Fuß gelöst werden konnte. Die Kräfte teilten sich auf. Die FF Burglengenfeld kümmerte sich um den Verletzten im Auto und musste dazu den hydraulischen Rettungsspreizer anwenden, um ihn aus dem Golf zu befreien. Das funktionierte relativ problemlos, da selbst die B-Säule des Fahrzeugs der angesetzten Schere nicht lange standhielt und der Verletzte damit schonend geborgen, auf die Rettungsschaufel gelegt und abtransportiert werden konnte.

Schwieriger gestaltete sich die Rettung der Rangierhelfers. Zum einen war dieser durchnässt von Gefahrstoff und lag außerdem schwer zugänglich im Gefahrenbereich und zugleich abschüssigen Gelände des Bahndamms.

Mit Atemschutz und Chemikalienschutzhandschuhen ausgestattet, trugen zwei beherzte Helfer der FF Teublitz den Mann zum zwischenzeitlich vom ABC-Zug eingerichteten Dekontaminationsplatz. Dort wurde er erst einmal abgewaschen und anschließend an die Sanität übergeben.

Klärung über geladene Gefahrstoffe

Zwischenzeitlich konnte über den Lokführer und die Ladepapiere ermittelt werden, welche Gefahrstoffe auf den Waggons geladen waren. Das waren nicht wenige. 1200 Liter Ammoniakwasser, 1000 Liter Aero Shell Fluid, 1000 Liter Königswasser, 2000 Liter Flusssäure, 1000 Liter Gardacid und noch einige mehr.

Die Frage stellte sich der Teublitzer Wehr nun, welche Fässer beschädigt waren und wie diese zu behandeln sind. Es half also nichts und der ABC-Zug musste unter Vollschutz die Waggons mühsam und zeitaufwendig untersuchen und die Leckagen abdichten.

Aber wie öffnet man einen H-Waggon? Dazu und für andere technische Fragen stellte die DB Infra GO beratende Notfallmanager ab. Daniel Wegner und Tobias Kastner stehen in solchen Unglücksfällen für Fragen der Feuerwehren bereit und werden im Notfall parallel alarmiert. Ebenso ein Mitarbeiter des DB Cargo Notdienstes. Lukas Dausch konnte als Fachberater EVU Eisenbahn Verkehrsunternehmen zur Wagenladung und zum Zug befragt werden.

Zwei-Stunden-Szenario

Nach gut zwei Stunden beendeten die beiden Kommandanten Johannes Schindler aus Teublitz und stellvertretender Kommandant Michael Aschenbrenner aus Burglengenfeld die durch sie kreierte, nicht alltägliche Einsatzübung. Sie legten Wert darauf, dass das Übungsszenario relativ reell gehalten war. Beispielsweise rollen all diese Gefahrstoffe tagtäglich über die Autobahn A93 und werden von den großen Betrieben auch im Städtedreieck durchaus verwendet. Dafür müsse man sich vorbereiten. Das gehe einzig und allein durch Übung.

Die beiden Kommandanten waren sich ob des Übungserfolges einig. Jeder Teilnehmer konnte in seinem Bereich wertvolle Erfahrungen sammeln, die ihm im echten Einsatz Sicherheit geben, das eigene Leben schützen und in Not geratenen Menschen zu helfen.