Werk in Schwarzenfeld
Nach Insolvenzantrag: Deutsche Steinzeug und Agrob Buchtal sollen nicht zu Bruch gehen

23.02.2024 | Stand 23.02.2024, 12:40 Uhr

Die Zentrale des Unternehmens steht in Witterschlick. Betroffen von der Schieflage ist aber auch der Betrieb in Schwarzenfeld. Foto: deutsche steinzeug.de/Fotobonn

Die Deutsche Steinzeug Cremer Breuer AG, führender deutscher Hersteller im Bereich Architektur- und Schwimmbadkeramik, stellt sich und ihre Tochter Agrob Buchtal GmbH neu auf. Die Gesellschaften nutzen dazu laut Pressemitteilung jeweils die Möglichkeit einer Sanierung in Eigenverwaltung. Auch in Schwarzenfeld gibt es ein Werk (Landkreis Schwandorf).



Der Vorstand der Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG und die Geschäftsführung der Tochter Agrob Buchtal mit Sitz in Alfter-Witterschlick (NRW) haben am 21. Februar beim Amtsgericht in Bonn Anträge auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Der Prozess solle den Weg frei machen für einen Neustart, der die Erhaltung der Standorte und Sicherung der Arbeitsplätze zum Ziel habe, heißt es. Die Geschäftsbetriebe und die Produktionen des Herstellers keramischer Lösungen liefen an allen vier Standorten in vollem Umfang weiter. Die internationalen Vertriebsorganisationen der Deutsche Steinzeug blieben von dem Verfahren unberührt.

„Alle Aufträge werden wie geplant bearbeitet, produziert und ausgeliefert. Unsere Kunden erhalten weiter die qualitativ hochwertigen Produkte, die sie von uns kennen“, sagt Dieter Schäfer, CEO Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG.

Am Mittwoch wurden Mitarbeiter informiert

Zusammen mit den Vorständen für Vertrieb und Finanzen, Thomas Musial und Norbert Schäfer, informierte er am Mittwoch die rund 1000 Mitarbeitenden ausführlich in einer Belegschaftsversammlung über den aktuellen Stand.

Die Sanierung in Eigenverwaltung ist ein insolvenzrechtliches Verfahren, das das Unternehmen in eigener Regie durchführen kann. In diesem Prozess bleibt die Geschäftsführung voll handlungsfähig und kann uneingeschränkt agieren. Beaufsichtigt wird sie allerdings von einem vom Gericht bestellten Sachwalter.

Ziel ist es laut Pressemitteilung, die beiden Sanierungsverfahren zügig mit je einem Plan abzuschließen. Diese werde die Geschäftsleitung mit Unterstützung der auf Unternehmenssanierungen spezialisierten Kanzlei Schultze & Braun innerhalb der nächsten Wochen erarbeiten und dem Gericht vorlegen.

Änderung der Tilgungskonditionen brachten Schieflage

„Die Entscheidung für das insolvenzrechtliche Verfahren wurde nach sorgfältiger Prüfung und unter Berücksichtigung der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen getroffen“, erklärte Schäfer. Den Ausschlag für die finanzielle Schieflage habe die „Veränderung der Tilgungsveranlagung laufender Kredite“ gegeben. Der von Schäfer geplante und final vorbereitete Zufluss finanzieller Mittel, den das Marktumfeld im Bau- und Immobilienbereich erfordere, sei durch diese Wende unmöglich geworden.

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„Wir haben schon früh damit begonnen, unsere Produktionskapazitäten und -prozesse an den ausbleibenden Markt anzupassen“, betont Schäfer. Die Änderung der Kredite habe den „notwendigen und bereits final vorbereiteten ergänzenden Liquiditätsfluss“ aber verhindert. Man verstehe sich als „keramischer Lösungsanbieter“ für die Kunden, heißt es weiter. Daran werde sich nichts ändern. „Unsere Erfahrung, aber auch unsere Innovationskraft werden uns helfen, diese Problemphase für unsere Unternehmen zu meistern“, ist Schäfer überzeugt.

Geschäftsmodell ist „grundsätzlich intakt“

Er erinnerte in diesem Zusammenhang an weitere große Herausforderungen, die es zu meistern gegolten habe, wie die Pandemie oder die Energiekrise durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Jetzt wolle die Deutsche Steinzeug neu durchstarten. Das Geschäftsmodell sei „grundsätzlich intakt“. Man sei bestrebt, die Maßnahmen, die man bereits initiiert habe, erfolgreich abzuschließen. Schäfer wörtlich: „Wir sind zuversichtlich, dass uns das gelingt.“