Auf den Spuren von Télémaque Michiels
Nachfahr des Eisenwerk-Gründers besuchte Maxhütte – Einblick in die Geschichte

18.05.2024 | Stand 18.05.2024, 19:00 Uhr

Sie freuten sich über den Besuch: (v. l.) Geschäftsleiter Karl-Peter Würstl, 2. Bürgermeister Franz Brunner und Stadtarchivar Thomas Barth gemeinsam mit François de Harenne und seiner Gattin Astrid. Foto: Stadt Maxhütte-Haidhof, Anita Alt

Kürzlich stattete Monsieur François de Harenne mit seiner Gattin Astrid dem Rathaus einen Besuch ab und trug sich in das Besucherbuch der Stadt Maxhütte-Haidhof ein. Das Ehepaar, das im belgischen Schloss Froidcour (Château de Froidcour) in den Ardennen beheimatet ist, wurde vom 2. Bürgermeister Franz Brunner herzlich empfangen.

Was war der Anlass des Besuchs? Obwohl es der Name nicht verrät, handelt es sich bei François de Harenne um einen Nachkommen des belgischen Unternehmers Télémaque Michiels (1799 in Paris – 1860 in Lüttich). „Dieser gründete gemeinsam mit Henry Goffard 1850 das hiesige Eisenwerk, das ab 1853 nach dem bayerischen König Maximilian II. benannt wurde.“

Betrieb Maximilianshütte prägte die Geschichte und den Namen der Stadt



„Unter dem Namen Maximilianshütte bzw. Maxhütte prägte dieser Montanbetrieb, der später als Werk Haidhof bezeichnet wurde bis 1990 die Geschichte und den Namen unserer Stadt“, so Thomas Barth. Bekanntlich erfolgte erst 1938 die Umbenennung von Ibenthann in Maxhütte. Das Ehepaar de Harenne überreichte Bürgermeister Brunner die gerahmte Kopie eines Gemäldes von T. Michiels, das sich bis heute im Familienbesitz befindet. Angefertigt wurde es von Joseph Bernhard (1805-1885), der unter anderem den bayerischen König Maximilian II., seinen Nachfolger Ludwig II. und den Komponisten Richard Wagner porträtierte.

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„Im Vergleich zu Michiels ist im Städtedreieck bis heute Goffard (1822-1854) die bekanntere Persönlichkeit. Sowohl in Maxhütte-Haidhof als auch in Burglengenfeld gibt es nach ihm benannte Straßen“, erläuterte 2. Bürgermeister Brunner. Sein Grabdenkmal befindet sich auf dem Burglengenfelder Friedhof und wird bis heute gepflegt.

Die beiden Unternehmensgründer stammten aus dem französischsprachigen (wallonischen) Belgien, kamen aber (vermutlich) in München miteinander in Kontakt: Während sich der jüngere Goffard um den Aufbau der bayerischen Eisenbahn kümmerte, amtierte Michiels als belgischer Konsul in der bayerischen Residenzstadt. Michiels hatte aber bereits vorher als Unternehmer im belgisch-deutschen Grenzgebiet (Eschweiler) Erfahrungen in der Eisenverhüttung gesammelt.

Für Produktion von Bahnschwellen sollte Braunkohle genutzt werden



Sinn und Zweck des neuen Werks im Sauforst war die Produktion von Eisenbahnschwellen, wofür die mehrere Jahre vorher entdeckten Braunkohlevorkommen genutzt werden sollte. Da damals im heutigen Kernbereich der Stadt nur der Sauforst als Bauernhof und Neuwirtshaus existierten, wohnte Michiels in Burglengenfeld im Gasthof zur Post. Der Sauforst wurde zur Keimzelle des Eisenwerks, da er von den beiden gekauft wurde.

Tatsächlich verlief die Entwicklung des neuen Werks nicht nach Plan: Die Qualifizierung der einheimischen Arbeitskräfte zu Facharbeitern erwies sich schwieriger als gedacht, so dass sich der Betrieb bereits 1853 dem Konkurs näherte. Diese wirtschaftliche Fehlentwicklung beendete auch die Freundschaft zwischen Michiels und Goffard: Nach der Neuprivilegierung durch den bayerischen König Maximilian II. schied Michiels aus dem Unternehmen aus. Tatsächlich wurde aber der belgische Anteil an der Maxhütte (25 Prozent) erst 1930 von der Flick-Gruppe abgelöst.

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Michiels Mutter war Engländerin, geboren wurde er in Paris, da sein Vater hier politisch tätig war. Aus einer Ehe mit einer Holländerin ging eine Tochter hervor. Eine Enkeltochter ließ 1912 Schloss Froidcour als Verlobungsgeschenk für Marcienne erbauen, die Charles-Albert de Harenne heiratete. François de Harenne ist ein Enkelkind aus dieser Verbindung.

Eine Straße für Vorfahren?

„Unser Grund für den Besuch in Maxhütte-Haidhof ist ein Buchprojekt“, so François de Harenne. „Ich plane ein Werk über die Frauen meiner Familiengeschichte.“ Aus diesem Grund zeigte 2. Bürgermeister Brunner den belgischen Gästen das Firmengelände des ehemaligen Eisenwerks Maximilianshütte, in dem heute die Firma Läpple Automotive tätig ist. Auch dem Friedhof in Burglengenfeld wurde ein Besuch abgestattet, um das Grab von Henry Goffard aufzusuchen.

De Harenne schlug vor, auch seinem Vorfahren, Télémaque Michiels, in der Stadt Maxhütte-Haidhof eine Straße zu widmen. Damit würde ein Unternehmer und Diplomat gewürdigt werden, der wichtige Beiträge zur Industrialisierung in Deutschland, Bayern und der Oberpfalz leistete.