Finanzielle Schieflage
Sanierungsverfahren bei Muttergesellschaft Gienanth hat Folgen für Fronberg Guss

29.11.2023 | Stand 29.11.2023, 18:51 Uhr

Fronberg Guss gehört seit 2005 zur Gienanth-Gruppe. Foto: Heinzl, Archiv

Die Gienanth GmbH, Kerngesellschaft der Gieserei-Gruppe Gienanth ist in finanzielle Schieflage geraten. Das hat auch Folgen für die Wirtschaft in Schwandorf: Denn Gienanth ist die Muttergesellschaft von Fronberg Guss im gleichnamigen Schwandorfer Stadtteil.



Das Unternehmen mit Sitz in Eisenberg (Rheinland-Pfalz) hat am Montag einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Damit reagiert Gienanth auf die zuletzt gestiegenen finanziellen Belastungen der gesamten Unternehmensgruppe, heißt es in einer Pressemitteilung der mit der Insolvenzverwaltung beauftragten Kanzlei Schultze & Braun. Für weitere Gesellschaften werde derzeit geprüft, ob eine Eigenverwaltung ebenfalls die passende Sanierungsoption darstelle.

Betriebsversammlung bei Fronberg Guss am Mittwoch



Von dieser Prüfung umfasst sei beispielsweise auch die Fronberg Guss GmbH. Ziel des Verfahrens bei Gienanth sei es, die Gruppe zukunftsfähig aufzustellen und ihre grundsätzlich positive Positionierung im Markt weiter zu stärken. „Das Verfahren soll uns und unseren Geschäftspartnern die dafür notwendige Sicherheit und Verlässlichkeit geben“, wird Torsten Stein, Geschäftsführer der Gienanth Group in der Pressemitteilung zitiert. Die rund 1000 Mitarbeiter der Gruppe wurden bereits über das Verfahren informiert. Nach Informationen der Mediengruppe Bayern wird am Mittwochnachmittag eine Betriebsversammlung in Fronberg einberufen, in der verkündet werden soll, dass auch die Fronberg Guss GmbH Teil des Insolvenzverfahrens wird. Welche Auswirkungen dies für die rund 150 Mitarbeiter in Schwandorf haben wird, sei stand jetzt noch nicht absehbar.

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Als Auslöser für die Probleme nennt Gienanth finanzielle Einbußen durch die Auswirkungen der geopolitischen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Krisen. Die Covid-19-Pandemie habe weltweit zu Produktionsstopps und hohen Ausfallraten in den Belegschaften geführt. Dadurch seien Lieferketten erheblich gestört und die Verfügbarkeit wichtiger Einzelteile deutlich eingeschränkt gewesen. Hinzu seien erhebliche Mehrbelastungen durch stark angestiegene Preise für Rohstoffe und Energie, insbesondere in Folge des Krieges Russlands gegen die Ukraine gekommen. Die Sanktionen gegen Russland führten außerdem dazu, dass die Produktionsstandorte Kulmbach und Schwandorf größere Aufträge nicht mehr ausführen konnten, die für den russischen Markt bestimmt waren. Zu allem Überfluss kam auch noch ein Großbrand im Gienanth-Werk in Chemnitz dazu.

Seit 2005 Teil der Gienanth-Gruppe



„Das angestrebte Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung
würde uns in die Lage versetzen, die Sanierung in einem überschaubaren Zeitraum durchzuführen“, sagt Sanierungsexperte Jürgen Erbe von der Kanzlei Schultze & Braun. Viele notwendige Vorarbeiten habe Gienanth in den vergangenen Monaten bereits geleistet. Gienanth sei gut etabliert in seinen Märkten und habe sich strategisch in vielen zukunftsgerichteten Märkten positioniert. Diese Stärken gelte es weiter auszubauen. „Mit dem passenden Investor ist dies möglich“, so Erbe.

Fronberg Guss wurde 2005 durch die Gienanth-Gruppe übernommen und produziert vor allem Teile für Hersteller von Großmotoren, etwa für die Schifffahrt oder Baumaschinen.