Vertreter anderer Konfessionen dabei
Seit 90 Jahren im Glauben verbunden: Neuapostolische Kirche in Schwandorf feierte Jubiläum

05.12.2023 | Stand 05.12.2023, 15:00 Uhr

Der Gemeindevorsteher Alexander Klette (Mitte) freute sich über die Glückwünsche von (v. l.) Paul Warkentin, Pfarrer Andreas Schinko, Bezirksvorsteher Ralf-Werner Münster und Andreas Wopperer. Foto: Friedrich Gluth

Die Neuapostolische Kirche in Schwandorf feierte am Sonntag ihr 90-jähriges Bestehen. Nachdem zur Eröffnung der Veranstaltung der sechsköpfige Chor das Lied „Singt ein Lied von Gott“ gesungen hatte, hieß Priester und Gemeindevorsteher Alexander Klette im Gemeindesaal in der Waldschmidtgasse in Schwandorf zahlreiche Gäste willkommen.

Sein besonderer Gruß galt dem Bezirksvorsteher Ralf-Werner Münster aus Nürnberg, Pastor Paul Warkentin von der Mennonitengemeinde Schwandorf und dem katholischen Pfarrer Andreas Schinko von der Gemeinde Herz Jesu in Schwandorf.

Nach der Begrüßung sprach Münster auf Bitte von Klette ein Gebet. Klette zeigte dann die Chronik „90 Jahre Neuapostolische Kirche in Schwandorf“ auf. „Meine Hoffnung, meine Freude“ sang der Chor im Anschluss.

Eine Bastion der Solidarität

In seinem Grußwort gratulierte der Bezirksvorsteher all jenen, die seit 90 Jahren die Gemeinde Schwandorf geprägt haben und weiterhin prägen. Zu Gottes Lob und Ehre, so seine Worte, gebe es Stunden der Gemeinschaft für Senioren und Kinder, es werde gemeinsam im Garten gearbeitet und auch miteinander gefeiert. Er sei als aktiver Christ fest überzeugt, dass unsere heutige Zeit Glauben und Kirche brauche. Sie würden eine Bastion der Solidarität und des Miteinanders unserer Gesellschaft bilden.

Für die Gemeinde in Schwandorf wünschte er, dass sie sich als Kirche in der Gesellschaft mit den vielen anderen Konfessionen weiterentwickelt. Er schloss mit einem Zitat aus Psalm 90, wonach Gott das Werk der Hände der Menschen fördern möge.

Für die Mennonitengemeinde Schwandorf überbrachte Pastor Paul Warkentin die Glückwünsche zum Gemeindejubiläum. Er bestätigte den Gastgebern: „Sie sind eine Bereicherung für unsere Schwandorfer Kirchenkultur.“ Für die Katholische Kirche überbrachte Pfarrer Schinko die Glückwünsche. Dabei stellte er heraus, dass sich in den 90 Jahren, seit die Neuapostolische Kirche in Schwandorf ist, viel verändert habe. Vor 90 Jahren hätten die Kirchen eher auf Abgrenzung abgezielt. Heute werde gemeinsam Gottesdienst gefeiert, denn es gebe viel mehr Verbindendes. „Es gibt einen Namen, den wir lieben und der verbindet: Jesus“, sagte Schinko.

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Als Geschenk hatte er neben einem Gotteslob eine Einladung der Pfarrei und des Pfarrgemeinderates Herz Jesu zu einem gemeinsamen Nachmittag oder Abend, bei dem man sich kennenlernen könne, mitgebracht. Dazu zitierte er ein Motto des Katholischen Zisterzienserordens: „Die Tür steht offen, das Herz noch mehr.“

Die Grüße der Stadt Schwandorf überbrachte zweiter Bürgermeister Andreas Wopperer. Religion ist, so sagte er, die Vermittlung von Werten. Dies sei heute sehr wichtig.Bevor der Chor mit dem Lied „Jauchzet dem Herrn“ die Veranstaltung abschloss, lud Priester Klette die Gläubigen zu einem kleinen Imbiss ein.

Im Vorfeld der Jubiläumsfeier erläuterte der Gemeindevorsteher Klette einige Fragen zu seiner Glaubensgemeinschaft. „Die Neuapostolische Kirche ist eine christliche Kirche und Grundlage ihrer Lehre ist die Bibel in der Lutherübersetzung. Die Apostolische Kirche ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, zu der sich weltweit mehr als neun Millionen Christen bekennen“, so Klette. Momentan seien in der Gemeinde Schwandorf 152 Mitglieder im Kirchenbuch verzeichnet, die von zwei Priestern und zwei Diakonen seelsorgerisch betreut würden. Speziell für die jüngeren Gemeindemitglieder seien vier Lehrkräfte abwechselnd tätig, um christliche Werte zu vermitteln.

Herzliches Miteinander in der Großen Kreisstadt

Klette selbst ist seit 2008 als Priester tätig und seit November 2015 Vorsteher der Schwandorfer Gemeinde. Zu anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften pflege die neuapostolische Kirche guten Kontakt. „Das herzliche Miteinander aller Christen hier in unserer Stadt ist etwas Besonderes“, sagte der Gemeinde. „Wir sind eine Wohlfühlgemeinde, das erfüllt mich mit Dankbarkeit.“ Jeder bringe sich mit seinen Gaben ein. Auf einer kleinen Tafel im Eingangsbereich der Kirche stehe der Leitsatz: „Wir sind eine Kirche, in der sich Menschen wohlfühlen und – vom Heiligen Geist und der Liebe zu Gott erfüllt – ihr Leben nach dem Evangelium Jesu Christi ausrichten und sich so auf sein Wiederkommen und das ewige Leben vorbereiten.“

Zur Chronik



Einzugsbereich: Seit 15. November 2015 dient Priester Alexander Klette als Vorsteher der Gemeinde Schwandorf. Der Arbeitsbereich der Gemeinde Schwandorf reicht bis Pfreimd, Oberviechtach, Neunburg, Bodenwöhr, Nittenau, Teublitz, Burglengenfeld, Kallmünz, Wackersdorf und Pittersberg.

Gründung: Ein junges Mädchen aus dem oberpfälzischen Ort Dietersdorf ging nach Duisburg, heiratete und trat 1928 der Neuapostolische Kirche bei. Ein Jahr später starb ihr Mann, der auch ihrer Religion angehört hatte. Eines Nachts träumte die junge Witwe von ihrer Heimatgemeinde Schwandorf, wobei eine Stimme zu ihr sprach: „Hier ist dein Arbeitsfeld.“ Daraufhin siedelte sie 1931 mit ihren vier Kindern nach Schwandorf über. 1933 wurde ein Vorsteher für die kleine Gemeinde Schwandorf berufen. Ab da konnten in Schwandorf regelmäßig Gottesdienste stattfinden.

Gotteshaus: Als Versammlungsstätte diente von 1933 bis 1946 die Küche der Witwe, die für die Gläubigen oft zu klein war. Ab 1946 fanden Gottesdienste in verschiedenen Räumen statt, bis die Stadt Schwandorf im alten Rathaus Räume zur Verfügung stellte. Im Jahr 1953 wurde von der Tonwarenfabrik Schwandorf ein Grundstück gemietet und eine Notkapelle errichtet. Über elf Jahre erfüllte diese ihren Zweck, bis im Jahre 1963 mit dem Kirchenbau in der Waldschmidtstraße begonnen wurde. Am 4. Dezember 1964 konnte die Kirche eingeweiht werden. Ab 1983 wurde die Kirche umgebaut und renoviert, am 16.September 1984 eingeweiht.