Gesundheit und Pflege
Ministerin Judith Gerlach hospitiert im Klinikum Nürnberg – über Notfallversorgung informiert

18.05.2024 | Stand 18.05.2024, 12:58 Uhr

Die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach (Mitte) im Gespräch mit Pflegekräften und Medizinern auf der Stroke Unit, hier mit Neurologie-Klinikdirektor Professor Jan Liman (l.) und dem Vorstandsvorsitzenden Professor Achim Jockwig. Fotos: Rudi Ott / Klinikum Nürnberg

Hoher Besuch am Campus Süd des Nürnberger Klinikums. Dort hat sich Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach (CSU) darüber informiert, wie die Notfallversorgung in Nürnbergs Krankenhaus der Maximalversorgung abläuft.



Dafür hospitierte die Ministerin laut Pressesprecherin Isabel Lauer am Donnerstag auf dem Campus Süd in der Zentralen Notaufnahme und anschließend in der Stroke Unit, der auf Schlaganfallbehandlungen spezialisierten Einheit der Klinik für Neurologie. Gerlach habe sich dabei über das Leistungsspektrum des Maximalversorgers in Bayerns zweitgrößter Stadt informiert.

Wichtige Einblicke gegeben

Laut Lauer konnte sie dabei etwa beobachten, wie ein betagter Patient nach einem Sturz und gleichzeitig ein schwer verletztes Verkehrsunfallopfer versorgt werden. Auf der Stroke Unit sah sie bei der Mobilisation eines Schlaganfallpatienten zu – und freute sich, als der sich trotz Sprechschwierigkeiten für ihren Genesungswunsch bedankte.

Gerlach: „Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Je früher er erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.“ Professor Achim Jockwig, Vorstandsvorsitzender des Klinikums Nürnberg, stellt fest: „Wir sind dankbar, dass sich die bayerische Gesundheitsministerin drei Stunden Zeit für Gespräche mit Pflegekräften und Medizinern genommen hat. So konnten wir ihr wichtige Einblicke in Arbeitsstrukturen und in aktuelle Herausforderungen der Gesundheitsversorgung geben.“

Ihr Namensschild am grünen Kasack ließ die Ministerin laut Lauer lieber weg – sie wollte möglichst unerkannt zuhören und nachfragen. Beispielsweise interessierte sie sich für das Vorgehen bei den Ersteinschätzungen in der Notaufnahme, die in Spitzenzeiten alle zwei Minuten einen Neuzugang bekommt.

Sie erkundigte sich auch nach dem Umgang mit psychisch belastenden Situationen für das Team und kam ins Gespräch mit einer Auszubildenden zur Anästhesietechnischen Assistentin. Mit Pflegedirektorin Nadine Heym tauschte sich Gerlach über den Wunsch nach einer Begrenzung von Leiharbeit in der Pflege aus.
Jockwig und Professor Jan Liman, Klinikdirektor der Klinik für Neurologie, schilderten Gerlach in diesem Zusammenhang ein drängendes Problem vieler Akutkrankenhäuser: den Stau bei der Abverlegung von Patienten. Immer wieder blieben Patienten, die keine medizinische Behandlung mehr benötigen, länger als vorgesehen im Krankenhaus. Es fehle an Kapazitäten in der Anschlussversorgung, ob in der ambulanten, häuslichen, stationären, spezialisierten Pflege oder in Reha-Einrichtungen. Gerade die Überleitung in die Kurzzeitpflege nehme oft mehrere Wochen in Anspruch. Oftmals wochenlange Wartezeiten ergäben sich auch für Reha-Plätze nach einem Schlaganfall.

Hintergrund ist laut Lauer der Fachkräftemangel, der sich seit der Corona-Krise in allen Bereichen verstärkt hat. Am Klinikum Nürnberg sei daher ein nennenswerter Teil der Betten nicht für die Akutversorgung frei – auf diese Betten müssen dann wiederum andere Kranke in der Notaufnahme warten.

Die Zentrale Notaufnahme auf dem Campus Süd verzeichnet nach eigenen Angaben als überregionales Notfallzentrum jährlich 25000 stationäre und 38000 ambulante Patientenkontakte. Die Stroke Unit am Klinikum Nürnberg ist mit 22 Intensivbetten die größte in Bayern und gehört zu den größten Stationen ihrer Art in Deutschland. Sie versorgt jedes Jahr rund 2000 Menschen nach einem Schlaganfall.

Gerlach würdigt Netzwerk

Das Klinikum Nürnberg ist eines von drei überregionalen Schlaganfall-Zentren, die im Rahmen des „Schlaganfall-Netzwerks mit Telemedizin in Nordbayern“ (STENO) 20 weitere Kliniken telemedizinisch in der Versorgung von Schlaganfall-Patienten unterstützen. Ein System, das Gerlauch laut Lauer würdigte: „In Bayern haben wir vier dieser überregionalen Schlaganfall-Netzwerke mit insgesamt 85 Krankenhäusern etabliert. Sie machen die Expertise großer Maximalversorger mit Hilfe der Telemedizin auch in ländlichen Regionen wohnortnah verfügbar.“