Schutz vor FSME-Infektionen wichtig
Chef des Gesundheitsamts Amberg ist besorgt: Die Erwachsenen sind impfmüde

28.02.2024 | Stand 28.02.2024, 17:00 Uhr

Die Region Amberg-Sulzbach ist schon lange ein Hochrisikogebiet, was die Erkrankungen betrifft, die Zecken durch ihren Biss übertragen können. Symbolbild: Julian Stratenschulte, dpa

Sorgen bereitet dem Gesundheitsamt Amberg die „Impfmüdigkeit“, die vor allem bei Erwachsenen zu beobachten sei. Sie hänge nicht zuletzt mit den Erfahrungen der Corona-Pandemie zusammen, sagt Amtsleiter Roland Brey. Gerade jetzt im Frühjahr sei es aber wichtig, sich gegen FSME-Infektionen zu schützen.

„Bevölkerungsbefragungen belegen, dass viele Menschen das Vertrauen in das Impfen aufgrund widersprüchlicher Empfehlungen und Aussagen verloren haben, die sich auf die Wirksamkeit von Impfungen und deren Nebenwirkungen beziehen“, zitiert das Landratsamt den Leiter des Gesundheitsamts, Roland Brey, in einer Presseinformation.

„Eine wesentliche Rolle spielt dabei auch die Enttäuschung darüber, dass die Covid-Impfungen Infektionen nicht verhindern konnten“, so der Mediziner weiter. Eindeutig nachgewiesen sei jedoch der Schutz vor schwerer Erkrankung und vor Tod, wie sich gerade in den Pflegeheimen gezeigt habe.

„Bei der großen Long Covid-Befragung des Gesundheitsamtes im vergangenen Jahr führte ein Teil der betroffenen Personen die Beschwerden auf negative Impffolgen zurück, wenngleich inzwischen mehrere Studien der Impfung eine gute Schutzwirkung auch vor Long- und Post-Covid bescheinigt haben“, so Brey.

Impfquoten liegen deutlich unter 50 Prozent



Nach den schwierigen Pandemiejahren sei die „Coronamüdigkeit“ durchaus verständlich, heißt es in der Presseinfo weiter. Im Hinblick auf die diesjährige Grippewelle und auf das von Forschern erwartete starke Zeckenjahr sollten jedoch andere Infektionskrankheiten wie Influenza und FSME nicht außer Acht gelassen werden. Für diese Virenerkrankungen stünden seit langem Impfstoffe zur Verfügung, die zwar auch Infektionen nicht vollständig verhindern, aber das Risiko für schwere Folgen deutlich vermindern können.

Die Impfquoten liegen laut Mitteilung bei Erwachsenen weit unter 50 Prozent. Brey bedauert, dass dies gerade auch für die Risikogruppen gilt, denen die Impfungen besonders empfohlen werden müssen, zum Beispiel älteren, chronisch kranken oder immungeschwächten Menschen.

Der Höhepunkt der diesjährigen Grippesaison scheine überschritten zu sein, sodass die Impfung jetzt kaum mehr in Betracht komme. Bei der Auswertung der bisher dem Gesundheitsamt Amberg gemeldeten Influenzafälle fällt auf, dass mehr als 90 Prozent aller Erkrankten nicht geimpft waren, bei den stärker gefährdeten über 60-Jährigen waren es mit 85 Prozent Ungeimpften nicht viel weniger. „Dass die Impfangebote im kommenden Herbst besser wahrgenommen werden, wäre sehr zu wünschen“, so Brey.

19 gemeldete FSME-Infektionen im Jahr 2023 – das ist ein Rekord



Bezüglich der Zecken und der FSME-Impfung heißt es in der Presseinfo weiter: Auch wenn wegen der milden Temperaturen Zecken ganzjährig aktiv sein können, steigt im Frühjahr das Infektionsrisiko deutlich. Unsere Region ist schon lange ein Hochrisikogebiet, weshalb jetzt die richtige Zeit ist, um den Impfschutz zu überprüfen, gegebenenfalls aufzufrischen oder neu zu erwerben.“ In der Regel seien drei Impfungen notwendig, um den vollen Schutz zu erreichen. Auffrischimpfungen werden je nach Impfstoff bei unter 50- bis 60-Jährigen alle fünf Jahre, bei älteren Menschen alle drei Jahre empfohlen.

Bei FSME-Infektionen ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. 2023 war für das Gesundheitsamt ein Rekordjahr mit 19 FSME-Meldefällen, bei denen es sich in der Regel um schwere Verlaufsformen handelt. Daher sollte heuer nicht nur an den Zeckenschutz allgemein, sondern auch besonders an die Impfungen gedacht werden. „Schließlich zählen diese trotz einer gestiegenen Impfskepsis zu den wichtigsten und wirksamsten Präventionsmaßnahmen in der Medizin“, appelliert der Mediziner.