Mit Mutter und Geschwistern ausgewandert
Riedener wurde engagierter Geistlicher in den USA

17.06.2024 | Stand 17.06.2024, 11:00 Uhr |
Michael Rabenhofer

Er ist in den USA weit herumgekommen: Pater Otto Kopf (so sein Klostername). Foto: Andreas Reindl, Archiv

Religion, Kirche und Geistliche nahmen in 700 Jahren Markt Rieden häufig eine herausgehobene Position ein. Eine bekannte Persönlichkeit in der Geschichte des Ortes war der Krämersohn Andreas Kopf, der Mitte des 19. Jahrhunderts mit seiner Mutter und fünf Schwestern nach Amerika zog. Der Werdegang des Riedeners als Geistlicher in der neuen Welt war beachtlich. Sein Name ist aber auch untrennbar mit dem Riedener Kreuzweg am Schlossberg verbunden. Der ehemalige Ortsheimatpfleger und Kirchenpfleger Andreas Reindl hatte zusammen mit Ortsheimatpfleger Hubert Haas zum Lebenslauf von Andreas Kopf geforscht und Interessantes herausgefunden. Dabei sind auch Kontakte in die Vereinigten Staaten von Amerika entstanden.

Geboren wurde Andreas Kopf, der später Pater Otto Kopf hieß, am 23. Mai 1832 in Rieden. Sein Geburtshaus war damals Rieden Nr. 95, heute Marktplatz 1. Von den Einwohnern wurde er „Huttner-Prinz“ genannt, nach dem Hausnamen Huttnerkramer.

Er war zum Zeitpunkt der Auswanderung 22 Jahre alt und landete mit dem Segelschiff Post am 19. August 1854 in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts. Da sein Vater verstorben war, hatte die Witwe Margaretha Kopf im Alter von 65Jahren mit sechs Kindern den waghalsigen Sprung über den Ozean als einzigen Ausweg gesehen.

Andreas Kopf trat dann in Latrobe bei Pittsburgh in den Benediktinerorden ein und wurde dort zum Priester geweiht unter dem Klosternamen Pater Otto Kopf. Er hat in Amerika eine bemerkenswerte Karriere erlebt und war zuletzt Prior dieses Klosters.

Gewirkt hatte Pater Otto Kopf unter anderem neun Jahre lang im Benediktinerkloster in Carroltown sowie als Prior des Klosters St. Joseph in Covington im Bundesstaat Kentucky. Weitere Stationen als Seelsorger zeigen das große Engagement des gebürtigen Riedeners auf. Dennoch hat Pater Kopf seine Riedener Wurzeln nie vergessen.

1889 hatte er 4000 Mark nach Rieden geschickt und damit erwirkt, dass damit der Kreuzweg zum Kalvarienberg (Schloßberg) mit steinernen Stationen ausgestattet wurde. Im Mai 1890 trat er daraufhin mit zwei seiner Schwestern eine Europareise an und weihte den Kreuzweg feierlich ein.

Auch in den Jahren danach flossen weiterhin Geldspenden über Pater Otto für diesen Zweck nach Rieden. Der schmucke Kreuzweg im Markt wird auch heute noch liebevoll gepflegt und ist ein anschauliches Erinnerungsstück an einen bemerkenswerten Klosterpater. Verstorben ist Pater Otto Kopf am 27. September 1907 im Alter von 75 Jahren.