Klassik
Ein Hoch auf die „Dilettanten“: Regensburger Musikverein wird 175

03.04.2024 | Stand 05.04.2024, 15:10 Uhr
Gerhard Dietel Dr.Dr.

Der Regensburger Musikverein hat Stars genau wie Neuentdeckungen zu Gast, hier: das Aris-Quartett mit Komponist Pierre-Dominique Ponnelle, Sohn des berühmten Opern-Regisseurs, bei der Uraufführung seines 6. Streichquartett 2018. Der Verein feiert im Mai 175-jähriges Bestehen. Foto: Elke Walter

Die Regensburger Institution schenkt seit 1849 Kunstgenuss, dargeboten von Weltstars und Neuentdeckungen. Zum Jubiläum steigt ein Festival mit vielen Konzerten.

Wer möchte sich heute freiwillig als Dilettant bezeichnen? Jene, die im Jahr 1849 in Regensburg einen „Dilettanten-Musikverein“ gründeten, hatten damit freilich kein Stümpertum im Sinn. Das Dilettieren war für sie noch Ausdruck der Freude an der Musik aus Sicht ihrer Liebhaber. Eben in dieser Weise begannen die Aktivitäten einer Institution, die sich bald nur noch kürzer „Musikverein“ nannte: Man musizierte in geselliger Runde im kleinen Kreis vor einer Zuhörerschar aus Verwandten und Bekannten.

Vom Privaten ins Öffentliche, vom eigenen Musizieren hin zur Rolle des Konzertveranstalters: Weit war der Weg, den der Musikverein seither zurückgelegt hat. Amüsant ist es, einmal in die frühesten Jahre der Formation zurückzublicken, als das andächtige Konzert-Ritual von heute noch nicht durchgesetzt war. Da fand schon einmal musikalische Unterhaltung mit Speis und Trank statt, „jedoch darf während des Vortrags einer Piece nicht serviert werden“ liest man da, und: „Das Rauchen ist erst nach Beendigung der musikalischen Vorträge gestattet“. Ebenso kurios muten heute die damaligen bunten, Soloauftritte und Orchesternummern mischenden und planlos durch die Musikgeschichte springenden Programme der Anfangszeit an.

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Doch die Ansprüche wuchsen bald und es gastierten in der Zeit bis zum ersten Weltkrieg weltberühmte Künstler wie der Cellist Pablo Casals, die Geiger Joseph Joachim und Pablo de Sarasate, der Tenor Leo Slezak sowie Max Reger und Hans von Bülow als Pianisten. Schon damals war man offen für neue Musik, und das hat sich bis heute nicht geändert, wenn auch nicht immer alle Zuhörer davon begeistert waren. Da klagte Ende des 19. Jahrhunderts schon einmal ein Besucher über „die dunkle, schwere Musik eines Bruckner oder Tschaikowsky“ und verlangte Klänge, die „erfrischend und erhebend“ wirken.

Veranstaltete der Musikverein bis in die 1960er Jahre gelegentlich noch Orchesterkonzerte (und holte sogar die Berliner Philharmoniker einmal nach Regensburg), so ist seine Domäne heute die Kammermusik. Geblieben ist der hohe Anspruch, was das Niveau der auftretenden Künstler betrifft, wobei sich zu renommierten Namen schon immer Neuentdeckungen gesellten, welche die Programmgestalter des Musikvereins mit viel Gespür ausmachten und ausmachen. Dass der Musikverein mit seinen Veranstaltungen weit über Regensburg hinaus Aufmerksamkeit findet, zeigt sich unter anderem darin, dass der Bayerische Rundfunk in letzter Zeit mehrfach Konzerte mitgeschnitten und in seinem Klassik-Programm gesendet hat.

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Eine Institution auf Wanderschaft ist der Musikverein seit seiner Gründung geblieben. War der Neuhaussaal lange Jahre sein Refugium, so wechselte er bei der Theaterrenovierung im Jahr 1998 zum Wolfgangssaal des Domspatzen-Gymnasiums und später in den Vielberth-Saal der Universität. 2020 stellte sich die Lage dann so dar, dass kein passender und erschwinglicher Saal in Regensburg mehr verfügbar war. Seither finden alle Konzerte im Lappersdorfer Aurelium statt, was sich inzwischen gut eingespielt hat. Klammert man den kirchenmusikalischen Bereich und das Musiktheater aus, so ist der 175 Jahre alt werdende Musikverein die heute am längsten existierende Institution des Regensburger Konzertlebens. Nur in den Jahren 1944/45 gab es kriegsbedingt eine Zwangspause, und selbst die Pandemiejahre überstand der Verein mit einigen Abstrichen dank der Flexibilität seines Vorstands. Der Regensburger Musikverein darf mit Recht dafür gefeiert werden und tut dies gleich selbst: bei einem Festival.

Ein ganzes Jubiläums-Wochenende mit fünf Konzerten und einem Festvortrag des Kulturjournalisten Michael Thumser findet vom 3. bis 5. Mai im Aurelium Lappersdorf statt. International erfolgreiche Künstler treten auf, aber auch Nachwuchskräfte aus dem Bayerischen Landesjugendorchester. Die Programme bilden das weite Feld der Kammermusik für Streicher und Bläser ab und reichen von der Klassik bis zur Moderne.

Das Festival zum Jubiläum



Konzerte: Zu Gast sind Schumann Quartett (3. Mai, 19.30 Uhr), Kammermusikensemble des Bayerischen Landesjugendorchesters (4. Mai, 15 Uhr, Eintritt frei), Signum Quartett mit Alexander Lonquich (4. Mai, 19.30 Uhr), Sharon Kam Trio (5. Mai 11 Uhr) und Scharoun Ensemble (5. Mai, 19.30 Uhr).

Festival: Alle Konzerte finden im Aurelium Lappersdorf statt, die Details zum Programm findet man auf der Hompage www.musikverein-regensburg.de.