Mit Flaschen geworfen
Erstes Urteil nach Silvester-Randale: Das erwartet den Hemingways-Schläger

20.06.2024 | Stand 20.06.2024, 6:13 Uhr |

Drei Jahre muss der angeklagte Tunesier (2.v.l.) ins Gefängnis – danach droht ihm die Abschiebung in seine Heimat. Foto: Baumgarten

Mit Fäusten und Flaschen greifen drei Männer am Neujahrsmorgen friedlich feiernde Menschen in Regensburg an. Der 39-Jährige, der nun vor Gericht stand, machte „diesen Morgen zum Albtraum“, so die Richterin.



Das neue Jahr war erst knapp zweieinhalb Stunden jung, als drei Männer am Neujahrstag in der Altstadt randalierten. Es flogen Fäuste und eine Vielzahl von Flaschen, die teils sogar vorher zerschlagen und damit scharf gemacht wurden. Eines der Opfer ist deshalb „fast gestorben“, wie Vorsitzende Richterin Cornelia Blankenhorn sagte. Das Schöffengericht verurteilte den ersten Täter dafür gestern zu drei Jahren Gefängnis. Der Tunesier hatte die Attacke zum Prozessauftakt gestanden.

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Obwohl ein 24-Jähriger noch in der Nacht notoperiert werden musste, hatte die Polizei zunächst von einem ruhigen Silvester in Regensburg gesprochen. Was Augenzeugen jedoch mit ihren Handys gefilmt hatten, zeichnete ein ganz anderes Bild. Auf einem Video, das am ersten Tag vor Gericht gezeigt wurde, war zu sehen, wie der Angeklagte aus kürzester Distanz eine Sektflasche warf – und wie ein bis dahin unbeteiligter Gast am Kopf getroffen sofort zu Boden ging.

Silvester-Randale direkt vor dem Hemingways



Vorausgegangen war der Eskalation der Rauswurf aus dem Hemingways in der Altstadt. Der 39-Jährige und seine Begleiter hatten laut mehrerer Zeugen immer wieder weibliche Gäste angetanzt und ungeniert gefilmt. Als das Personal die drei Männer nach draußen geleitet, ließen die „ihrer Wut freien Lauf“, wie es Richterin Blankenhorn formulierte. Als vorm Hemingways keine leeren Falschen mehr zu finden waren, holten sie laut Zeugen Nachschub aus einer nahen Gasse und kehrten zum Schauplatz der Silvester-Randale zurück. „Ich hätte nie gedacht, dass das noch so eskaliert“, sagte eine Zeugin vor Gericht.

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Auf Anregung von Strafverteidiger Maximilian Keser hatte das Gericht dem 39-Jährigen gleich zu Prozessbeginn einen Deal angeboten: Sollte er die Randale in der Oberen Bachgasse und den zweiten Angriff nur etwa drei Stunden später in der Pustet-Passage gestehen, läge die Strafe nicht über drei Jahren und drei Monaten. Das nahm der Tunesier an – dafür wurden zwölf weitere Vorwürfe (Drogenbesitz, Diebstahl, Bedrohung sowie Hausfriedensbruch) in der Anklage gegen den Intensivtäter eingestellt.

Neues Jahr startet für mehrere Opfer mit „Albtraum“



Damit, so Blankenhorn, habe das Verfahren gegen den 39-Jährigen „deutlich verschlankt werden können“. Angesichts gravierender Verletzungen bei einem Opfer wären die Strafen dafür kaum ins Gewicht gefallen. Denn: „Sie haben diesen Morgen zu einem Albtraum gemacht für viele Beteiligte“, betonte die Richterin. Letztlich sei es dem Zufall geschuldet gewesen, dass es nicht schlimmer ausging. Wenngleich er die lebensbedrohlichen Verletzungen dem 24-Jährigen nicht selbst zugefügt habe, „müssen sie sich das als Mittäter zurechnen lassen“ – es gelte das Motto „mitgefangen, mitgehangen“.