Prozess in Regensburg
Flucht vor prügelndem Mann: Junge Tschechin gerät in Drogensumpf und attackiert Polizisten

24.06.2024 | Stand 24.06.2024, 19:00 Uhr |

Eine 32-Jährige (links) hat bei mehreren Gelegenheiten Polizisten angegriffen. Foto: Philip Hell

Das Streben nach Glück führte eine 32-jährige Tschechin vor rund einem Jahr nach Regensburg. Sie ließ ihren prügelnden Mann und ihre beiden Kinder zurück und machte sich auf den Weg in die Domstadt. Dort fand sie Arbeit – aber auch einen Sumpf aus Drogen, Alkohol und Gewalt, der sie zu einem anderen Menschen werden ließ. Gestern saß sie auf der Anklagebank.

Der Frau werden eine Reihe von Angriffen auf Polizisten vorgeworfen. Betrunken und vollgepumpt mit Drogen ging sie die Beamten höchst aggressiv an. Dabei ließ sie sich kaum beruhigen, wie die Polizisten im Zeugenstand unisono schilderten. Zudem stahl sie aus Supermärkten. Vor ihrer Inhaftierung Mitte Februar war sie ohne Wohnsitz.

„Unter Crystal eine andere Person“: Tschechin rastete aus



Über ihre Verteidigerin Stephanie Bauer ließ die 32-Jährige die Vorwürfe einräumen. „Sie wird unter Crystal zu einer anderen Person“, so Bauer. Zudem habe sie ein Problem damit, wenn ihr Männer zu nahe kämen, weil sie in früheren Beziehungen Gewalt erlebt habe.

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Rund zwei Monate nach ihrer Inhaftierung wandte sich die Angeklagte mit einem Brief an das Gericht. Diesen las Richterin Cornelia Blankenhorn vor. Sie sei im März 2023 nach Regensburg gekommen, auf der Suche nach Arbeit. Der Vater ihres Sohnes habe sie in Tschechien psychisch und physisch missbraucht. Sie habe keine Kraft mehr gehabt und die Hoffnung verloren. Ihre Tochter sei bei ihrer Familie untergekommen, der Sohn zu Pflegeeltern. Das habe bei ihr zu einer Depression geführt.

Frau gerät immer weiter in den Drogensumpf



Zunächst betäubte sie sich mit HHC, einem THC-Derivat. „Dann hat mir jemand den Park gezeigt“, schreibt die Angeklagte in dem Brief. Damit meint sie den Fürst-Anselm-Park am Bahnhof. Ein Hotspot der Drogen- und Trinkerszene. Sie rauchte Hasch, schnupfte Kokain – und verlor ihren Job. Im August kam sie erstmals mit Crystal in Kontakt. Es setzte „das totale Vergessen“ ein, wie sie es in dem Brief nennt. In diese Zeit fallen die Attacken auf Polizisten. Zwar habe sie sich schon Hilfe gesucht, doch dann kam der Haftbefehl und sie wurde in das Gefängnis gebracht.

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Richterin Blankenhorn sprach die Frau schuldig und verurteilte sie zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung. Damit geht die Verpflichtung einher, sich einen Job, eine Wohnung und einen Therapieplatz zu suchen. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal gültig. Der Tschechin wurden die Fußfesseln abgenommen und sie fiel ihrer Mutter in die Arme.