Konzert
Klingendes Porträt einer Regensburger Persönlichkeit

Der Abend „Nachklänge“ erinnert an den Komponisten Widmar Hader. Er leitete lange Jahre das „Sudetendeutsche Musikinstitut“.

15.04.2024 | Stand 15.04.2024, 11:00 Uhr
Gerhard Dietel Dr.Dr.

Sie brachten Musik von Widmar Hader zu Gehör: Susanne Hoffmann (Blockflöte) und Eva Herrmann (Klavier). Foto: Dietel

Der Abend „Nachklänge“ erinnert an den Komponisten Widmar Hader. Er leitete lange Jahre das „Sudetendeutsche Musikinstitut“.

„Nachklänge“ ist der Titel der Veranstaltung im Festsaal des Bezirks Oberpfalz zu Ehren des 2023 verstorbenen Widmar Hader, den man in Regensburg durch seine Musik und als Gründer und langjährigen Leiter des „Sudetendeutschen Musikinstituts“ kennt. Eine Auswahl aus Haders vielfältigem kammermusikalischem Schaffen wird an diesem Abend zum klingenden Porträt einer Persönlichkeit, die einem dadurch lebendig vor Augen steht: als stets freundlicher und zugewandter Mensch, der bei aller Kreativität und Suche nach der eigenen Musiksprache nie die Bodenhaftung in der Tradition verliert. Der Hörer wird von Haders freitonaler Handschrift gefordert, doch nie überfordert. Fassbar bleiben auch die Formen, die sich immer wieder gerne zum Bogen runden.

Koboldhafter Schutzgeist



Astrid Hader, die Tochter des Verstorbenen, moderiert die Veranstaltung und beleuchtet, unter anderem mit autobiographischen Aufzeichnungen Widmar Haders, Erinnerungen an die vielfältigen Motivationen, aus denen heraus die einzelnen aufgeführten Kompositionen entstanden. Denen geben zahlreiche Interpreten und Interpretinnen klingende Gestalt, von denen manche seit Jahren mit Werk und Person des Komponisten vertraut sind.

Lesen Sie auch: Neuerscheinung: Ein Bildband zeigt Franz Kafkas ganzen Kosmos

Den Reigen eröffnen Rainer Stegmann und Antonino Secchia mit „Komos“, in dem sich die Gitarrentöne des Ersteren raffiniert mit Klängen von Marimbaphon, Trommeln und anderen Schlaginstrumenten vernetzen. Eine lyrisch beginnende wie endende, dazwischen auch Scherzando-Charakter entwickelnde „Bukolische Szene“ zeichnen Susanne Hoffmann (Blockflöte) und Eva Herrmann (Klavier). Letztere gestaltet als Partnerin von Claudia Böckel (Violine) auch den Klavierpart von Haders „Sentenz“, einer nicht leicht auszulotenden Gedanken-Musik nach Worten aus Wolfram von Eschenbachs „Parzival“. Soloauftritte haben Christiane Gagelmann mit vier teils ruhig, teils energischer auftretenden Violinstücken und Carlos Araujo mit der Flötenkomposition „Fylgie“, die einen in Haders musikalischer Umsetzung eher koboldhaft erscheinenden Schutzgeist aus der mährischen Tradition beschreibt.

Begeisterung, die ansteckend wirkt



Zu bedauern ist, dass die Aufführung von Haders Gesängen nach Texten von Adalbert Stifter wegen Erkrankung des Tenors Malte Müller entfallen musste. Ein anderes gewichtiges Werk Haders entfaltet dafür umso mehr Wirkung: die auszugsweise erklingenden „Mystischen Betrachtungen“ nach Sinnsprüchen aus dem „Cherubinischen Wandersmann“ von Angelus Silesius. Mit kantigen und archaisch-mittelalterlichen Klängen überrascht Widmar Hader hier in einem Werk, das Text, Musik und auch bildende Kunst – in Gestalt von Tuschezeichnungen der Künstlerin Karin Fleischer – vereinigt. Zum Gesprächskonzert wird hier der Abend: die Begeisterung, mit der Dietmar Gräf als Klavier-Interpret auf einzelne von ihm entdeckte Raffinessen der Komposition hinweist, überträgt sich unmittelbar auf die Zuhörenden.