Schüsse am Regenufer
Mann (75) schießt in Regensburg auf junge Leute – Ein Opfer trifft er am Kopf

21.06.2024 | Stand 21.06.2024, 21:12 Uhr |

Markierungen zeigen, wo sich die Tat abgespielt hat: Der nächtliche Einsatz im Norden von Regensburg sorgte seit Tagen für große Unruhe unter den Anwohnern. Es ist die Rede von Schüssen an der Hochwassermauer, stundenlanger Polizeipräsenz und sogar einem SEK-Einsatz. Foto: Baumgarten

Am Dienstagabend fallen am Ufer des Regens mehrere Schüsse. Ein Großeinsatz der Polizei läuft an. Nun steht offenbar fest: Ein Senior schoss in Regensburg mit einem Luftgewehr auf Menschen. Und das ist nicht das erste Mal, bestätigte ein Polizeisprecher.



Der nächtliche Einsatz im Norden von Regensburg sorgte seit Tagen für große Unruhe unter den Anwohnern. Es ist die Rede von Schüssen an der Hochwassermauer, stundenlanger Polizeipräsenz und sogar einem SEK-Einsatz. Nun hat die Polizei bestätigt, dass es einen größeren Einsatz gab: „Aus einem Mehrfamilienhaus ist auf mehrere Personen geschossen worden“, sagte Thomas Hasler, Sprecher der Polizeiinspektion Regensburg-Nord.

26-Jähriger am Kopf getroffen

Gegen 23 Uhr lief der Großeinsatz im Bereich der Oberen Regenstraße nach MZ-Informationen an, unmittelbar vor der Einmündung des Flusses in die Donau. Die genaue Örtlichkeit will Hasler nicht nennen, bestätigte aber weiter, dass ein 26-Jähriger links am Kopf und eine 19-Jährige am Knöchel getroffen wurden. Beide erlitten demnach nur oberflächliche Wunden. Das Projektil sei nicht in den Schädel des jungen Mannes eingetreten.

Nach ersten Zeugenbefragungen am Einsatzort habe man in einem angrenzenden Mehrfamilienhaus dann eine Wohnung gestürmt. Die Tür wurde laut Augenzeugen von bewaffneten Polizisten aufgerammt und im Inneren alles durchsucht. Zu einem Tatverdächtigen führte das laut den Angaben des Polizeisprechers jedoch nicht. Der Bewohner habe wohl ein Alibi vorweisen können.

Am Tag danach ergab sich ein Verdacht

Erst am Tag nach den Schüssen am Ufer des Regens hätte sich schließlich der Verdacht gegen einen 75-Jährigen aus Regensburg ergeben. Als am Freitagmorgen die Polizei zur Wohnungsdurchsuchung bei diesem anrückte, konnte man „ein Luftgewehr und Munition finden und sicherstellen“, so Hasler. Es soll sich um eine handelsübliche Sportwaffe der Marke Diana für Diabolo-Geschosse handeln. Diese sind für einige Hundert Euro im Internet erhältlich. Daraufhin habe sich ein dringender Tatverdacht gegen den Senior ergeben.

Gegen den Mann wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung und Delikten nach dem Waffengesetz ermittelt. Er sei nach Abschluss der Vernehmung und weiterer Ermittlungsmaßnahmen aber wieder aus dem Gewahrsam der Polizei entlassen worden. Ob der Senior zuvor Angaben zur Sache machte, wollte Hasler aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht sagen.

Es gab keinen SEK-Einsatz in Regensburg



Dass Anwohner sich nach dem Großeinsatz besorgt an die Mittelbayerische wendeten, kann der Polizeisprecher nachvollziehen. Aber „wir müssen natürlich zuerst unsere Arbeit machen“ – ohne gesicherte Erkenntnisse sei eine Information der Öffentlichkeit oftmals sehr schwer. Richtigzustellen gelte es zudem, dass keine Spezialkräfte im Einsatz waren, wie von Nachbarn vermutet worden war.

Was den Regensburger so sehr erzürnte, liegt nahe, bleibt aber vorerst auch eine Vermutung: Am Ufer von Donau und Regen wird in den Sommermonaten regelmäßig gefeiert. Auch größere Gruppen treffen sich dort abends immer wieder. Dass das zu Konflikten mit Anwohnern führt, ist nicht abwegig und kommt häufiger vor.

Und offenbar gab es auch in der Vergangenheit bereits Vorfälle ganz ähnlicher Art. „Das ist nicht das erste Mal, dass sowas passiert“, bestätigte Hasler auf MZ-Anfrage. Auch da fielen wohl mehr als einmal Schüsse. Ob ein Zusammenhang besteht und der 75-jährige Regensburger auch dafür verantwortlich ist, könne man derzeit nicht sagen. Aber: „Das ist Gegenstand unserer laufenden Ermittlungen.“