Polizei zurückhaltend
Mit Flaschen vorm Hemingway‘s in Regensburg geworfen: Rätselraten um Randale an Silvester

05.01.2024 | Stand 05.01.2024, 22:51 Uhr

Vor dem Hemingway's in der Oberen Bachgasse kam es in der Silvesternacht zu einer schweren Randale. Foto: Eckl

Ein Video, das sich derzeit rasant auf Facebook verbreitet, zeigt eine aufgebrachte Gruppe vor dem Regensburger Lokal Hemingways in der Silvesternacht. Flaschen fliegen – auch auf Personen. Die Polizei hat über die Vorkommnisse öffentlich bislang geschwiegen. Auf Nachfrage sagt man, man ermittle noch, was genau geschehen ist. Eine Spurensuche.



Mehr als 30.000 Nutzer haben das Video bereits gesehen, es verbreitet sich rasant. Zu sehen ist auf dem Video, wie eine Gruppe junger Männer, offenbar mit Migrationshintergrund, vor dem Hemingway`s in der Oberen Bachgasse Flaschen werfen. Mit Wucht schleudert einer der Männer eine Flasche auf die Fensterscheibe des Lokals. Die Szenen wirken brutal – veröffentlicht hat sie ein Regensburger auf Facebook und den Post mit dem Hinweis „Flüchtige werden gesucht! Bis zu 5000 Euro für die Ergreifung der Randalierer!“ Seit dem Neujahrestag verbreitet sich das Video rasant. Offiziell hat die Polizei die Medien nicht über die Ereignisse informiert.

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Die MZ hat nachgefragt bei dem Wirt des Hemingway‘s. Der bestätigt, dass die Gruppe im Lokal in der Silvesternacht auffällig wurde. Das Personal des Hemingay‘s habe sie gebeten, zu gehen. Vor dem Lokal randalierten die jungen Männer. „Einer meiner Mitarbeiter hat dreimal die Faust ins Gesicht bekommen“, sagt der Wirt. „Ein Gast wurde mit einer Flasche auf den Kopf getroffen.“ Der Wirt hat Angst, dass die Vorfälle sich negativ auf sein Geschäft auswirken. Und er will auch nicht pauschalisieren: „Ich bin selbst Ausländer.“

Polizei: Gruppe junger Männer warf mit Glasflaschen

Erst auf Anfrage bestätigte die Polizei, dass sie gegen 2.30 Uhr in der Silvesternacht über eine Schlägerei vor dem Lokal informiert wurde. Mehrere Streifen suchten den Ort des Geschehens auf. „Es handelte sich um eine Gruppe junger Männer, welche vor dem Lokal mit Glasflaschen geworfen haben“, sagte eine Sprecherin der Polizei. Ob es sich, wie in den Sozialen Netzwerken vermutet wird, tatsächlich um Nordafrikaner handelte, will die Polizei nicht beantworten. „Aus ermittlungstaktischen Gründen werden hierzu keine weiteren Angaben gemacht.“

Fall geht an Sonderreferat für Mehrfach-Intensivstraftäter

Der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft, Thomas Rauscher, sagte zur MZ, das Video des Tathergangs wurde zwischenzeitlich polizeilich gesichert und es wird ausgewertet. Der Fall werde an das Sonderreferat weitergeleitet, das seit kurzem Mehrfach-Intensivstraftäter im Blick hat. Viele davon kommen aus den Maghrebstaaten, doch die Nationalität spiele bei der Zuständigkeit keine Rolle.

Die Polizei steht noch am Anfang ihrer Ermittlungen. „Bei dem Vorfall war eine Vielzahl an Personen involviert, welche zunächst von der Polizei angehört wurden beziehungsweise werden, um das genaue Geschehene zu beleuchten, da sich dieses vor Ort zunächst als unübersichtlich darstellte“, sagte die Sprecherin. Aufgrund dessen habe man noch keinen Pressebericht veröffentlicht. „Die Möglichkeit der Beantragung, Videoaufnahmen zu veröffentlichen, wird, genau wie andere Maßnahmen, geprüft“, heißt es weiter.

Verbreitung des Videos kann strafbar sein

Übrigens haben sich nicht nur die Täter strafbar gemacht, die Flaschen auf Personen warfen. Auch die Verbreitung des Videos könnte, so Staatsanwalt Rauscher, ein Straftatbestand sein – mit einem Strafrahmen von Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr. Denn auch die abgebildeten Täter haben ein Recht auf das eigene Bild. Rauscher sagt aber auch: „Allerdings verfolgen die Ermittlungsbehörden die Tat nur, wenn ein Strafantrag einer verletzten abgebildeten Person vorliegt.“ Und die müssten ja erst einmal bekannt sein.