Kultur in Regensburg
„Mupäd in Concert“ macht auf Situation von Lehrbeauftragten an der Uni aufmerksam

15.06.2024 | Stand 15.06.2024, 10:00 Uhr |

Martin Weikert dirigiert das furiose Ensemble „Mupäd-Strings“. Fotos: Tino Lex

Was wäre die Welt ohne Musik, wenn nicht ernst, grau und seelenlos? Und was wäre die Musik ohne diejenigen, die sie am Leben halten und an künftige Generationen weitergeben?

Um auf das beträchtliche – und oft übersehene – Engagement von Lehrbeauftragten aufmerksam zu machen, veranstaltete die Musikpädagogik der Universität Regensburg am Donnerstag einen Konzertabend im Audimax. Neben Studierenden standen auch Lehrbeauftragte im Rampenlicht, die sonst oft im Hintergrund bleiben.

Dieses musikalische Potpourri unter dem Titel „Mupäd in Concert – Anything Goes“ bot für das Publikum weniger einen roten Faden als ein Mosaik, in dem sich Musical-Nummern, Tangos, Chorgesänge und Streicherstücke abwechselten und der sprechende Hund von Puppenspielerin und Pädagogin Tania Schnagl durch das Programm führte. Ziel war, die künstlerische Vielfalt zu zeigen, erklärt Sabine Rössert-Koye, die den Abend auf die Beine stellte.

Zusätzlich zu Solo-Stücken von Lehrbeauftragten wie dem Gitarristen Edgar Ocampo, Duetts wie von Marie Groß und Alexander Koye oder der spannenden Chor-Darbietung von „Words“ unter der Leitung von Matthias Seitz war sogar eine Uraufführung zu hören: Mupäd-Student Tim Röder präsentierte eine berührende Eigenkomposition mit dem Titel „Selbstbetrachtungen“, brilliant gespielt von einem Streicher-Septett.

Dieses und zahlreiche weitere Stücke zeigten, was für ein kreatives Miteinander an der Musikpädagogik der Uni Regensburg herrscht. Die „Mupäd“, wie die Musikpädagogik und Musikdidaktik liebevoll genannt wird, gibt es als eigenen Lehrstuhl seit 2013. Hier werden Jahr für Jahr junge Musiklehrerinnen und Musiklehrer für Bayerns Schulen ausgebildet. „Mit rund 1000 Studienfällen und etwa 60 Lehrbeauftragten der derzeit größte Ausbildungsstandort seiner Art in Bayern“ – so beschreibt sich der Lehrstuhl selbst.

Die angehenden Lehrer bestmöglich vorzubereiten, ist nicht nur die Aufgabe von Professoren und Dozenten, sondern auch von zusätzlichen Lehrbeauftragten, wie es sie mittlerweile in vielen Studiengängen gibt. Das sind dann zum Beispiel selbstständige Künstler, die Instrumentalunterricht an der Mupäd geben.

Rund drei Viertel der Stunden für die Studierenden würden von solchen Lehrbeauftragten gestemmt, sagt Sabine Rössert-Koye, Logopädin und seit 2007 Gesangs-Lehrbeauftragte. „Dafür haben wir aber kaum Mitspracherecht und können uns nicht gegen Kürzungen wehren.“ Mit allen steuerlichen und versicherungstechnischen Abzügen stünden Lehrbeauftragte zudem häufig mit deutlich weniger als dem Mindestlohn da, rechnet sie vor.

„Mupäd in Concert“, zu dem auch Staatsminister Blume eingeladen war, sollte also sowohl gegenüber der Universitätsleitung als auch gegenüber dem Freistaat Aufmerksamkeit schaffen. „Herr Söder möchte ja, dass Bayern weltweit ganz vorne dabei ist“, sagt Rössert-Koye. Doch Gelder gingen dafür zu selten in den künstlerischen Bereich. „Irgendwann laufen uns dann andere Länder in der Musik den Rang ab.“

dp