Regensburger Organisation
Seenotretter von Sea-Eye beklagen „Auszunahmezustand“ im Mittelmeer

09.07.2024 | Stand 09.07.2024, 17:08 Uhr |

Innerhalb von 24 Stunden sei das Schiff „Sea-Eye 4“ zusammen mit zwei Schiffen anderer Organisationen auf dem Mittelmeer fünf Mal ausgerückt, um 230 Menschen zu retten. − Foto: Imago/Pacific Press Agency

Die Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea-Eye hat angesichts häufiger Einsätze einen „Ausnahmezustand“ auf den Flüchtlingsrouten im Mittelmeer beklagt.



Innerhalb von 24 Stunden sei das Schiff „Sea-Eye 4“ zusammen mit zwei Schiffen anderer Organisationen fünf Mal ausgerückt, um 230 Menschen zu retten, teilte die Organisation am Dienstag mit. „Das zeigt, welcher Ausnahmezustand derzeit im Mittelmeer herrscht und wie wichtig es ist, dass wir vor Ort sind, um Leben zu retten“, erklärte Sea-Eye.

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Bei den zwischen Sonntag und Montag erfolgten Einsätzen wurden demnach auch eine Mutter und deren Baby gerettet. Einige der geretteten Migranten wurden von der „Sea-Eye 4“ an die italienische Küstenwache übergeben, wie die Organisation weiter mitteilte. Anschließend brach das Schiff zum italienischen Festlandhafen Genua auf, um dort 170 Menschen hinzubringen, eine Reise von sechs Tagen, wie Sea-Eye erklärte.

Nach italienischem Recht nicht mehrere Rettungsaktionen hintereinander möglich



Nach italienischem Recht müssen Seenotretter nach einer Rettungsaktion „ohne Verzögerung“ einen Hafen ansteuern, so dass sie nicht mehrere Rettungsaktionen hintereinander vornehmen können. Dieser Umstand kostet die Organisationen viel Zeit, in der unter Umständen andere Menschen nicht gerettet werden können, wie Sea-Eye beklagte. „Diese Politik kann tödliche Folgen für schutzsuchende Menschen haben“, sagte der Vorsitzende der Organisation, Gordon Isler. Die Rettungsaktionen von Sonntag auf Montag wurden laut Sea-Eye mit den italienischen Behörden abgesprochen.

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Italien will Flüchtlingszahlen begrenzen



Die ultrarechte italienische Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni will die Flüchtlingszahlen begrenzen. Die Präsenz von Rettungsschiffen von Hilfsorganisationen motiviert ihrer Darstellung nach Migranten, den Weg übers Mittelmeer zu wagen. Die große Mehrheit der in Italien ankommenden Mittelmeerflüchtlinge wird jedoch von der Küstenwache aufgegriffen.

Das zentrale Mittelmeer ist nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) eine der gefährlichsten Migrationsrouten der Welt. Alleine im Jahr 2023 sind nach Angaben der IOM 3155 Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer gestorben.

− afp