Zusage für Wochenende
Universität Regensburg: Campus gegen Rechts droht die Räumung

21.06.2024 | Stand 21.06.2024, 19:08 Uhr |

Veranstaltungszelte, eine Küche, Schlafplätze und Couchen bilden den Campus gegen Rechts. Foto: Baumgartner

Am Freitagnachmittag sollen die Studierenden das unter dem Motto „Campus gegen Rechts“ stattfindende Zeltlager zunächst abbauen. Die kündigen an, nicht freiwillig gehen zu wollen. Die Räumung steht im Raum, für das Wochenende erhält die Gruppe aber die Zusage, bleiben zu dürfen.

Donnerstag kurz vor Mitternacht verschicken die Veranstalter des Campus gegen Rechts eine Pressemitteilung. Sie ziehen zur Halbzeit des Zeltlagers, das sie am Montag am Universitätsgelände bezogen haben, eine „positive Zwischenbilanz“, schreiben von kontinuierlichem und zwanglosem Dialog zwischen Studierenden und Lehrenden, friedlichen Bildungsangeboten und gemeinschaftlichem Abendessen auf Spendenbasis.

Doch etwa zeitgleich zur Pressemeldung startet eine Online-Petition der Organisatoren zur Weiterführung des Camps. Zwei Wochen lang will der Campus gegen Rechts Studenten vernetzen und politisch mobilisieren. Nun droht dem Zeltlager bereits am fünften Tag die Räumung. „Wir sollen bis zum Nachmittag das Camp abgebaut haben“, gibt Sprecherin Alessandra Aue Freitagmittag Einblick in die Kommunikation mit der Universitätsleitung.

„Freiwillig gehen wir nicht“

Gründe dafür wisse Aue nicht, „das ist alles recht undurchsichtig“. Ein vorzeitiges Ende kommt für die Studenten allerdings nicht infrage. „Wir führen unser Programm weiter“, sagt Aue. „Freiwillig werden wir nicht gehen.“ Die Räumung des Camps sei nicht explizit als Konsequenz genannt worden, stehe aber im Raum. Die Universitätsleitung hat diese Möglichkeit seit Beginn des Zeltlagers am Montag offen gelassen. Mit konkreten Auflagen wurde eine Duldung des Campus gegen Rechts nicht verbunden. Die Universitätsleitung ließ eine MZ-Anfrage unbeantwortet.

Dann die nächste Wende: Freitagnachmittag verkündet Aue auf MZ-Nachfrage, dass ihnen für das Wochenende über das Verwaltungsgericht zugesichert worden ist, dass sie bleiben können. Das bedeutet auch, dass der Rave gegen Rechts am Freitagabend, eines der Highlights des vierzehntägigen Programms, wie angekündigt stattfinden kann. „Jetzt erst recht“, sagt Aue.

Viele Solidaritätsbekundungen

Das von den Gruppen Studis gegen Rechts und End Fossil organisierte Camp erfährt zahlreiche Solidaritätsbekundungen. Mit der Petition für die Weiterführung des Camps sammeln die Studis gegen Rechts innerhalb eines halben Tages knapp 1000 Unterschriften (Stand: Freitag, 15 Uhr). Der Allgemeine Studierendenausschuss der Universität (Asta), die Studentenvertretung der OTH, die Grüne Hochschulgruppe, mehrere Fachschaften, der Studentenfunk, Fridays for Future, die Letzte Generation, die Linke – allesamt verbreiten sie in den Sozialen Medien ihre Befürwortung und Unterstützung des Zeltlagers am Vielberthgebäude. Der Asta schreibt stellvertretend: „Wir begrüßen das studentische Engagement und die Einsatzbereitschaft dieser Studierenden.“ Die Dringlichkeit des Themas sei unübersehbar. Gerade jetzt sei es wichtig, sich auszutauschen. „Veranstaltungen niedrigschwelliger und gemeinschaftlicher Art sind im Licht der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Bedeutung nicht nur notwendig, sondern bereichern auch unseren Campus.“

Kritik von Christdemokraten

Kritisch äußert sich der Ring christilich-demokratischer Studenten Regensburg (RCDS) zum Campus gegen Rechts. In einer Pressemeldung schreibt der: „Diese unangemeldete Inbesitznahme des Uni-Geländes versucht durch seine pauschalisierende Parole, eine politische Richtung in ihrer Ganzheit zu dämonisieren.“ Der RCDS kritisiert, dass sich das Zeltlager gegen Rechts und nicht expliziter gegen Rechtsextremismus ausspreche. Von der Universitätsleitung fordert er, durchzugreifen: „Diese Narrenfreiheit muss enden! Die Universität kann und darf keine Bühne für wahllos zusammengewürfelte linke bis linksextremistische Selbstinszenierung sein.“ In der Pressemitteilung wird ein Zusammenhang des Campus gegen Rechts mit der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Aue betont, dass es keinerlei Verbindungen zwischen der Aktion und der FDJ gibt.