Handball, 2. Bundesliga
Warme Halle, nur neun Spielerinnen: ESV Regensburg trotzt in Freiburg den Hindernissen

26.05.2024 | Stand 26.05.2024, 17:59 Uhr
Gerd Winkler

Nach dem Spiel gab es ein Sonderlob für die erst 17-jährige Carolin Härtl. Foto: Hans-Christian Wagner

Eine Herausforderung in mehrfacher Hinsicht haben die Handballfrauen des Zweitligisten ESV 1927 Regensburg zum Saisonabschluss in Freiburg gemeistert. Viele Widrigkeiten steckten die Bunkerladies weg und landeten mit dem 27:26 (13:14) den siebten Sieg in der Fremde und glichen die Auswärtsbilanz aus (7/1/7). Somit wurde der fünfte Platz ins Ziel gebracht, nur einen Punkt hinter dem Tabellendritten HC Leipzig. Eine beeindruckende Leistung angesichts der Verletzungsmisere.

Ohne die erkrankten Außen Johanna Brennauer und Nicole Schiegerl – also mit nur neun Feldspielerinnen – machte sich der Tross, sieben Stunden im Bus sitzend, auf den Weg in den Breisgau. Dort bei einem formstarken (3/0/1) Gegner angekommen, stellte sich heraus, dass sich in der wärmsten Ecke Deutschlands die Halle im FT-Sportpark aufgewärmt hatte. Das bedeutete, der Kräfteverschleiß im Minikader – die angeschlagene Franzi Peter konnte überdies nicht das übliche Pensum leisten – wurde noch mehr forciert Die Bedingungen steckte Freiburg mit fünf Auswechselspielerinnen leichter weg.

Treue ESV-Fans reisen mit


Hinzu kam, das oft in der Bundesliga pfeifende Schiedsrichtergespann neigte dazu, den Red Sparrows im Positionsangriff unter die Arme zu greifen. Festzumachen am Siebenmeterverhältnis von 11:1 zugunsten des Absteigers. Außerdem trieb das Publikum lautstark seine Lieblinge an. Unter den 321 Zuschauern befand sich übrigens fast eine halbe Hundertschaft an ESV-Fans sowie separat angereiste Familienangehörige der Spielerinnen. Im 31. Pflichtspiel – inklusive DHB-Pokal – überraschte Trainer Bernhard Goldbach mit der Startformation. Die bestand aus Spielerinnen, die auch nächste Saison für den ESV auflaufen. Das hieß: Auf Linksaußen begann anstatt Carina Vetter die 17-jährige Carolin Härtl. Für die künftig für den Ligarivalen Nürtingen spielende U20-Nationalspielerin Lisa Fuchs stand Theresa Lettl auf der Platte. Im Gehäuse erhielt Joelle Arno den Vortritt vor Steffi Lukau. „Ich finde das bemerkenswert, obwohl es um den fünften Platz ging“, konstatierte der sportliche Leiter Robert Torunsky. Für die 17-jährige Härtl gab es ein Sonderlob: „Carolin steht mit ihrer guten Beinarbeit immer richtig in der Abwehr.“ Vorne habe sie eine Wurfchance gekriegt und genutzt. In der 22. Minute holten sich die Bunkerladies nach einem Hüftwurf von Peter die erste Führung zum 10:9 (22.). Basierend auf einer kompakten Defensive und zwei starken Paraden von Arno warf der ESV ein 13:10 (26.) heraus.

Teurer Fehlpass

Ein unnötiger Fehlpass in der Offensive wurde teuer: Im Gegenzug erhielt Caroline Hübner eine Zeitstrafe und Freiburg verwandelte den fünften Strafwurf. Eine Schlafmützigkeit in der Deckung und zwei weitere Ballverluste führten zu erfolgreichen Freiburger Würfen vom Punkt. Ein Fangfehler kostete den nächsten Angriff und so nahm die HSG tatsächlich eine 14:13-Führung in die Pause mit.

Im zweiten Durchgang bestrafte die HSG zunächst wieder jede kleine Unaufmerksamkeit – wie beim Kempa-Tor zum 16:16 (37.). Es dauerte, bis mehr Konzentration herrschte (19:19, 41.). Der ESV zog auf 25:21 (53.) davon, um bei 26:25 (59:14) nochmals in Gefahr zu geraten. 37 Sekunden später sorgte jedoch Hübner für die Entscheidung. Zuvor glänzten Annalena Kessler, Fuchs und Sara Mustafic mit einer hundertprozentigen Wurfquote. „Mit großem Aufwand haben wir die tolle Saison mit einem Sieg abgeschlossen“, freute sich Goldbach.