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Meinung

Empfehlung als „Seele der Nation“

„Onkel Joe“ Biden ließ es in der Wahlnacht „menscheln“. So stellte er einen Kontrast zu Amtsinhaber Trump dar.
Von Thomas Spang, USA-Korrespondent

Columbia.Die Vorwahlen der Demokraten spiegeln die Situation vor vier Jahren, als das Establishment der Republikaner vergeblich versuchte Donald Trump zu stoppen. Mit dem Unterschied, dass Bernie Sanders bei weitem nicht so extreme und vor allem faktenfreie Positionen vertritt wie der Rechtspopulist. Im europäischen Parteien-Spektrum fände der Senator aus Vermont bei Sozialdemokraten und Grünen eine Heimat.

Vergleichbar mit der Situation 2016 ist die Sorge der Parteivorderen, mit dem selbsterklärten demokratischen Sozialisten ein schwer kalkulierbares Risiko einzugehen. Deshalb setzen sie alle Hebel in Bewegung, einen „Anti-Sanders“ zu finden, der einen Durchmarsch Bernies stoppen kann.

Biden fehlt vor allem die Zeit, bei den Vorwahlen in 15 Bundesstaaten und US-Territorien an diesem Dienstag außerhalb der Südstaaten ernsthaft etwas entgegenzuhalten.

Das erklärt den Hype, der um den deutlichen Sieg Joe Bidens bei den Vorwahlen in South Carolina verbreitet wird. Dort haben die Afroamerikaner, die 55 Prozent der Wählerschaft ausmachen, dem ehemaligen Vizepräsidenten des ersten Schwarzen im Weißen Haus den ersten Sieg bei Vorwahlen in seiner Karriere beschert. Und gleichzeitig seine bereits totgesagte Wahlkampagne wieder zum Leben erweckt.

Mit einem Vorsprung von knapp 30 Punkten vor Bernie Sanders darf sich Biden mit Fug und Recht als „Come-Back“-Joe verkaufen. Spitzenreiter des Rennens um die Präsidentschafts-Nominierung der Demokraten wird er damit aber nicht. Der bleibt weiter der linke Senator aus Vermont, der in Iowa die meisten Stimmen holte und in New Hampshire und Nevada überzeugend gewann.

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Biden fehlt vor allem die Zeit, bei den Vorwahlen in 15 Bundesstaaten und US-Territorien an diesem Dienstag außerhalb der Südstaaten ernsthaft etwas entgegenzuhalten. Sanders liegt in dem Delegierten-reichen Kalifornien und einer Reihe anderer großer Staaten, die an diesem Super-Dienstag wählen, soweit vorn, dass für Biden ein politischer Orkan blasen müsste, wettbewerbsfähig zu sein. Zumal seine Wahlkampfkassen leer sind und die organisatorische Infrastruktur fehlt.

Außerdem ist da noch Michael Bloomberg, der bereits eine halbe Milliarde ausgegeben hat, die Demokraten für sich zu gewinnen. Er fischt im gleichen Teich wie Biden und der Shootingstar der ersten Vorwahlen in Iowa und New Hampshire, Pete Buttigieg, der bisher ebenfalls keine Anzeichen macht, aus dem Rennen auszuscheiden.

„Onkel Joe“ mag nicht mehr der Agilste sein und sich verplappern, aber empfiehlt sich als das, was als loyaler Unterstützer Barack Obamas sein Markenzeichen war: „die Seele der Nation“.

Für Biden müsste nun alles optimal laufen, aus dem Super-Dienstag als „Anti-Sanders“ hervorzugehen. Dazu gehört, den Abstand auf den Spitzenreiter bei den Delegierten unter 200 zu halten, und vor allem Milliardär Bloomberg davon zu überzeugen, das Feld zu räumen. Schließlich brauchen die Demokraten einen anderen, als bloß taktischen Grund, Biden ihre Stimme zu geben.

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In der Wahlnacht ließ es der Sieger von South Carolina „menscheln“, was das Zeug hielt, und schuf damit einen Kontrast zu Donald Trump, der jede Empathie vermissen lässt. Damit grenzt er sich gleichzeitig von Sanders ab, den seine Fans lieben, der im Wahlkampf aber wenig Persönliches preisgibt.

„Onkel Joe“ mag nicht mehr der Agilste sein und sich verplappern, aber empfiehlt sich als das, was als loyaler Unterstützer Barack Obamas sein Markenzeichen war: „die Seele der Nation“.

Damit überzeugte er gewiss die Afroamerikaner in South Carolina, die sich Obamas loyalen Partner dankbar verpflichtet fühlten. Doch bis auf Alabama und Mississippi gibt es sonst nirgendwo so viele schwarze Wähler, die Biden helfen könnten. Wie vor vier Jahren bei den Republikanern sorgt das Ego der moderaten Bewerber, dafür, dass sich die Stimmen in deren Lager aufteilen.

Wenn Bernie aus diesem Super-Dienstag mit einem großen Delegierten-Vorsprung hervorgeht, könnte es für einen „Anti-Sanders“ früh zu spät sein, ihn noch zu stoppen.

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