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Geheimnisse helfen nicht

Kinder haben das Recht, vor sexueller Gewalt geschützt zu werden. Eltern können dazu schon mit kleinen Schritten beitragen.
Yvonne Fellner, Pädagogin

Regensburg.Im Alltag mit Kindern fallen schnell mal Ausdrücke wie „Das sagen wir aber nicht der Mama!“ oder „Das ist jetzt aber unser kleines Geheimnis!“. Natürlich steckt dahinter keine böse Absicht und sowas ist auch meist nicht böse gemeint. Trotzdem gibt es gute Gründe dafür, mit solchen Dingen behutsamer umzugehen. Wir als Präventions-Fachstelle plädieren mit Blick auf den Schutz von Kindern gegenüber sexualisierter Gewalt für eine offene Kommunikation mit Mädchen und Jungen ohne „Geheimnisse“. Gerade wenn es darum geht, ob und wann Kinder von ihren Missbrauchserfahrungen erzählen, spielen verinnerlichte Denkweisen eine Rolle.

Studien lassen vermuten, dass sich Kinder und Jugendliche nur in 30 bis 40 Prozent der Fälle innerhalb des ersten Jahres an Vertrauenspersonen wenden. Denn Geheimnisse bzw. Schweigegebote werden auch gezielt von Menschen eingesetzt, die Kindern sexuelle Gewalt antun. Wenn Kinder im Alltag also oft mit Schweigegeboten konfrontiert werden, behalten sie vielleicht auch in anderen Lebensbereichen ihre Erfahrungen eher für sich. Das kann wiederum der eh schon schwierigen Aufdeckung von sexuellen Missbrauchsfällen im Weg stehen. Kinder sollen deshalb im Alltag erleben, dass sie den Erwachsenen in ihrem Umfeld alles erzählen können und dass ihnen nie ein Vorwurf gemacht wird, wenn sie mal etwas „ausplaudern“. Natürlich wird es im Familienalltag weiterhin mal kleine Dinge geben, die als „Geheimnis“ behandelt werden, wie zum Beispiel die Geburtstagsüberraschung, die der Papa erst heute Abend bekommen soll. Das sind „Geheimnisse“, die schön sein können! Wichtig ist hier aber, dass Kinder merken, dass dies eher Überraschungen und keine dauerhaften Geheimnisse sind und selbst, wenn ihnen dazu vorher etwas rausrutscht, ist das gar nicht schlimm. Kinder dürfen ja auch allen Anderen von der Geburtstagsüberraschung erzählen, nur halt nicht dem Geburtstagskind selbst. Sie sollen also das Gefühl bekommen, immer alles offen sagen zu können, um dadurch eine Gesprächskultur zu schaffen, in der es von sexualisierter Gewalt betroffenen Kindern leichter fällt, über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Die Autorin ist Pädagogin beim Institut zur Prävention von sexuellem Missbrauch AMYNA e. V

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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