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Transport

Schluss mit den quälenden Mega-Staus

Die Blockabfertigungen der Tiroler Landesregierung schaden vor allem den Fernfahrern – und der Umwelt.
Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Verkehrsexperte

Schon seit geraumer Zeit erlegt die Tiroler Landesregierung Transit-Lkw alle möglichen Restriktionen auf. Dabei ist zwar der Lkw die Zielscheibe der Maßnahmen – jedoch getroffen wird in der Regel der Fahrer.

Im Gegensatz zu den Touristen sind die Lkw-Fahrer nicht zum Vergnügen in Tirol unterwegs, sondern weil sie einen Transportauftrag durchzuführen haben und die Menschen z. B. in Italien und die dortige Wirtschaft mit den unverzichtbaren Dingen des täglichen Bedarfs versorgen müssen.

Blockabfertigung ohne Toilette

Die neueste „Innovation“ der Tiroler Landesregierung ist die Blockabfertigung von Lkw an der deutsch-österreichischen Grenze, durch die sich die Lkw zeitweise über 40 Kilometer zurückstauen. Die Lkw stehen dann stundenlang im Stau, die Fahrer müssen irgendwann auf die Toilette, dort ist aber weit und breit keine vorhanden – das sind menschenunwürdige Zustände, vor allem für Lkw-Fahrerinnen!

Wenn auf 40 km stundenlang bei tausenden Lkw im Stop-and-go-Verkehr die Motoren laufen (auch im Stillstand müssen sie das bei den vielen Kühl-Lkw und auch wegen der Klimaanlagen, damit die Fahrer nicht in der Hitze kollabieren), wird unnötigerweise viel Kraftstoff verbraucht und unnötig CO2 ausgestoßen. Überdies drohen bei jeder Autobahnausfahrt Stau-Lkw mit ab- bzw. auffahrwilligen Fahrzeugen zu kollidieren. Transportunternehmen leiden doppelt unter den Blockabfertigungsstaus: Lkw-Fahrer müssen gesetzlich vorgeschriebene Lenk- und Ruhezeiten einhalten.

Zusatzkosten durch Verkehrsstaus

Dann platzen gegebenenfalls Termine und die Transportunternehmer bekommen ein Problem mit ihren Auftraggebern. Auch ohne geplatzte Termine verursachen unproduktiv im Stau stehende Lkw erhebliche Zusatzkosten. Leider ist die Bahn keine Alternative: 2,40 Mio. Lkw haben 2018 den Brenner passiert. Die Tiroler Landesregierung will die Lkw auf die sog. Rollende Landstraße (RoLa) verlagern, aber die RoLa hat mit 40 Zugabfahrten pro Verkehrstag nur eine Kapazität von etwas über 200 000 Lkw pro Jahr. Für 2,4 Mio. Lkw bräuchte man aber 444 RoLa-Züge pro Verkehrstag! Die totale Zugkapazität auf der Brennerbahn liegt jedoch bei nur 240 Zügen pro Tag, die sich zudem die RoLa-Züge mit den anderen Güterzügen und den Personenzügen teilen muss. Und laut dem Logistikzentrum Prien gibt es etwa 15 freie Zugtrassen über den Brenner…

Der Autor ist Vorstandssprecher beim Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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