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Mühlberg: Ärger um Funkmast

Digitalfunk-Mast der Regierung sorgt in Bad Abbach für Unmut.
Von Eva Winter

Bad Abbach. Am Mühlberg herrscht zurzeit große Verunsicherung. Die Anwohner fühlen sich überrumpelt. Aus der Zeitung haben sie vor kurzem erfahren, dass in ihrer unmittelbaren Nähe ein 45 Meter hoher Funksendemast für das BOS-Digitalfunk-Netz gebaut werden soll – ein bundesweit einheitliches Sprech- und Datenfunknetz, das vor allem von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, also zum Beispiel Polizei und Rettungsdienst, genutzt werden soll.

Konkrete Informationen hat es allerdings nicht gegeben. „Wir sind erschrocken über die Art, wie wir von dem Funkmasten erfahren haben“, sagt eine Bürgerin. Es fehle an Transparenz, beklagen „die Mühlberger“. Es gibt diverse Unklarheiten: Warum wurden die betroffenen Bürger nicht informiert? Wie hoch ist die Strahlenbelastung? Welche gesundheitlichen Risiken gehen von dem Masten aus?

Bundesweites Netz

„Das digitale Funknetz wird bundesweit eingeführt. Wir als Gemeinde wurden um unsere Zustimmung gebeten“, sagt Bad Abbachs Bürgermeister Ludwig Wachs. Hätte die Gemeinde ihr Okay nicht gegeben, wäre die Zustimmung seitens des Landratsamts oder der Regierung erfolgt. „Wieso hätten wir die Bürger informieren sollen, wenn eine Verhinderung gar nicht möglich gewesen wäre.“ „Den Mühlbergern“ geht es aber nicht um Verhinderung, sondern um Aufklärung. „Wir befinden uns schließ´lich in direkter Nähe“, beklagt eine Anwohnerin. Sie habe schon oft gehört, dass das Gebiet im Mast-Umkreis von 300 Metern als krebserregende Zone bezeichnet werde. Deshalb haben „die Mühlberger“ nun eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen, mit dem Ziel, den Masten zumindest ein paar Meter zu verschieben. Außerdem wollen die Anwohner eine kommerzielle Mitbenutzung und damit ein Mehr an Strahlung verhindern.

Die Zweifel der Bürger sind für das Staatsministerium des Inneren zwar nachvollziehbar, sie seien jedoch unbegründet. „Wir bauen mit dem BOS-Digitalfunk ein Hochsicherheitsnetz auf. Dieses Netz ist natürlich auch gewissen Gefahren, zum Beispiel durch Sabotage, ausgesetzt“, erklärt Susanna Bredemeier, Öffentlichkeitsreferentin der Projektgruppe DigiNet des Staatsministeriums des Inneren. Es gebe dann schließlich nur noch ein Netz, worüber die Einsatzkräfte im Katastrophenfall alarmiert werden könnten. In Zeiten von Terrorismus habe deshalb die Sicherheit des Netzes oberste Priorität.

Für das BOS-Digitalfunknetz werden bundesweit 950 (im Amtsbezirk Landshut 40) der Digitalfunkmasten, die auf dem Tetra-Standard basieren, an geprüften Standorten errichtet. Im Gegenzug werden 3500 analoge Masten abgebaut. Die Tetra-Technologie fasse die verschiedenen analogen Leitungen zusammen. „Bei einem Großeinsatz können dadurch alle mit einem Funkruf informiert werden“, verdeutlicht Bredemeier die Vorteile des neuen Funknetzes. Eine kommerzielle Mitbenutzung der Masten könne durch den Grundstückseigentümer und die Gemeinden vertraglich ausgeschlossen werden, so Bredemeier weiter. In Hinblick auf eventuelle Gesundheitsschäden durch die Tetra-Strahlung verweist Bredemeier auf die 26. Bundesimmissionsschutzverordnung. Danach liegt der Grenzwert für die Leistung der Funkmasten bei gut 27 Volt pro Meter. „Das sind natürlich alles nur Berechnungen“, sagt Bredemeier. Denn bisher stehen nur wenige Masten, einige davon in München. „Das Umweltschutzreferat hat dort Tests durchgeführt“, weiß Bredemeier. Der Grenzwert sei hier in den meisten Fällen sogar unterschritten worden.

Kaum Strahlung

Auch wenn es noch keine fundierten Langzeitstudien zur Tetra-Strahlung gibt, so ist sich Susanne Bredemeier sicher, dass von den Masten keine gesundheitliche Gefahr ausgeht: „Polizisten werden zum Beispiel einen Sender am Ohr tragen, um das Funksignal zu empfangen. Wir gefährden doch nicht unsere eigenen Einsatzkräfte“, so Bredemeier. Sie ist sich sicher: „Wer mit dem Handy telefoniert, setzt sich weitaus mehr Strahlungen aus.“

Etwas differenzierter sieht das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Thematik. Aktuell werden zwei Studien zu den Folgen von Tetra-Strahlung bei den Anwendern, also den Einsatzkräften, durchgeführt. „Bisher gibt es dazu nur wenige Untersuchungen“, so Anja Schulte-Lutz vom BfS-Pressereferat. „Unsere Forschungsarbeit dient der zusätzlichen Sicherheit.“ Für eine Einzelperson sei die Strahlenbelastung durch die Funkgeräte größer als durch die Funkmasten. „Die Tetra-Strahlen nehmen schon mit ein paar Metern Entfernung enorm ab“, weiß Anja Schulte-Lutz.

Weitere Infos gibt es auf www.bdbos.bund.de.

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