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Organspende-Skandal

Arzt blieb jahrelang unbehelligt


Von Heidi Niemann

Die neuen Erkenntnisse um den Organspende-Skandal von Göttingen und Regensburg werfen vor allem eine Frage auf: Warum hat man in Regensburg die Manipulationen erst jetzt entdeckt? Schließlich war der Transplantationschirurg dort bereits 2005 aufgefallen. Damals hatte er eine Leber nach Jordanien geschafft und dort einer Patientin implantiert. Um den unzulässigen Organtransfer zu vertuschen, gab er gegenüber Eurotransplant an, die Patientin befinde sich in Regensburg.

Die Ständige Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer hatte den Fall damals untersucht – der Bericht der Prüfer zog jedoch keine Konsequenzen nach sich. Einzige Folge war, dass die Regensburger Klinik Richtlinien für Organtransplantationen mit Auslandsbezug erließ.

Publik wurden die Vorfälle erst im Zuge der Ermittlungen in Göttingen. Auf erste Anfragen zu dem Fall gab die Pressesprecherin des Regensburger Klinikums noch Ende Juni die knappe Antwort, dass es zu keinem Zeitpunkt staatsanwaltliche Ermittlungen gegen den Oberarzt gegeben habe. Tatsächlich hatte die Staatsanwaltschaft damals den Fall geprüft, aber kein strafrechtlich relevantes Verhalten festgestellt. Verstöße gegen die Richtlinien des Transplantationsgesetzes werden in der Regel nicht strafrechtlich geahndet – es sei denn, dass mit Organen gehandelt wurde oder ein anderer Patient, der durch die Manipulationen benachteiligt wurde, infolge eines ausgebliebenen Spenderorgans verstorben ist. Ob ein solcher Nachweis zu führen ist, prüft jetzt die Staatsanwaltschaft Göttingen. Sie ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Der Regensburger Chirurg konnte unbehelligt weiterarbeiten und sogar Karriere machen. 2008 bewarb er sich auf die neu zu besetzende Stelle des Leiters der Transplantationschirurgie in Göttingen und setzte sich gegen mehrere Bewerber durch.

Das Göttinger Klinikum hat nach Bekanntwerden des ersten Verdachts sofort personelle Konsequenzen gezogen. Einen Tag nach einem Hinweis der Bundesärztekammer im November 2011 wurde der Chirurg beurlaubt. Nachdem sich der Verdacht erhärtet hatte, trennte sich die Universitätsmedizin zum Jahresende von dem Arzt. Der Leiter der Ständigen Kommission Organtransplantation, Professor Hans Lilie, ist voll des Lobes: „In Göttingen wird nichts vertuscht, sondern schonungslos und ohne Rücksicht auf Verluste aufgeklärt.“

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