Main-Spessart
14-Jähriger tot bei Schule gefunden - Teenager tatverdächtig

08.09.2023 | Stand 11.09.2023, 18:54 Uhr

14-Jähriger tot bei Schule gefunden - Polizeiwagen stehen auf dem Gelände eines Schulzentrums. - Foto: Höfig/NEWS5/dpa

Schrecklicher Fund in Unterfranken: Ein Jugendlicher wird auf dem Gelände einer Schule tot gefunden. Tatverdächtig ist ein Teenager.

Ein Jugendlicher ist in Lohr am Main in Unterfranken am Freitagnachmittag tot auf dem Gelände eines Schulzentrums gefunden worden. Das teilte ein Polizeisprecher am Freitagabend mit. Ein Tatverdächtiger im Teenageralter sei gegen 18.00 Uhr festgenommen worden. «Aktuell gehen wir von einem Tötungsdelikt aus», sagte er. Das Opfer sei 14 Jahre alt. Zum genauen Alter des Tatverdächtigen machte die Polizei zunächst keine Angaben.

Der Verdächtige solle am Samstag einem Ermittlungsrichter zur Prüfung einer möglichen Untersuchungshaft vorgeführt werden. Nach Angaben des Polizeisprechers hatte sich am Nachmittag ein weiterer Jugendlicher bei einem Polizeirevier gemeldet und angegeben, dass ein Bekannter von ihm eine andere Person getötet habe. Daraufhin seien Polizisten zum Schulzentrum gefahren und hätten dort den augenscheinlich Schwerverletzten gefunden.

Der Rettungsdienst habe nur noch den Tod des Jugendlichen feststellen können. Ob das Opfer noch gelebt habe, als die Polizei eintraf, war zunächst unklar. Der Todeszeitpunkt soll nun bei einer Obduktion festgestellt werden. In Bayern waren an diesem Freitag noch Sommerferien.

Lohr am Main ist eine Kleinstadt mit gut 15.000 Einwohnerinnen und Einwohnern im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart. Das beschauliche Städtchen mit der historischen Altstadt voller Fachwerkhäuser wurde nach Angaben der Kommune erstmals 1295 urkundlich erwähnt, ist aber vermutlich schon viel älter. Heute vermarktet sich der Ort als Schneewittchen-Stadt; angeblich hat sich das beliebte Märchen zwischen Lohr und Bieber im Spessart abgespielt und Schneewittchen war eine Lohrerin.

Kinder, die verdächtigt werden, andere Kinder getötet zu haben - es sind Fälle, die sprachlos machen und hilflos. Erst am Dienstag war bekannt geworden, dass ein elf Jahre alter Junge für den gewaltsamen Tod eines zehnjährigen Mädchens in einem Kinderheim im oberfränkischen Wunsiedel verantwortlich sein soll. Der Fall schockierte weit über die Grenzen Bayerns hinaus, zumal die Ermittlungsergebnisse nahezu unfassbar klingen: Vor ihrem Tod durch die Hände des fast gleichaltrigen Mitbewohners des Kinderheimes soll die Zehnjährige von einem 25 Jahre alten Einbrecher vergewaltigt worden sein.

Der Deutsche soll aber nicht für den Tod verantwortlich sein. Er wurde inzwischen angeklagt und hat die Taten weitgehend eingeräumt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilten. Der Junge hingegen ist mit elf Jahren zu jung, um für die ihm zugeschriebene Tat bestraft zu werden. Den Erkenntnissen zufolge hatte er das Mädchen stranguliert, nachdem die beiden Kinder gestritten hatten. Worum es dabei ging, blieb zunächst offen.

Es gibt aber auch noch weitere Fälle: Im März hatten zwei 12 und 13 Jahre alte Mädchen gestanden, in Freudenberg in Nordrhein-Westfalen die zwölfjährige Luisa erstochen zu haben. Beide sind noch nicht strafmündig, deshalb wird es in diesem Fall kein juristisches Verfahren geben. Ein 15-jähriger Deutscher wurde Ende August wegen Mordes zu einer zehnjährigen Jugendstrafe verurteilt. Der gewaltsame Tod des Teenagers in Wunstorf nahe Hannover hatte Ende Januar bundesweit für Erschütterung gesorgt. Die beiden damals 14-Jährigen hatten sich zum Spielen getroffen, aber nur einer von ihnen kam nach Hause zurück.

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