Kirche
Bätzing: Positionen der AfD und der Kirche unvereinbar

25.09.2023 | Stand 27.09.2023, 6:19 Uhr

Herbstvollversammlung Deutsche Bischofskonferenz in Wiesbaden - Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. - Foto: Arne Dedert/dpa

Vergangene Woche hatte ein katholischer Bischof neben Unterschieden auch Gemeinsamkeiten mit der AfD benannt. Doch nun distanziert sich der Chef der Deutschen Bischofskonferenz mit klaren Worten von der Partei.

Kurz vor den Landtagswahlen in Bayern und Hessen hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, die Positionen der AfD und der katholischen Kirche als «unvereinbar» bezeichnet. Die Kirche müsse sich hier positionieren und deutliche Worte finden, sagte Bätzing am Montag zu Beginn der Herbstvollversammlung der katholischen Kirche in Wiesbaden.

«Ich bin sehr überzeugt davon, dass die Positionen der AfD und die Positionen der katholischen Kirche unvereinbar sind, denn wir haben es hier mit einer Partei zu tun, die nicht eine Alternative für Deutschland ist, sondern die ein alternatives Deutschland will, ein fremdenfeindliches, ein antieuropäisches, ein nationalistisch aufgestelltes Deutschland - extremistisch erwiesenermaßen in bestimmten Personen und Teilen dieser Partei», sagte Bätzing. «Davon können wir uns als katholische Kirche nur distanzieren.»

Der Augsburger Bischof Bertram Meier hatte in der vergangenen Woche heftige Irritation ausgelöst, als er unter anderem gesagt hatte: «Wie die Kirche tritt etwa die AfD zum Beispiel für den Schutz ungeborenen Lebens oder die Ehe von Mann und Frau ein - und doch können wir als Kirche nicht unsere Sichtweise auf solche Überschneidungen verengen.» Der Kirchenrechtler Thomas Schüller warf Meier daraufhin vor, er mache sich damit zum «Steigbügelhalter für eine breiter werdende gesellschaftliche Akzeptanz von Rechtsradikalen».

Bätzing positionierte sich auch deutlich beim Migrationsthema. Es gebe Hunderttausende Menschen, die sich innerhalb der katholischen Kirche für die Aufnahme und Integration von Geflüchteten einsetzten, sagte der Limburger Bischof. «Willkommenskultur hat sich nicht erledigt», betonte er. Es sei wichtig zu sehen, dass diese Menschen aus einer Notlage heraus an die Tür klopften. «Für Christinnen und Christen ist es Pflicht, ihnen die Türen und die Herzen zu öffnen.»

Dem des Missbrauchs beschuldigten früheren Ruhrbischof Franz Hengsbach (1910-1991) warf Bätzing «verbrecherisches Verhalten» vor. «Die Verunsicherung für Gläubige in diesem Bistum, wenn man sieht, auf welch hohem Sockel dieser Mann stand als Gründerbischof und dann stürzt - die ist ja mit nichts zu vergleichen», sagte Bätzing. «Das sind Generationen von Menschen, die dort geprägt wurden und dann enttäuscht werden durch ein verbrecherisches Verhalten eines solchen Bischofs - das hat für mich auch tatsächlich eine Qualität, die wir bisher nicht hatten.»

Bätzing wies darauf hin, dass sich derzeit anscheinend weitere Betroffene meldeten. «Das heißt ja immer, dass sich die Vorwürfe erhärten.» Jetzt gelte: «Alles muss auf den Tisch, die Wahrheit muss auf den Tisch. Nur so werden die Betroffenen zu ihrem Recht kommen.» Er hoffe, dass sich der Fall so lange nach dem Tod des mutmaßlichen Täters noch aufklären lasse.

Im abendlichen Eröffnungsgottesdienst in der Wiesbadener Innenstadt forderte Bätzing in seiner Predigt eine Unantastbarkeit des Rechts auf Asyl. Jeder Mensch sei vom ersten bis zum letzten Augenblick in seiner Würde unantastbar, keine Verfügungsmasse von irgendwem oder irgendwas, so Bätzing. «Das gilt ebenso für die Menschen, die aus Not und Angst um ihr Leben an den Grenzen der Europäischen Union stranden - wenn sie es überhaupt auf all den gefährlichen Wegen bis dahin schaffen - und um Asyl bitten.»

Die Kirche insgesamt befinde sich in der Phase grundlegender Umbrüche und bedürfe angesichts massiver Krisenphänomene einer ernsthaften Instandsetzung und Erneuerung, sagte Bätzing auch mit Blick auf die bevorstehende Weltsynode in Rom. Solche Prozesse könnten nie ohne Konflikte laufen - «nicht im gläubigen Gottesvolk, nicht unter Expertinnen und Theologen und auch nicht unter Bischöfen».

Begleitet wurde der Eröffnungsgottesdienst von einer Mahnwache von Frauen- und Reformgruppen vor der Kirche. Auf Transparenten und Plakaten forderten sie unter anderem eine Priesterweihe für Frauen und eine konsequente Aufarbeitung des Skandals um sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche.

«Es ist unfassbar», sagte eine Teilnehmerin der Mahnwache und klagte über jahrelange Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen. «Am liebsten würde ich austreten», sagte eine 86 Jahre alte Demonstrantin. Sie glaube auch nicht mehr daran, dass die Kirche zu echten Reformen in der Lage sei.

Der als erzkonservativ bekannte Papst-Botschafter Nikola Eterovic warnte unterdessen in einem Grußwort an die Deutsche Bischofskonferenz die Kirche vor Gender-«Ideologie». Er zitierte aus der biblischen Schöpfungsgeschichte: «Gott erschuf den Menschen (...) Männlich und weiblich erschuf er sie.» Dazu kommentierte der Apostolische Nuntius, der den Vatikan bei der Bundesregierung vertritt: «Bedauerlicherweise ist dieses Bild inzwischen auch in manchen Kreisen der Kirche in Vergessenheit geraten.»

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