Verkehr
Bau des Kramertunnel auf Eis: Baufirma kündigt Werkvertrag

30.08.2023 | Stand 31.08.2023, 23:07 Uhr

Baubeginn Kramertunnel Garmisch - Arbeiter und Gäste stehen vor dem zukünftigen Nordportal des Kramertunnels. - Foto: Stephan Jansen/dpa

Egal ob Sommer oder Winter: Garmisch-Partenkirchen steht regelmäßig vor dem Verkehrskollaps. Die Anwohner hoffen auf Entlastung durch den neuen Kramertunnel - doch bei dem Bau gibt es erneut Probleme.

Der Bau des von Einheimischen sehnlichst erwarteten Kramertunnels bei Garmisch-Partenkirchen liegt vorerst auf Eis. Die Arbeitsgemeinschaft Kramertunnel BeMo Tunneling Subterra, die den Tunnel bauen sollte, hat ihren Werkvertrag gekündigt, wie der Sprecher des Staatlichen Bauamtes Weilheim, Michael Meister, am Mittwoch bestätigte. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

Der Tunnel soll das staugeplagte Garmisch-Partenkirchen vom Durchgangsverkehr entlasten. Stoßstange an Stoßstange geht es regelmäßig durch den Ort. Die Zugspitze als Deutschlands höchster Berg, die Höllental- und die Partnachklamm, das Wettersteingebirge und der smaragdgrüne Eibsee locken Gäste von weither an.

Ursprünglich sollte der Tunnel Ende 2025 für den Verkehr freigegeben werden. Ein neues Datum ist bisher nicht bekannt. Verzögerungen bei der Fertigstellung könnten grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden, genauere Angaben seien derzeit nicht möglich, teilte das Bauamt mit.

Derzeit stimme sich das Amt intern ab, wie weiter verfahren werde. Es gehe darum, ob der Bauvertrag mit der Firma doch noch zu Ende gebracht werden könne oder ob eine neue Baufirma mit den verbleibenden Leistungen beauftragt werden müsse. Vorrangiges Ziel sei eine schnellstmögliche Fortsetzung des Baus - wenn möglich mit der bisherigen Arbeitsgemeinschaft Kramertunnel, sagte Meister. «Das ist unser Hauptziel. Unsere Türen sind offen.»

Der Bau ruhte wegen eines Streits um Abschlagszahlungen bereits seit rund drei Wochen. Damals hatte die Arbeitsgemeinschaft rund 150 Beschäftige von der Baustelle abgezogen. Die Kosten für den Tunnel hatte das Bauamt zuletzt auf 365 Millionen Euro veranschlagt, rund 100 Millionen Euro mehr als noch vor der Corona-Pandemie.

Nun könnte es womöglich noch teurer werden. Die Arbeitsgemeinschaft als Baufirma hatte Abschlagszahlungen in zweistelliger Millionenhöhe unter anderem wegen erschwerter Arbeiten aufgrund von Schlamm und Geröll sowie Corona geltend gemacht, die das Bauamt nicht in voller Höhe zahlen wollte. Einen Tag vor der mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht München I am Dienstag kündigte die Arbeitsgemeinschaft den Werkvertrag. Ein Urteil wird am Donnerstagnachmittag erwartet.

Der Kramertunnel wird Teil der Westumfahrung von Garmisch-Partenkirchen, mit 3,6 Kilometern laut Bauamt dann der längste Straßentunnel Bayerns. Seit Anfang 2020 wird die Hauptröhre gebaut. Derzeit fahren jeden Tag bis zu 25.000 Fahrzeuge auf der Bundesstraße 2 durch Garmisch-Partenkirchen. Auf der Bundesstraße 23 im Osten sind es bis zu 16.000. Dort ist als Umgehung zur weiteren Entlastung der Wanktunnel geplant. Der Bau hat hier allerdings noch nicht begonnen.

Kritisiert wird das Projekt Kramertunnel vom Bund Naturschutz (BN), der Ende Oktober 2022 auch vor Gericht Recht bekam. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof verpflichtete damals den Freistaat Bayern, die Moore sanieren zu lassen, die im Zuge der Bauarbeiten großflächig trockengefallen waren. Beim Bau eines Rettungsstollens waren große Wassermengen aus dem Gestein ausgetreten, so dass der Spiegel des Grundwassers im Berg stark sank und Quellschüttungen an der Oberfläche versiegten. Das Urteil zu den Hangquellmooren, das der VGH in zweiter Instanz gefällt hatte, ist aber noch nicht rechtskräftig.

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