Politischer Gillamoos
Beim Frühschoppen am Montag rückt Freie-Wähler-Chef Aiwanger in den Fokus

01.09.2023 | Stand 12.09.2023, 22:27 Uhr |

Im Doppelpack: CSU-Chef Markus Söder (r.) und CDU-Chef Friedrich Merz. Foto: dpa

Die Flugblatt-Affäre um Hubert Aiwanger gibt dem Gillamoos besondere Brisanz: Der stellvertretende Ministerpräsident und Freie-Wähler-Chef wird im Weißbierstadl in Abensberg (Landkreis Kelheim) zu Gast sein. Beim Politischen Gillamoos werden aber noch viele weitere Politiker zu Gast sein. Ein Überblick.





Der politische Montag auf dem Abensberger Jahrmarkt hat lange Tradition, die bis in die 1960er-Jahre zurückreicht: Die frühere Kanzlerin Angela Merkel war schon hier, aber auch Gerhard Schröder (SPD) und Joschka Fischer (Grüne). In Wahlkampfjahren entfaltet der Schlagabtausch besondere Wucht. Fünf Wochen vor dem Urnengang in Bayern schicken alle Parteien prominente Vertreter ins Rededuell.

Hubert Aiwanger wird für seine Freien Wähler am Montag ab 10 Uhr im Kuchlbauer Weißbierstadl der Hauptredner sein. Sein Name wird auch bei den fast zeitgleichen Terminen der politischen Konkurrenz in den anderen Zelten häufig zu hören sein – verknüpft wie zuletzt mit heftiger Kritik aus den Reihen der Opposition.

CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder tritt im Doppelpack mit CDU-Chef Friedrich Merz auf und wird nach Kräften versuchen, den Blick von den Turbulenzen in der eigenen Koalition zurück Richtung Ampel-Regierung in Berlin zu lenken. Der SPD, den Grünen und der FDP attestiert er seit Monaten schlechtes Handwerk oder rein ideologiegeprägte Politik – etwa beim geplanten Heizungsgesetz. Beginn ist um 10 Uhr im Hofbräuzelt.

Bei den Grünen zieht um 10.15 Uhr der baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann ins Weinzelt ein, flankiert vom bayerischen Wahlkampf-Spitzenduo aus Katharina Schulze und Ludwig Hartmann. Kretschmann ist für die beiden allein schon deshalb Vorbild, weil die Ökopartei im Freistaat ebenfalls Regierungsverantwortung anstrebt. Söder hat Schwarz-Grün allerdings mehrfach eine deutliche Absage erteilt.

Bei der SPD ist neben Spitzenkandidat Florian von Brunn Bundesparteichef Lars Klingbeil am Start (Beginn um 10 Uhr, Härteis-Festzelt). Klingbeil schaltet sich übrigens mehrfach in den Landtagswahlkampf ein, „damit ein Politikwechsel gelingt“. Brunn kündigt Vorschläge für faire Mieten an und verspricht zudem klare Kante gegen Rechts.

Die FDP bietet am Gillamoos im Biergarten beim Weissbierstadl mit Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki einen der Scharfzüngigsten in ihren Reihen auf. Unterstützung kann Spitzenkandidat Martin Hagen gut gebrauchen – nach aktuellen Umfragen könnten die Liberalen bei der Landtagswahl am 8. Oktober an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Beginn ist um 10 Uhr.

Bei der AfD spricht Bundeschefin Alice Weidel im Schlossgarten etwas abseits des Festgeländes. Auch das bayerische Spitzenduo Katrin Ebner-Steiner und Martin Böhm ist vor Ort. Die bayerische AfD spürt derzeit Aufwind und rechnet sich bei der Landtagswahl deutlich mehr Mandate aus.

Bei der ÖDP hat Spitzenkandidatin Agnes Becker ab 10 Uhr in den Stanxx Aumühl Stub'n ihren Auftritt. Bereits im Vorfeld forderte sie Aiwanger auf, auf dem Gillamoos für Klarheit zu sorgen. „Der bayerischen Staatshygiene wäre es dienlich, wenn Aiwanger für das antisemitische Hetzblatt nicht nur Entlastungszeugen aus dem engsten familiären Umfeld aufbieten könnte.“

Eine besondere Herausforderung wird der Auftritt für Kabarettist Wolfgang Krebs, der ab 10.30 Uhr mit seinen Politiker-Parodien nach mehreren Jahren Abstinenz ins Ottenbräu-Zelt zurückkehrt. Ob er seine Figur Hubert Aiwanger auftreten lassen wird, will Krebs erst kurzfristig entscheiden, wie er auf Nachfrage sagt. „Ich werde die Entwicklungen bis zur letzten Minute beobachten“, erklärt er gegenüber der Mediengruppe Bayern. „Und auf mein Bauchgefühl hören.“