Offizielles Startsignal
Füracker legt den „IT-Turbo“ ein: Regensburg wird zum Hotspot im Freistaat

26.02.2024 | Stand 26.02.2024, 19:11 Uhr

Finanzminister Albert Füracker (Mitte) beim offiziellen Start der „FinanzIT“ in Regensburg – umringt von Behördenverantwortlichen, Mitarbeitern und Landtagsabgeordneten. Foto: Tino Lex

In Regensburg sind künftig die IT-Kompetenzen des Freistaats gebündelt. Im Endausbau bringt das 400 Arbeitsplätze. Finanz- und Heimatminister Albert Füracker setzt bei offiziellen Startschuss eine Spitze gegen einen Kabinettskollegen aus Reihen der Freien Wähler.



Regensburg ist ab sofort Zentrum der gesammelten IT-Kompetenz des Freistaats. Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU), sonst eher fürs Tiefstapeln bekannt, griff beim Ortstermin in der Dependance des Landesamts für Finanzen scherzhaft zum Superlativ: Andere würden bei so einem Anlass in sozialen Netzwerken sicher die Botschaft von der „Digital-High-Level-Group“ der Regierung verbreiten. „Wir machen, statt zu schwätzen.“ Das Finanzressort sei das digitalste im Staatsgefüge. Das ist als Hinweis an Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) zu verstehen, der kürzlich das Ende der Faxgeräte in den Behörden ausrief. Manche glaubten, „wenn sie irgendetwas aus dem Fenster schmeißen, ist die Digitalisierung per se schon auf den Weg gebracht“, sagte Füracker, ohne Mehrings Namen zu nennen.

Kino-Werbespots zur Mitarbeitersuche



Mit dem neuen IT-Zentrum wird das Finanzministerium nach Fürackers Worten zum „größten staatlichen IT-Arbeitgeber in der Oberpfalz“. Rund 300 Beschäftigte sind schon da, bis 2030 sollen weitere rund 110 Jobs aus München in die Region verlagert werden. Neue Mitarbeiter bleiben gesucht – Informatiker, Fachinformatiker oder Betriebswirte. Dienststellenleiter Walter Jakob schaltet dazu demnächst auch Werbespots in Regensburger Kinos. Füracker sprach von attraktiven Arbeitsplätzen – anspruchsvoll, zukunftssicher und natürlich familienfreundlich. Das bestätigten beim Pressetermin eine Mutter von drei Kindern, die in 30-Stunden-Teilzeit eine Führungsaufgabe ausfüllt, sowie ein alleinerziehender Vater.

Das IT-Zentrums soll die Verwaltung der rund 380.000 Beschäftigten des Freistaats vollständig digitalisieren. Personalakten werden bereits digital geführt, Beihilfen zur Krankenversicherung können schon per Smartphone beantragt werden. Über 8000 Mal wurden online Job-Bikes bestellt. Versorgungsauskünfte soll es künftig vor allem papierlos geben. Bei der Zahlungsabwicklung forciert der Freistaat das E-Payment. „Der Effizienzgewinn kommt den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern zu Gute“, sagt Füracker.

IT-Fachleute sind auch in der privaten Wirtschaft stark gefragt. Schon vor gut einem Jahr hatte Füracker deshalb öffentlich für den Dienst beim Staat geworben: Er stellte Zulagen von bis zu monatlich 1000 Euro und Homeoffice-Möglichkeiten von bis zu 80 Prozent in Aussicht. Auch eine Studienförderung von 415 Euro für IT-Talente war Teil der Offerte. Die Zulagen wurden bei Neueinstellungen 2023 überwiegend gewährt, hieß es jetzt auf Nachfrage im Finanzministerium. Die Studienförderung sei bisher drei Mal vergeben worden.

Heimatstrategie mit zwölf Projekten für Oberpfalz



Fürackers Ressort zählt in der Oberpfalz mit insgesamt rund 2800 Beschäftigte zu den größeren Arbeitgebern. Der IT-Schwerpunkt in Regensburg ist eine Gründung im Zuge der Heimatstrategie der Regierung, verknüpft mit der Verlagerung einer großen Dienststelle des Landesamtes für Finanzen nach Weiden. Die Heimat-Offensive mit zwei Maßnahmenpaketen war 2015 gestartet worden. In der Oberpfalz sind nach Angaben des Finanzministeriums zwölf Projekte mit Arbeitsplätzen für 674 Beschäftigte geplant – fünf davon seien abgeschlossen, sieben in der Umsetzung.

Ziel der Behördenverlagerung ist ein Stärken der wirtschaftlichen Entwicklung im ganzen Freistaat. Als Gradmesser gilt die Steuerkraft pro Einwohner. Das Finanzministerium lieferte am Montag Zahlen: Der Landkreis Tirschenreuth rangiert demnach aktuell hinter dem Landkreis München in Bayern auf Platz 2. In der Kategorie der Gemeinden nimmt die Stadt Kemnath mit über 15.000 Euro Steuerkraft pro Einwohner nach Grünwald einen zweiten Platz ein. Von den zehn steuerstärksten Gemeinden der Oberpfalz befinden sich sechs im Landkreis Tirschenreuth, zwei im Landkreis Cham und je eine im Landkreis Neustadt an der Waldnaab und im Landkreis Schwandorf – beispielsweise Plößberg, Zandt, Parkstein und Wackersdorf.