Alles machbar mit Willenskraft
Influencer Chris Krömer startet ohne Triathlon-Erfahrungen beim Challenge Roth

27.06.2024 | Stand 01.07.2024, 14:07 Uhr |

Schwimmtraining trotz Regenschauer: Chris Krömer zieht seinen Plan durch. Am Rücken sind noch die Spuren einer Behandlung zu sehen. Seine Mutter hat, um Verspannungen zu lockern, die Schröpf-Technik angewandt, bei der mit Unterdruck gearbeitet wird – was die roten Flecken hinterlässt. Foto: Krömer

Der Influencer Chris Krömer hat keine Triathlon-Erfahrungen – und trotzdem startet er beim Challenge Roth.



Regentropfen prasseln auf die Schwimmerbahn des Freibadbeckens. Chris Krömer, 29, rückt sich die Schwimmbrille zurecht. „Wetter kann man sich nicht aussuchen. Es gibt keine Ausreden.“ Rein ins Becken. Er atmet ein, nimmt die Hände über den Kopf. Drückt sich mit den Beinen vom Beckenrand ab und gleitet durch die 50-Meter-Bahn, bevor er professionell-wirkend zu kraulen beginnt.

Donnerstagnachmittag, Mitte Mai – Schwimmtraining für den fränkischen Influencer. „Ich muss hart trainieren, die Disziplin haben“, sagt er hinterher. Der 29-Jährige hat sich vorgenommen, in wenigen Tagen am Challenge Roth teilzunehmen – ohne Triathlon Vorerfahrung. Wie Krömer bereiten sich aktuell tausende Einzelstarter auf die Härteprüfung vor. Ein Einblick in die Vorbereitung auf den größten Langdistanz-Triathlon der Welt.

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Neuland Triathlon


„Egal wie eklig das Schwimmen wird, ich glaub das Laufen am Ende wird noch schlimmer“, sagt er und hängt seine Sportsachen vom Wäscheständer. „Gefühlt wäscht man jeden Tag wegen den vielen Sporteinheiten und den Klamotten, die man dafür braucht.“ Krömer vermarktet ein Online-Fitness-Programm, teilt sein Leben im Internet und verdient so sein Geld. 1,2 Millionen Menschen folgen ihm auf TikTok, eine Viertelmillion sind es auf Instagram. Unsere Redaktion hat ihn in seiner Wohnung in Stein bei Nürnberg besucht. Hier ist er, wenn er nicht gerade beim Training ist. Laufen, Radfahren, Schwimmen – alles Neuland für Krömer. „Ich hatte mit dem Triathlon absolut nichts zu tun.“

Telefonat mit Trainer Swen Sundberg



Umso mehr hängt er sich jetzt rein. „Das Training hat aktuell erste Priorität.“ Deshalb geht es für den 29-Jährigen direkt nach draußen. Lauftraining. Krömer zieht sich sein Laufdress an und schnürt sich die Schuhe, da klingelt sein Telefon. „Das ist mein Coach, da muss ich kurz rangehen.“ Trainer Swen Sundberg, selbst ehemaliger Profi-Triathlet und Iron-Man-Gewinner, ist am Hörer und will mit dem Influencer über seine Ausstattung sprechen. Der Neoprenanzug fehlt noch. Krömer notiert sich die Modellvorschläge. Auch er selbst hat noch etwas mit dem Trainer zu besprechen: Er ist mit seinem Schwimmtraining unzufrieden. Kurz vor Ende der Einheit wurde das Wetter zu ungemütlich und er musste wegen Gewitter abbrechen. Sundberg verwaltet und erstellt Krömers Trainingseinheiten über eine App, weist ihm wöchentlich neue Aufgaben zu. „Ich vertraue da drauf“, sagt Krömer. Zu lange am Telefon reden will er nicht. Es soll ja noch zum Laufen gehen.

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Krömer teilt Leben im Internet



Schafe blöken. In der Ferne springt ein Reh über die Wiese. Alles ruhig. Chris Krömer tritt vors Haus und startet mit seiner Dehneinheit. „Das mach‘ ich immer nach Tagesform.“ Hüftkreisen, Waden dehnen, Uhr einstellen. Mit seinem Fitnessarmband trackt der Influencer sein Training. Noch kurz das Handy raus und ein Video von sich aufnehmen. Er drückt auf den Aufnahmeknopf seiner Kamera und stellt knapp sein heutiges Training vor. Danach lädt er den Clip auf Instagram hoch. „Ich will Leuten die Motivation geben“, erklärt er, nachdem er das wenige Sekunden lange Video zu seiner Laufeinheit aufgenommen hat. Entspannt und gut gelaunt joggt er neben der Landstraße Richtung Bertelsdorf los.

„28 Kilometer waren bislang meine weiteste Strecke“, sagt er, nach dem Training wieder in seiner Wohnung angekommen, eine Banane in eine Schüssel Haferbrei schneidet. Heute standen allerdings deutlich weniger Kilometer auf dem Tagesplan.

Trainingsfreie Tage nur selten



Krömer öffnet eine App auf seinem Handy und gewährt einen Einblick in seinen Trainingsplan. „Letzte Woche war knackig.“ Montag Krafttraining, Dienstag Laufintervalltraining, Mittwoch Schwimmen – Technikübungen, Donnerstag Koppeltraining. 2,5 Stunden Radfahren und danach acht Kilometer laufen. Davor und danach wiegt sich Krömer und dokumentiert genau, was er zu sich nimmt. Freitag drei Kilometer Schwimmen. Samstag 1,40 Stunden auf der Rolle und zehn Kilometer Tempoläufe. Die Woche endete für ihn erneut mit einem Doppeltraining: „In der Früh zwölf Kilometer Laufen und danach drei Stunden Radfahren.“ Hat der Influencer denn gar keinen freien Tag? „Manchmal ja, manchmal nein“, sagt er und lacht. „Der Trainingsblock nimmt super viel Zeit in Anspruch, aber es ist erste Priorität.“

Auf die Idee zur Teilnahme am Challenge kam Krömer, als er im vergangenen Jahr selbst an der Strecke stand. Zusammen mit tausenden Zuschauern die Starter anfeuerte. „Wir waren in der Arena und ich habe die Leute ins Ziel laufen sehen. Ich hab die ganze Energie gespürt und die Freude in den Gesichtern der Menschen gesehen. Ob Profi, Amateur oder Staffel.“ Das hat den 29-Jährigen schwer beeindruckt. Sein Fazit daraus: „Geil, ich will das auch!“ Via Instagram-Story lässt er seine Follower abstimmen, ob er 2024 an den Challenge-Start gehen sollte – in wenigen Wochen ist es nun so weit.

Reine Kopfsache für Krömer



„Ich bin wahrscheinlich der amateurhafteste Amateur, der aber mit viel Freude an den Start geht“, sagt er und lacht. Unterstützung bekommt er von allen Seiten. Freunde, Familie und Coach stehen fest hinter dem Plan des gebürtigen Steiners. Trotzdem ist der Challenge für Krömer „eine reine Kopfsache“. Mit starker Willenskraft und der richtigen Einstellung will er den Langdistanz-Triathlon meistern. Er formuliert das genauso, wie man es von einem anständigen Influencer erwarten würde: „Ich glaube, man kann alles schaffen, wenn man es will.“

HK