FC Bayern spendet eine Million
Söder: Bayern stellt 100 Millionen Euro „plus X“ an Flut-Hilfen bereit

04.06.2024 | Stand 04.06.2024, 17:45 Uhr |

Am Montag machte sich Ministerpräsident Markus Söder ein Bild der Hochwasserlage vor Ort. Am Dienstag schnürte die bayerische Staatsregierung dann das erste finanzielle Hilfspaket für die Betroffenen. − Foto: Matthias Balk, dpa

Noch sind die wirtschaftlichen Schäden der Flut in Bayern nicht zu beziffern. Die Staatsregierung schnürt aber bereits ein erstes Hilfspaket.



Nach der Flutkatastrophe in vielen Landesteilen will die bayerische Staatsregierung mindestens 100 Millionen Euro an Finanzhilfen für Betroffene bereitstellen: „100 Millionen plus X“, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag nach einem entsprechenden Kabinettsbeschluss in München.

Söder: „Schnelle und unbürokratische“ Hilfe



Von dem Hilfspaket sollen grundsätzlich sowohl Privathaushalte als auch Gewerbebetriebe, Selbstständige sowie Land- und Forstwirte profitieren können. „Bayern hilft, schnell und unbürokratisch“, sagte Söder. „Wir lassen in der Not niemanden allein.“ Söder forderte aber auch den Bund auf, seine Zusagen einzuhalten und Flut-Hilfe zu leisten.

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Nach dem bayerischen Konzept sollen Haushalte nach Worten Söders bis zu 5000 Euro an Soforthilfen bekommen können, für Ölschäden an Wohngebäuden bis zu 10.000 Euro - wobei Versicherungsleistungen am Ende darauf angerechnet werden. Bei einer drohenden Existenzgefährdung würden sogar bis zu 100 Prozent erstattet, kündigte Söder an. Unternehmen und Gewerbetreibende sollen nach seinen Worten zwischen 5000 und 200.000 Euro an Soforthilfen in Anspruch nehmen können. Wären die Schäden versicherbar gewesen, werden die Summen reduziert.

Steuerlicher Erleichterungen sollen Betroffene zusätzlich entlasten, unter anderem Sonderabschreibungsmöglichkeiten, Stundungen oder geringere Vorauszahlungen.

Bereitgestellt werden sollen die finanziellen Mittel laut Finanzminister Albert Füracker (CSU) „im Rahmen einer Notbewilligung unter Einbeziehung des bayerischen Landtages“. Dies solle im Rahmen der Haushaltsberatungen im Landtag in dieser Woche beschlossen werden.

Söder erneuerte seine Forderung nach einer Pflichtversicherung für Elementarschäden: Die Länder seien sich nahezu einig, deshalb gehe hier die dringende Aufforderung an den Bund.

Söder: Haben Hochwasserschutz nicht vernachlässigt



Scharf zurück wies der Ministerpräsident unterdessen, dass die Staatsregierung den Hochwasserschutz in den vergangenen Jahren vernachlässigt und Mittel gekürzt habe - das seien „Fake News“. „Es wird nichts gekürzt beim Hochwasserschutz, im Gegenteil. Seit 2001 haben wir vier Milliarden Euro investiert, bis 2030 werden weitere zwei Milliarden investiert werden in den Hochwasserschutz, und jährlich geben wir eine Milliarde für den Klimaschutz aus.“ Und man setze auch die Polder-Strategie fort - auch wenn es da „Diskussionen vor Ort“ gebe. Auch der jahrelange Widerstand von Freie-Wähler-Chef und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger gegen mehrere Flutpolder-Projekte an der Donau habe letztlich keine Verzögerungen bei der Gesamtplanung bedeutet, sagte Söder auf Nachfrage.

Auch Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) argumentierte, die Beträge, die in Bayern in den Hochwasserschutz gesteckt würden, stiegen seit Jahren kontinuierlich an. Dagegen würden Mittel im nationalen Hochwasserschutzprogramm gekürzt, klagte er.

Im Landtag dankte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) am Dienstag unter großem Applaus des ganzen Plenums den 60 000 Einsatzkräften, die in den vergangenen Tagen gegen die Fluten gekämpft haben und noch kämpfen. „Ohne diese Menschen, die anpacken, wäre unser Land, wäre unsere Gesellschaft nicht überlebensfähig“, sagte sie - und erinnerte auch an die Toten: „Wir bangen um die Vermissten und trauern mit den Familien der Opfer.“

FC Bayern spendete eine Million Euro



Und auch der deutsche Fußball-Rekordmeister Bayern München spendet Geld: Eine Million Euro sollen an die Opfer der Hochwasser-Katastrophe in Süddeutschland gehen. Ziel sei es, teilte der Klub am Dienstag mit, den Betroffenen in Bayern und Baden-Württemberg schnelle und unbürokratische Hilfe zukommen zu lassen. Über die genaue Verwendung der Mittel werde man zeitnah entscheiden.

Einen Hilfsfonds in Höhe von 100.000 Euro legte zudem der Bayerische Fußball-Verband (BFV) auf. Am Rande des Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen die Ukraine in Nürnberg (0:0) sagte zudem auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) umgehend seine Hilfe zu. Präsident Bernd Neuendorf und Schatzmeister Stephan Grunwald hätten „nicht gezögert, sondern gehandelt und unsere Stiftungssumme auf 200.000 Euro verdoppelt“, sagte BFV-Präsident Christoph Kern: „Das ist ein tolles Zeichen.“

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„Das Hochwasser hat große Schäden und schreckliches Leid verursacht. Gerade in solchen Ausnahme-Situationen braucht es einen besonderen Gemeinschaftsgeist - wie das aktuell viele Menschen vor Ort an den Tag legen. Dem FC Bayern ist es ein Anliegen, Solidarität zu zeigen“, betonte Bayern-Präsident Herbert Hainer.

Man stehe als FC Bayern „für Miteinander und Menschlichkeit“, ergänzte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen. Der Klub setze sich deshalb „für diejenigen ein, die unverschuldet in Not geraten sind. Bei den Folgen dieser Naturkatastrophe direkt vor unserer Haustür muss man zusammenstehen, und wir wollen mit unseren Möglichkeiten den Betroffenen schnelle Hilfe zukommen lassen.“

„Schnell, unbürokratisch und pragmatisch - diese Art der Unterstützung ist es, die die Menschen in unseren Vereinen jetzt brauchen. Nicht wenige von ihnen stehen quasi vor dem Nichts“, sagte BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher.

− dpa/sid