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Betroffene kämpfen mit den Flutfolgen

Fast sechs Monate ist es her, dass das Hochwasser für verheerende Schäden sorgte. Trotz Soforthilfen leiden noch immer viele Menschen an den Folgen.
Andreas Hummel, dpa.

Rosa Zinecker in ihrem Haus in Gera: Erst vorn wenigen Tagen konnte sie mit ihrem Mann in ihr Haus zurückkehren, das vor einem halben Jahr vom Hochwasser überspült wurde. Foto: Michael Reichel/dpa

Gera.Gut ein halbes Jahr ist es her, dass sich die braune Brühe der Weißen Elster mehr als kniehoch durch Küche und Wohnzimmer von Rosa und Günther Zinecker ergoss. Erst vor vier Wochen sind die Senioren in ihr Häuschen in Gera zurückgekehrt, doch zu kämpfen haben sie noch immer. „Ich wache jede Nacht auf trotz Schlaftabletten und zittere“, erzählt Rosa Zinecker (79). „Das frisst einen alles auf.“ Ihr Mann hatte 2012 einen Schlaganfall und kann nur mühsam laufen. So plagen sich beide, ihr Haus nach den Bauarbeiten wieder gemütlich zu machen. Wäre das nicht schon genug, gibt es auch noch Ärger mit der Versicherung. An Weihnachten ist da im Moment kaum zu denken.

Soforthilfe und Probleme mit Versicherungen

So wie die Zineckers hat das Hochwasser Anfang Juni weit mehr als 50 000 Menschen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt getroffen. Nach Angaben der drei Länder wurden an sie fast 30 Millionen Euro an Soforthilfe ausgezahlt. Inzwischen läuft die Wiederaufbauhilfe auch für Privatleute - dafür wurden in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt bisher mehr als 3600 Anträge gestellt.

Zineckers hatten eine Versicherung gegen Hochwasser, Probleme gibt es dennoch. Bei einer Begutachtung sei der Schaden auf etwa 75 000 Euro taxiert worden, berichtet der 74 Jahre alte Hausherr. Ihr Agent habe empfohlen, die Sache an eine Baufirma abzutreten, die sich um alles kümmert. Ein zweiter von der Versicherung geschickter Gutachter habe die Schäden später deutlich niedriger angesetzt, so dass nun ein Betrag von 14 000 Euro offen ist. „Und der Keller muss auch noch gemacht werden“, betont Günther Zinecker. Das Ehepaar hat nun einen Rechtsanwalt eingeschaltet.

Dramatische Folgen des Hochwassers

Der materielle Schaden ist das eine, psychische Probleme sind das andere. So wie Rosa Zinecker, die nachts oft nicht schlafen kann, geht es auch anderen Hochwasseropfern. „Im Moment ist es so, dass viele Leute nach außen hin funktionieren, und das recht gut“, erzählt Christof Enders, Gemeindepfarrer im sachsen-anhaltischen Fischbeck. Er kenne aber viele Menschen, die mit ihren Kräften am Ende seien. Zudem sei die Angst, dass jederzeit erneut Hochwasser kommen könnte, fest bei vielen Menschen verankert. „Die Menschen müssen lernen, mit diesem Trauma umzugehen, damit es sie nicht hemmt.“ Das könne ein Prozess über Jahre sein.

„Ich habe schon schlimmere Zeiten erlebt“, sagt Rosa Zinecker und spielt auf den Zweiten Weltkrieg an, den sie im Saarland erlebt hat. Doch in ihrem Alter fallen viele Arbeiten inzwischen schwer. „Ich finde momentan vieles einfach nicht, und die ganze Situation zehrt an den Nerven.“ Nach dem Hochwasser waren die Möbel hinüber, der Fußboden musste raus, die Elektrotechnik erneuert, Putz abgehackt, Wände getrocknet und alles frisch renoviert werden. Ihr Haus aufzugeben, kam für sie dennoch nicht infrage. „Wir sind zu alt, irgendwo neu anzufangen.“

Die Rückkehr ins eigene Heim

4.00 Uhr morgens war es, als die Polizei das Paar am ersten Juniwochenende abgeholt hat, seither haben sie in vier verschiedenen Quartieren gelebt. Seit vier Wochen sind sie jetzt zurück im eigenen Heim. Die neue Anbauwand ist noch leer, die Teppiche liegen eingeschweißt davor und die neuen Gardinen hat Rosa Zinecker selbst eingenäht - nun müssen sie nur noch aufgehängt werden. Dafür habe eine Nachbarin Hilfe angeboten, sagt sie. Immerhin im neuen Aquarium ist inzwischen Wasser, und in den nächsten Tagen will Günther Zinecker losziehen, um Fische zu kaufen. In einer Laube hinterm Haus stapeln sich derweil noch Körbe und Kisten mit Büchern, Bildern und Klamotten - vieles davon muss erst noch aussortiert werden.

Vorsichtiger Zweckoptimismus an Weihnachten

Weihnachtsschmuck sucht man in der Wohnung der Zineckers momentan vergeblich. Auch der große Lichterbogen, der sonst auf der Garage weithin in der kleinen Siedlung leuchtete, fehlt dieses Jahr. Doch Günther Zinecker lässt sich nicht entmutigen: „Das nächste Jahr hat auch wieder 365 Tage“, gibt er sich optimistisch. Und bis Heiligabend will er wenigstens einen Weihnachtsbaum im Wintergarten aufstellen.

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