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Böse Geschichten aus der Provinz

Donald Ray Pollock versammelt im US-amerikanischen Kaff „Knockemstiff“ das ganze Elend von Schlägern, Huren, Säufern, Päderasten und Schwachsinnigen.
Von Jacob Dillinger

Geschichten aus der kaputten Welt des Kaffs „Knockemstiff“ erzählt Donald Ray Pollock.

Regensburg.„Als ich sieben war, zeigte mir mein Vater in einer Augustnacht beim Tourch-Drive-In, wie man einem Mann so richtig wehtut. Das war das Einzige, was er wirklich beherrschte.“ So und nicht anders wird man in das kleine, von der Außenwelt hoffnungslos abgeschnittene, Dorf Knockemstiff (knock them stiff = schlag sie tot!) katapultiert. Schonungslos erzählt Pollock von dem Dorf, in dem er geboren wurde und das heute nur noch eine Geisterstadt ist. Knochentrocken, bilderlos und distanziert schildert er die verzweifelte Lage von Schlägern, Huren, Säufern, Päderasten, Mördern und schlicht und ergreifend Schwachsinnigen, die trotz aller Versuche und Träume niemals diese trostlose Gegend verlassen werden.

18 Geschichten aus der Provinz

Auch der Autor selbst kann mit seinem zweiten Buch, „Das Handwerk des Teufels“, das ebenfalls hier spielt, nicht fliehen. Selbst wenn es jemand schafft, aus der Reichweite dieser weltlichen Hölle voller Dreck, Inzest und Gewalt zu entkommen, wie der 14-jährige Daniel, gerät er in die Fänge eines Fernfahrers, der ihm eine Damen-Perücke auf den Kopf setzt…

Insgesamt besteht der Roman aus 18 einzelnen Geschichten. Hier finden sich vom Deserteur Jake, der einst in die Wildnis geflohen ist, um der Armee zu entgehen, bis hin zu Hank, der in der einzigen Tankstelle und einer Art Tante Emma Laden arbeitet und von seiner Umgebung nicht viel mitbekommt, weil er einfach vor sich hinlebt, alles was ein abgeschiedenes Dorf im „hintersten Winkel“ von Ohio zu bieten hat.

Exzessive Brutalität

Beim Lesen eines solchen Romans, mit dieser Prosa, wird Folgendes offensichtlich: Wenn die Kontraste zwischen Hoffnung und Grauen fehlen, verliert der Schrecken seine Wucht. Diese Gefahr schafft Pollock jedoch dadurch zu entschärfen, dass einige seiner Figuren hin und wieder emotionale Regungen zeigen und sich von dem trockenen Rest abheben. Wer diese Stellen jedoch verpasst, wird „Knockemstiff“ als eine sich endlos hinziehende Aneinanderreihung von Brutalitätsexzessen empfinden.

Zum Ende seines Buches lässt uns Pollock noch einmal einen Blick von Außen auf dieses „elendige Kaff“ werfen. Er ermöglicht uns dies durch Jener Bobby, die Hauptperson der ersten Geschichte, Mitglied bei den Anonymen Alkoholikern, der seinen todkranken Vater und seinen jüngeren Bruder besucht. „Ich war hier aufgewachsen, aber es hatte sich nie wie zu Hause angefühlt“ – sein Glück.

Das Buch: Donald Ray Pollock: „Knockemstiff“, aus dem Englischen von Peter Torberg, Verlag Liebeskind, 256 Seiten, 18,90 Euro

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