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Der Gipfelsturm des Thomas Bach

Die Ernennung zum neuen IOC-Präsidenten rührte Thomas Bach zu Tränen. Er wurde im zweiten Wahlgang zum Nachfolger des Belgieres Jaques Rogge gewählt.
Seven Busch, dpa

Thomas Bach wurde zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees gewählt. Deshalb trat er als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zurück. Foto: dpa

Berlin. Thomas Bach war nach seinem historischen Olympiasieg völlig überwältigt. Jahrzehntelang hatte der Wirtschaftsjurist auf diesen Moment hingearbeitet - am 10. September erreichte er in Buenos Aires endlich den Gipfel der sportpolitischen Macht. Mit 49 von 93 abgegebenen Stimmen wurde der 59-Jährige als neunter Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im zweiten Wahlgang zum Nachfolger des aus dem Amt scheidenden Belgiers Jacques Rogge gewählt. „Uff!!!“, entfuhr es Bach unmittelbar nach der Verkündung des Ergebnisses wenig präsidial. Der neue Ober-Olympier wischte sich Tränen aus den Augen und bedankte sich in sieben Sprachen bei den IOC-Mitgliedern. 22 Jahre nach seiner Aufnahme ins IOC als ambitionierter Advokat war er am Ziel.

Sotschi als erste große Herausforderung

Direkt nach seiner internationalen Beförderung telefonierte Bach mit Wladimir Putin. Der Kremlchef wollte sein mehr als 50 Milliarden Dollar teures Lieblingsprojekt in seiner Sommerresidenz Sotschi in den richtigen Händen wissen. Der fränkische Strippenzieher war sofort in seinem Element. So kurz vor den problembeladenen Winterspielen vom 7. bis 23. Februar an der russischen Schwarzmeerküste galt es keine Zeit zu verlieren.

Bereits in seiner ersten Pressekonferenz als neuer IOC-Chef kündigte Bach der olympischen Welt einen Paradigmenwechsel an. Der Multifunktionär aus Tauberbischofsheim versprach, das Premiumprodukt Olympia den Athleten zurückgeben und das IOC zu einer stärkeren gesellschaftspolitischen Kraft entwickeln zu wollen. Dafür wollte er den Ringe-Orden für Diskussionen mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur öffnen.

„Wir müssen uns klarmachen, was das IOC tun kann, wofür wir da sind und was wir nicht machen können. Das IOC kann nicht unpolitisch sein“, erklärte Bach. „Wir müssen erkennen, dass Olympische Spiele politische Auswirkungen haben, aber um unsere Rolle zu erfüllen, müssen wir politisch neutral sein.“ Die Sotschi-Spiele sind seine erste große Herausforderung im neuen Amt - und ein Beleg für die Expansionsgier der Ringe-Organisation. Terrorgefahr, Menschenrechtsverletzungen, internationale Empörung über das russische Anti-Homosexuellen-Gesetz und die Kostenexplosion belasten das Ringe-Spektakel in Sotschi - und das IOC-Selbstverständnis von Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit.

Er sei überzeugt, dass die Olympia-Macher von Sotschi „ausgezeichnete Spiele“ abliefern würden, so Bach nach einem persönlichen Treffen mit Putin Ende Oktober. Überzeugend klang es nicht, eher nach dem Stehsatz eines erfahrenen IOC-Spitzenvertreters, abgehärtet durch jahrelanges Krisenmanagement. Schließlich hatte Bach vor seinem Aufstieg zehn Jahre unter Rogge als IOC-Vize gewirkt, in 14 Kommissionen mitgearbeitet und immerhin 15 Jahre in der Exekutive den Kurs der Welt-Organisation mitbestimmt.

Bach tritt als Präsident des DOSB zurück

Der Olympiasieger von 1976 mit der Florett-Mannschaft lernte dadurch viele Facetten kennen, die ihn in Buenos Aires zu einer „logischen Wahl“ machten, wie IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger betonte. Eine Woche nach dem IOC-Votum trat Bach von seinem Posten als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zurück; auch sein Amt als Präsident der deutsch-arabischen Handelskammer Ghorfa legte er nieder.

Es gibt viel zu tun. Alle Entscheidungen müssten nach dem Sport, seinen Werten und den Athleten ausgerichtet werden, so Bach - auch die überfällige Reform von Rogges gescheiterter Programmpolitik. Er will einzelne Disziplinen streichen, um Raum für Neues zu schaffen. Sein Masterplan sieht zudem vor, den Bewerbungsprozess für potenzielle Olympia-Gastgeber zu erneuern.

Willi Daume hatte 1991 seinen Platz im IOC für Bach geräumt. Zehn Jahre vorher hatte bereits Rogges Vorgänger Juan Antonio Samaranch die strategischen Fähigkeiten des strebsamen Juristen aus der fränkischen Provinz erkannt und ihn nach dem olympischen Kongress in Baden-Baden in die neu gegründete Athletenkommission berufen. In der argentinischen Hauptstadt zahlte Bach das Vertrauen zurück. Als erster Deutscher und als achter Präsident aus Europa führt er die Ringe-Organisation in die Zukunft.

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