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Sonntag, 23. September 2018 24° 7

Der Herr der Bulldogs

Alfons Gollwitzer zeigt auf seinem Bauernhof alte Traktoren und andere rustikale SchönheitenVon Reinhold Willfurth, MZ

Alfons Gollwitzer am Steuer seines „Praga“ in seiner Museumshalle in Woppenrieth.Foto: Gabi Schönberger

Dass es einem wie Thomas Gottschalk, Deutschlands berühmtester Plaudertasche, einmal die Sprache verschlägt, ist undenkbar. Doch als „der Tommy“ und Alfons Gollwitzer sich vor sechs Jahren auf dem Londoner Flughafen Heathrow zufällig über den Weg liefen, trat dieser seltene Moment ein. „Nach Kalifornien, an Bulldog kaff´n“, antwortete Gollwitzer trocken auf die Frage des Entertainers, wohin die Reise ginge. Gottschalk war sprachlos, wenn auch nur für kurze Zeit.

Gollwitzer war wieder einmal in der Weltgeschichte unterwegs, um sich seiner Leidenschaft hinzugeben, einer Passion, die nie enden wird, denn alte Traktoren stehen noch in vielen Scheunen auf dem Erdball herum und warten auf ihre Entdeckung durch einen Liebhaber wie ihn. Die Früchte seiner Leidenschaft aber darf jeder einfahren, der seinen Bauernhof in Woppenrieth (Lkr. Neustadt/Waldnaab) aufsucht. Dort stehen dicht gedrängt in zwei geräumigenHallen die John Deeres, Fendt-Dieselrösser, Hanomags, Lanz-Bulldogs und Unimogs, die den Bauern und Farmern die Arbeit erleichterten.

Es gäbe viel zu sehen, oder besser zu erleben für Duzfreund Gottschalk, denn Gollwitzers Schätze faszinieren nicht nur den Landmaschinenmechaniker und Agrar-Fachmann. Zum einen stehen die rustikalen Schönheiten Gollwitzers nicht hinter musealen Absperrketten, sondern laden zum Anfassen und Raufklettern ein. Am liebsten würde man die Kurbel in die Hand nehmen, um den Einzylinder-Diesel des untypisch filigranen, heuschreckengrün lackierten John Deere-Traktors aus dem Jahr 1928 anzuwerfen. Kein Problem, das erledigt der Hausherr mit geübtem Schwung. Jedes der rund 60 Museumsstücke erwacht zum Leben, wenn die Batterie die Glühkerze entzündet hat, und der fast 80 Jahre alt „John Deere“ hat vor ein paar Jahren noch bei der „Weltmeisterschaft im Tradtionspflügen“ in Landshut ganz vorne mitgemischt. Die „Gelassenheit des Lebens“ damals soll der Besucher aus dem gemütlichen „Tam, tam, tam“ des Einzylindermotors lesen. „Die ganze Hetze von heute, die gab es damals nicht“, sagt Gollwitzer mit leuchtenden Augen.

Das liebevolle Verhältnis des „Oldtimer-Bauern“ zu seinen Bulldogs erklärt sich nicht nur mit dessen Leidenschaft für Technik. Der erste Traktor, den ihm der Vater 1954 kaufte, hat ihn von der Arbeit mit dem Pferdegespann erlöst — für Gollwitzer eine schlimme Fron. Die Sammelleidenschaft entzündete sich 25 Jahre später, als Gollwitzer seinen ersten, längst verkauften Hanomag in einer Scheune wieder entdeckte. Mit dem Segen von Ehefrau Monika steht Gollwitzer seither in der Werkstatt, um sich der Wiederbelebung seiner Lieblinge zu widmen — übrigens nicht nur von Bulldogs. Wer nach Woppenrieth kommt, kann beispielsweise einen „Praga“, Baujahr 1918, bestaunen, die Staatskarosse des ersten tschechoslowakischen Präsidenten Masaryk, oder einen U-Boot-Motor, oder den Ur-Unimog aus dem Jahr 1946, oder... Infos: Alfons Gollwitzer, Woppenrieth 14, Waldthurn. Geöffnet nach Vereinbarung, Tel. (09657) 922876.

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