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Der Leser tappt im „Schwarzlicht“

Mord an einem Politiker: Horst Eckerts lässt in seinem neuen Kriminalroman auch den Ermittler Vincent Veih in der eigenen Vergangenheit stöbern.
Von Julian Hannes

Horst Eckerts neuer Roman „Schwarzlicht“ dreht sich um den Mord an einem Spitzenpolitiker. Foto: Wunderlich

Regensburg. Horst Eckert, der 1959 in Weiden geborene, jetzt in Düsseldorf lebende Krimi-Autor, ist durch preisgekrönte Werke wie „Aufgeputscht“ (1997) oder „Die Zwillingsfalle“ (2000) bekanntgeworden. Protagonist seines neuesten Werks ist der Kriminalbeamte Vincent Veih, der die Ermittlungen in einem Mordfall leitet. Der fiktive Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Walter Castorp, ist kurz vor der Wahl tot in seinem Penthouse aufgefunden worden. Die Spuren führen in viele verschiedene Richtungen, da auch Castorp keine weiße Weste hatte. So war er an illegalen Geschäften in der Schweiz sowie an einer Abhöraffäre beteiligt.

Weil die Untersuchungen nicht vorankommen, wächst der Druck auf Vincent. Hilfe findet er bei Reporterin Saskia. Eine Rolle spielt auch eine Bekannte aus Vincents Jugendjahren, die er bei einer früheren Polizeiaktion als „Köder“ für einen Sexualverbrecher brauchte und die er bei dieser Aktion im Stich ließ. Vincent muss in die eigene – verdrängte – Vergangenheit zurückblicken, um den Fall zu lösen. Sein Nazi-Großvater und seine Mutter, die bei einer RAF-Terroristin aufwuchs, kommen noch ins Spiel. Schließlich laufen alle Fäden in einem finalen Showdown zusammen, bei dem Vincent den Fehler von früher wieder gutmachen kann.

Vincent ist kein strahlender Held, die Polizeiarbeit wird durchaus kritisch behandelt. So gibt es einen Brand in einer Arbeiterunterkunft, der leicht zu verhindern gewesen wäre. Proteste flammen auf, die sich hauptsächlich gegen die Polizei richten. Eckert ist ein erfahrener, sehr gut lesbarer Krimiautor. Auch Leser, die in kriminalpolizeilicher Aufklärungsarbeit bestens geschult sind, werden nicht unterfordert. Wer sich weniger gut auskennt, geht schlauer aus der Lektüre hervor. Fiktiv ist an „Schwarzlicht“ nur der Name des Mordopfers. Die Story spielt im Hier und Jetzt. Griechische Finanzkrise, Bespitzelung – man kennt es aus den Nachrichten.

Da Eckert die Geschichte allein aus Vincents Perspektive erzählt, darf der Leser gerne mitraten. Eckert spielt geschickt mit seinen Lesern und deren (falschen) Vermutungen. Zum Ende hin stellt er sie, die jetzt endlich wissen wollen, wer nun der Mörder war, aber auf eine arge Geduldsprobe.

Das Buch: Horst Eckert: „Schwarzlicht“, Verlag Wunderlich, 384 Seiten, 19,95 Euro

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