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Deutsche jubeln bei Doping-WM in Moskau

Mit gleich vier Goldmedaillen könnten die deutschen Leichtathleten bei der WM in Moskau 2013 glänzen. Auch in Russland war das Thema Doping präsent.
Sebastian Stiekel, dpa

Der Stabhochspringer Raphael Holzdeppe kürte sich bei der Leichtathletik-WM zum ersten deutschen Weltmeister in seiner Disziplin. Doch auch über der WM in Moskau lag der große Schatten namens Doping. Foto: dpa

Moskau/Frankfurt/Main.Waren es die Tränen von Christina Obergföll oder die drei Goldmedaillen von Usain Bolt? War es der Jubellauf des Raphael Holzdeppe oder doch der regenbogenfarbene Protest der Hochspringerin Emma Green? Selten fiel es so schwer, vorauszusagen, welches Bild von einer Leichtathletik-WM am längsten im kollektiven Gedächtnis hängen bleiben wird. Dafür haben sich im August dieses Jahres zu viele Dinge in Moskau überlagert.

Es war die WM des Doping-Generalverdachts, aber auch des viel diskutierten Protests gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz in Russland. Es war die WM, bei der Sprintkönig Bolt sogar die Legende Carl Lewis einholte und die deutsche Mannschaft so viele Titel holte wie noch nie seit der Jahrtausendwende. „Viermal Gold ist das Sahnehäubchen“, sagte Verbands-Präsident Clemens Prokop stolz und blickte angesichts der Erfolge der noch jungen Holzdeppe oder David Storl auch schon zuversichtlich Richtung Olympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro. „Das ist die Mannschaft der Zukunft“, meinte er.

Dabei lag schon ein großer Schatten über dieser WM, noch ehe sie am 10. August im Luschniki-Stadion von Russlands Präsident Wladimir Putin eröffnet wurden. In den Wochen zuvor hatten gleich mehrere Doping-Skandale die Leichtathletik erschüttert. Ex-Weltmeister Tyson Gay (USA), der ehemalige 100-Meter-Weltrekordler Asafa Powell und die dreifache Olympiasiegerin Veronica Campbell-Brown (beide Jamaika) wurden jeweils der Einnahme verbotener Substanzen überführt.

Die WM im Schatten des Dopings

In der Folge stand vor allem die gesamte Sprint-Szene unter einem Generalverdacht, gerade Superstar Bolt wurde auf einmal misstrauisch beäugt statt wie vorher grenzenlos bewundert. Der Jamaikaner reagierte darauf in Moskau unterschiedlich: Rein sportlich gewann er souverän die Läufe über 100, 200 und 4 x 100 Meter, weshalb er den großen Carl Lewis (USA) schon mit 26 Jahren als erfolgreichsten Athleten der WM-Geschichte ablöste. Vor diesen Rennen aber verhielt sich Bolt ungewohnt zurückhaltend bis beleidigt ob des teilweise offen gegen ihn ausgesprochenen Verdachts: keine Showeinlagen, keine Pressekonferenzen, vor allem keine Aussagen zum Dauerthema Doping.

Letzteres erledigte der IAAF-Präsident Lamine Diack in einem dpa-Interview für ihn („Usain Bolt ist sauber“). Die Haltung des Weltverbandes sei nur von „Scheindebatten und publikumswirksamer Strenge geprägt“, urteilte die „Süddeutsche Zeitung“. Bei konkreten Fragen suche die IAAF „ihr Heil im Ungefähren“.

Dazu passt auch, dass weder gegen Gay noch Powell zum Ende dieser WM-Saison ein Urteil vorliegt. Und dass die IAAF den WM-Gastgeber Russland in der Frage des umstrittenen Anti-Homosexuellen-Gesetzes nur sachte zu einem Sinneswandel aufrief und die Angelegenheit ansonsten als „politische Angelegenheit dieses Landes“ ansah. Durch offenen Protest gegen das Gesetz fielen nur einzelne Athleten auf. Die Schwedin Emma Green Tregaro etwa lackierte ihre Fingernägel in den Farben des Regenbogens - dem Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung.

Viermal Gold für deutsche Leichtathleten

Für die deutschen Leichtathleten war die WM 2013 dennoch ein großer Erfolg. Gold für Speerwerferin Obergföll, Gold für Stabhochspringer Holzdeppe, Gold für Kugelstoßer Storl und natürlich auch Gold für Diskus-Dominator Robert Harting: Vier WM-Titel hatte ein deutsches Team zuletzt 1999 in Sevilla geholt.

Dazu kamen noch Silber für den Zehnkämpfer Michael Schrader und Kugelstoßerin Christina Schwanitz, Bronze für Stabhochspringer Björn Otto sowie die erfolgreiche Verjüngung des Teams auf nur noch 25,1 Jahre im Schnitt. Namen wie 1500-Meter-Finalist Homiyu Tesfaye oder die Weitsprung-Junioren-Europameisterin Malaika Mihambo lassen darauf hoffen, dass eine solche Bilanz auch in den kommenden Jahren möglich sein wird. „Im Sinne der Neuaufstellung der Nationalmannschaft war diese WM mehr als erfolgreich“, sagte Cheftrainer Idriss Gonschinska. „In drei, vier Jahren können wir davon profitieren.“

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