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Die Anschlagsopfer bleiben unvergessen

Nazi-Brandanschlag 1988: Erste Gedenkstunde in der Moschee
Von Helene Geim

Oberbürgermeister Helmut Hey (re.) im vergangenen Jahr beim Anbringen der Gedenktafel am Ort des Brandanschlags. Foto: gh

Die Religionen und Bürger Schwandorfs stehen im Kampf gegen das Vergessen zusammen: Erstmals findet eine Stunde des Gedenkens an den Brandanschlag 1988 in der Schwandorfer Moschee statt.

Schwandorf. In den frühen Morgenstunden des 17. Dezember 1988 hat sich Schwandorf verändert. In dieser Nacht setzte der Neonazi Josef Saller, ein Schüler der hiesigen Berufsschule, das „Habermeier-Haus“ an der Ecke Postgarten- und Schwaigerstraße in Brand. Ihm sei langweilig gewesen, gab er bei der ersten Vernehmung an, und er habe „die Türken ein wenig ärgern wollen“.

Schaller zündete im Treppenhaus liegende Kartonstücke an. Das Ergebnis war eine Katastrophe: In kurzer Zeit stand das ganze Haus in Flammen. In dem Inferno kamen die Eheleute Fatma und Osman Can, ihr elfjähriger Sohn Mehmet und der Deutsche Jürgen Hübener ums Leben. Sie erstickten und verbrannten bis zur Unkenntlichkeit. Zwölf weitere Bewohner retteten sich durch Sprünge aus dem Fenster und verletzten sich dabei teils schwer. Vor dem Prozess in Amberg widerrief Schaller sein Geständnis. Er wurde aber verurteilt und saß wegen Brandstiftung 13 Jahre im Gefängnis. 2001 wurde er entlassen. Die rechte Szene feierte ihn als Märtyrer. Schallers Anschlag war bundesweit der erste, der rechtsradikale Motive als Grund hatte.

Erst im Jahr 2007 brachte die Stadt eine Gedenktafel am Ort des Geschehens an. Diese wurde Monate darauf von Unbekannten heruntergerissen und dann wieder erneuert. Um ein öffentliches Bekenntnis für eine offene Gesellschaft, Integration und die Grundwerte der Demokratie abzulegen, wird es in Zukunft eine jährlich wiederkehrende Gedenkstunde in Schwandorf geben. Erstmals findet diese am Donnerstag, 17. Dezember in der Moschee der türkisch-islamischen Kulturgemeinde in Krondorf statt. Dort werden Vertreter der christlichen Kirchen (Dekan Josef Amann und Pfarrer Arne Langbein), der Stadt und der türkisch-islamischen Gemeinde zusammenkommen.

„Es ist geplant, die Gedenkstunde in der Folge an wechselnden Orten abzuhalten“, sagte der Pressesprecher der Stadt, Lothar Mulzer, zur Rundschau. „Neben der islamisch-türkischen Moschee könnten das dann zum Beispiel die St. Jakobskirche, die Erlöserkirche und als Profanbau auch die Spitalkirche sein.“ Mit der Veranstaltung solle auch dokumentiert werden, dass die türkischen Mitbürger der Stadt in das Schwandorfer Leben integriert seien. So ist zum Beispiel Ferdi Eraslan der erste Stadtrat türkischer Abstammung. Die türkisch-islamische Gemeinde begrüßt das künftige Prozedere. „Damit wird in der Bevölkerung ein positives Zeichen gesetzt“, sagte Mehmed Yarcin. Dass sowohl die weltliche Seite als auch die verschiedenen Religionen involviert seien, sei ein weiteres positives Signal. Yarcin: „Wenn diese beiden zusammenkommen, ist man auf dem richtigen Weg.“

Auch die Familie der damaligen Opfer unterstützt die Veranstaltung. Yarcin: „Anfangs waren sie schon etwas aufgeregt, jetzt überwiegt die Freude.“ Im Laufe der Jahre sei bei deren Mitgliedern natürlich Ruhe eingekehrt. „Aber“, so Yarcin, „jedes Jahr am 17. Dezember gibt es für sie schon sehr emotionale Momente.“

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