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Architektur

Die Weltstadt umbauen für Morgen

Siegfried Dömges proklamierte 2004 die Regionalmetropole: „Draußen ist sterbendes Land, drinnen blüht die Stadt“

Der 2008 verstorbene Siegfried Dömges und der Architekturkreis Regensburg hatten bereits 200 die Idee, die alte Metropolis Regensburg wieder zur europäischen Vorbildstadt zu machen. Foto: MZ-Archiv

Regensburg. Wohnen in der Zukunft, das ist mehr als Hightech-Chichi und schöne Sofas. Es braucht neue Wohnformen und vor allem den neuen Rahmen. Der 2008 verstorbene Siegfried Dömges und der Architekturkreis Regensburg hatten bereits 2004, für die Kulturhauptstadt-Kandidatur, ein Papier vorgelegt. Sie entwarfen die Regionalstadt der Zukunft. Die Idee hat das Zeug, die alte Metropolis Regensburg wieder zur europäischen Vorbildstadt zu machen. Das Konzept hat nichts an Reiz verloren; es wirkt heute bezwingender als damals.

Regensburgs Identität ruht auf nur einem Prozent seiner Fläche: der Altstadt. Die Stadt trumpft weniger mit der Zahl ihrer Denkmäler auf als mit der Qualität ihres Gefüges. Dieses Gefüge ist der gebaute Spiegel der Geschichte einer Stadt, die gleichrangig neben London und Paris stand und Prag überstrahlte. In der gebauten Vergangenheit hat sich die Gegenwart einquartiert. Wie die Zukunft hier leben kann, das skizzierte Siegfried Dömges 2004 im Leeren Beutel. Das Szenario: Für immer weniger Menschen am Land werden die Schulen, Straßen, Buslinien und Sportanlagen zu teuer. Die gespreizte Hand – Besiedlungslinien an den Fingern verlaufen vom Zentrum nach draußen – wird zum überholten Modell. Nach Dömges ist eine kompakte Schale die Antwort, Verdichtung statt Ausfransung und ein Rahmen, der dem Häuserbrei Form gibt. Ein gut gefügtes Quadrat mit Regensburg im Zentrum, vielleicht zehn mal zehn Kilometer groß, wäre die Heimat für die neue Regionalstadt, für rund 250 000 Einwohner, für Menschen aus der Stadt und aus den zehn Randgemeinden und die Zuzügler. „Draußen ist sterbendes Land; drinnen blüht die Stadt“, beschrieb Dömges die Vision. Der Schlüssel zur Regionalstadt heißt Kooperation. Stadt und Stadtrand müssten sich zuarbeiten; die Stadt müsste ihre Flächen verdichten, die Randgemeinden ihre Bau-Entwicklung in Richtung Regensburg lenken.

Regensburg habe das Potenzial, Modellstadt für das 21. Jahrhundert zu werden, so Dömges 2004. „Viele bedeutende Städte wurden mehrmals in ihrer Geschichte gegründet. Jetzt ist Zeit für eine Neugründung von Regensburg.“ (el)

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