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Eine Emma ohne Ecken und Kanten

Perfekt für den Strand: Kate Lord Browns Roman „Das Haus der Tänzerin“ hat Stärken in der Unterhaltung – nicht in Sprache oder gar Plausibilität.
Von Emma Heller

Regensburg.Glaubte man den ebenso euphorischen wie inhaltsarmen Pressestimmen zu Kate Lord Browns Debüt „Das Haus der Tänzerin“, so müsste man diesen Roman nach fast 600 Seiten begeistert aus der Hand legen. „Wunderbar fesselnd“ findet die Hannoversche Allgemeine das Buch. Eine „schlüssige Story, die alles bietet, was eine Familiensaga ausmacht: Liebe, Intrige, Mord“ liest man, oder von einem „im besten Sinne romantischen und zuweilen herzzerreißenden Buch“.

Obgleich der im Piper-Verlag erschienene Roman wahrlich kein Meisterwerk moderner Erzählkunst ist, ist er etwas besser, als der Klappentext befürchten lässt: „Die alte Villa in den Hügeln von Valencia ist für Emma der perfekte Rückzugsort: Der verwilderte Garten duftet nach Orangenblüten, die Leute im Dorf sind hilfsbereit und schon bald eröffnet die gelernte Parfümeurin einen Blumenladen. Doch warum vermachte ihre verstorbene Mutter ihr dieses Anwesen? Immer mehr fühlt sich Emma von der geheimnisvollen Vergangenheit des Hauses angezogen. „Und dann entdeckt sie ein zugemauertes Zimmer ...“ Au weia, denkt sich da der nüchterne Leser.

Informative historische Rückblenden

Der Roman hat zwei Erzählstränge: Einer spielt zur Zeit des Spanischen Bürgerkriegs und er ist zweifellos der gelungenere. Der historisch interessierte Leser erhält hier informative Einblicke in die Mechanismen dieses Krieges. Und der Autorin gelingen eindrucksvolle, mitunter sehr eindringliche Momentaufnahmen von Trauer und Verzweiflung, Hass und Heldenmut, Fanatismus und Idealismus.

Der zweite Erzählstrang verläuft in den Jahren 2001 und 2002. Emma Temple, die in den Hügeln von Valencia eine wild-romantische Villa erbt und wieder herrichtet, ist das Bindeglied zwischen beiden Welten, war es doch ihre Großmutter, die einst in diesem Haus wohnte und litt. Auch Emma, obgleich reich und attraktiv, geht es nicht gut, als sie nach Spanien kommt. Ihr Partner, von dem sie sich getrennt hat und doch schwanger ist, stirbt im Terror von 09/11, und Delilah, seine (vor seinem Ableben) Neue, will ihr den Parfümkonzern abluchsen.

Dafür hat Emmas Mutter ihrer Tochter einige Briefe mit erbaulichen Lebensweisheiten hinterlassen, die – zusammen mit einem stattlichen, ebenfalls sehr reichen und vom Schicksal gezeichneten Spanier namens Luca – dafür sorgen, dass am Ende alles wieder gut wird. Charles und Freya, Emmas vermeintliche Großeltern, beide Mitte achtzig und als junge Geschwister als Fotograph und Krankenschwester im Bürgerkrieg unterwegs, mischen letzten Endes auch noch mit, wenn es darum geht, Delilah zur Strecke zu bringen.

Unterhaltsame Ferienlektüre

Zumindest im gegenwärtigen Erzählstrang läuft alles irgendwie zu glatt und der Zufälle und überraschenden Wendungen gibt es eindeutig zu viele. Völlig zu Recht schreibt daher eine Online-Rezensentin über Emma: „Emma ist mir zwar nicht unsympathisch, aber sie ist mir einfach zu glatt, hat keine Ecken und Kanten. Gerade auch ihre Zeit in Spanien läuft einfach nur zu rund: Sie bekommt direkt Hilfe, findet Freunde, hat keine Sprachprobleme, das Blumenlädchen entwickelt sich.“

Trotzdem: Browns Debüt liest sich gut und unterhält den Leser, es hat einige gute und wenige schwache Momente und vor allem der erste Erzählstrang überzeugt durch Authentizität. Als unterhaltsame, manchmal berührende Ferienlektüre ist „Das Haus der Tänzerin“ durchaus zu empfehlen.

Das Buch: Kate Lord Brown: „Das Haus der Tänzerin“, deutsch von Elke Link; 528 Seiten, 9,99 Euro

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