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Golem und Dschinn in der Großstadt

Ein Zubettgeh-Schmöker: Die amerikanische Schriftstellerin Helene Wecker hat zwei mythologische Wesen in das New York des Jahres 1899 verpflanzt.
Von Alexandra Wenzel

  • Über 600 Seiten stark ist Helene Weckers Debütroman „Golem und Dschinn“.Foto: Hoffmann und Campe
  • Die Autorin Helene Wecker

Regensburg.Das Buch handelt von zwei mystischen Wesen, die sich im New York des 19. Jahrhunderts zurechtfinden müssen. Chava, ein weiblicher Golem, kommt 1899 kurz nach ihrer Erschaffung, nachdem ihr Meister auf See verstorben ist, verwirrt und alleine in New York an. Ahmad, ein Dschinn, wird nach jahrtausendelanger Gefangenschaft zur gleichen Zeit in New York aus seiner Flasche befreit. Beide versuchen in der neuen Umgebung einen Platz zu finden und die Menschen zu verstehen. Dann begegnen sie sich eines Tages, und es entsteht eine besondere Freundschaft. Als Chavas ursprünglicher Erschaffer, der hinterhältige Yehudah Schaalman, ein abtrünniger Rabbi, nach New York kommt, um das Geheimnis des ewigen Leben zu suchen, geraten Chava und Ahmad in Gefahr und merken, dass sie einander brauchen.

Präzise ausgearbeitete Charaktere

Golem und Dschinn, zwei Wesen aus der jüdischen bzw. arabischen Mythologie, mit denen man auch in Fantasyromanen nur selten in Berührung kommt, locken den Leser in das authentisch beschriebene New York von 1899, lassen ihn in die Atmosphäre dieser historischen Kulisse eintauchen. Die detailreiche, präzise Ausarbeitung der beiden Charaktere sowie mancher Nebendarsteller ist ein wichtiges Standbein des Romans. Der Leser kann die Gefühle der Hauptakteure nachempfinden. Die Fragen, die die beiden sich zur Gesellschaft und Religion der Menschen stellen, regen zum Nachdenken an.

Leider dauert es über 200 Seiten, bis die beiden endlich zusammentreffen. Auch danach zieht sich die Geschichte etwas hin, bis sie zum eigentlich spannenden Teil, der Auseinandersetzung mit Schaalman, kommt.

Spannung vor dem großen Finale

Helene Wecker hat in die Geschichte viele Rückblenden eingefügt, etwa in das frühere Leben des Dschinn, die der Handlung zusätzliche Spannung verleihen. Man will einfach wissen, welcher Bezug zu den Figuren besteht. Andererseits kreist Wecker nicht nur um wichtige oder packende Begebenheiten – an manchen Stellen hätte sie verlustfrei kürzen können. Insgesamt jedoch machen die Rückblenden die Geschichte komplexer und interessanter.

Zum nicht gerade kurz gehaltenen Finale des Romans hin baut die Autorin gekonnt Spannung auf. Irgendwann möchte man das Buch nicht mehr aus der Hand legen, bis man endlich die Antworten auf alle Fragen und die Bedeutungen der Nebendarsteller kennt. Fazit: ein guter Zubettgeh-Roman.

Das Buch: Helene Wecker: „Golem und Dschinn“, Hoffmann und Campe, 621 Seiten, 24,99 Euro

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