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Humor muss trocken sein

Experiment und Dokumentation beherrschen den Deutschen Wettbewerb, Spielfilm hat keine Konjunktur.
von Gabriele Mayer, MZ

Szene aus „Nashorn im Galopp“, der im Deutschen Wettbewerb zu sehen ist. Foto: Kurzfilmwoche

Regensburg. Wettbewerbe sind auch Spiegel einer Zeit oder einer Saison mit ihren Vorlieben, Moden und Sichtweisen, wobei die Wettbewerbsbeiträge der Kurzfilmwoche wiederum gefiltert wurden durch die Kriterien des Auswahlgremiums, das aus etwa tausend Einsendungen für den Deutschen Wettbewerb insgesamt vierzig Beiträge ausgesucht hat. Die erste Auffälligkeit: Der kurze Spielfilm hat im Moment keine Konjunktur bei der Kurzfilmwoche: Bei vielen dieser Einreichungen war einfach die Qualität nicht ausreichend.

Neu ist die Zunahme der Filme, die das Found-Footage-Verfahren ausprobieren. „The Clock“, das meistbesprochene Werk der vorigen documenta war ein Found-Footage-Film. Bei diesem Genre werden oft hunderte winziger Szenen aus unterschiedlichsten Filmen, die bestimmte Motive enthalten, ausgewählt und nach Gesetzen der Ähnlichkeit und Assoziation aneinandermontiert, sozusagen recyclet. Nicht Subjekte sind die Akteure in diesen Filmen, sondern bestimmte Gegenstände oder Formen oder Vorgänge, etwa der Kuss.

An große Vorbilder wie Matthias Müller reichen die anderen Beiträge freilich nicht heran. „Cut“ heißt der Film von Müller/Girardet. Cut bezeichnet zum einen das Found-Footage-Verfahren einer schnitttechnischen Filmdramaturgie, die bestimmte Bildmotive verbindet. Und in „Cut“ sind diese Motive Schnitte: der Schnitt ins Fleisch, die Wunden, die Kratzer auf einer Haut, Bäume, deren Blätter die Luft durchschneiden, Nägel, die sich in Sitzpolster schieben. Der Zuschauer spürt, dass diese aneinandergereihten Vorkommnisse, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, doch in ihrer unterschwelligen Wirkung zusammenhängen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Deutschen Wettbewerbs sind experimentelle Filme. Auch hier gilt: Erst die Fortschritte der digitalen Technik machen’s möglich. Einer dieser Filme zeigt ein altes Theater mit seinen Räumen und Schluchten und über diese Bilder ist eine kunstvoll inszenierte, brandfleckenartige Versehrtheit des Filmmaterials gelegt, zuerst nur stellenweise, später immer ausufernder.

Zwei weitere Auffälligkeiten dieses Deutschen Wettbewerbs treten bei diesem Streifen in Erscheinung: die Beschäftigung der Filme mit der Vergangenheit und mit Räumen und Architekturen. Andere Dokumentationen haben eine sozialkritische Ausrichtung. Der Interviewfilm „Sobota“ geht unter die Haut. Außerdem gibt es zwei hübsche erzählerische Parodien von Marion Pfaus bzw. Stefan Kriekhaus aufs Filmemachen selbst: Humor muss trocken sein. Alles in allem: Formale Spielereien und inhaltliche Reflexionen über das Medium Film und die Wirkung des Visuellen, das sind Hauptthemen dieses Wettbewerbs.

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