MyMz

Ist die Idylle an der Lauterach bedroht?

Neumarkter Pläne zur Wasserentnahme wecken Befürchtungen bei den Anrainern des LauterachtalsVon Hubertus Stumpf

Kastls Bürgermeister Stefan Braun fürchtet um das ökologische Gleichgewicht im Lauterachtal, sollten die Neumarkter Pläne zur Wasserversorgung umgesetzt werden. Foto: Stumpf

Amberg-Sulzbach/Neumarkt. In den kommenden Wochen soll das Landratsamt Neumarkt eine Frage klären, die schon seit Jahren für Zündstoff sorgt. Es geht um den Antrag der Stadt Neumarkt, zur Deckung ihres künftigen Wasserbedarfs jährlich eine Million Kubikmeter Wasser aus dem Hallerbrunnen bei Lauterhofen abzupumpen. Kritiker befürchten in diesem Fall eine Absenkung des Wasserspiegels der Lauterach und im Gefolge eine Störung des ökologischen Gleichgewichts in diesem idyllischen Tal.

Die Kritiker haben sich zur Interessengemeinschaft Lauterachtal zusammengeschlossen. Teichwirte, Sägewerksbesitzer und Bund Naturschutz stehen hier Seite an Seite mit den Bürgermeistern der Lauterachtgemeinden Kastl, Hohenburg und Schmidmühlen. Der Kastler Bürgermeister Stefan Braun (CSU) als Sprecher der Interessengemeinschaft verweist auf Expertenmeinungen, die nichts Gutes verheißen, sollten die Pläne der Neumarkter Stadtwerke verwirklicht werden: Man müsste bei einer Senkung des Wasserpegels mit einer Erwärmung des Lauterachwassers rechnen, wobei bereits ein Temperaturunterschied von einem halben Grad erhebliche Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht haben könnte.

„Wenn diese Befürchtungen eintreten würden, wäre das schlimm“, so Braun. Denn nicht nur die als Delikatesse beliebten Lauterachforellen würden leiden, sondern auch Flora und Fauna entlang des idyllischen Flüsschens würden über kurz oder lang in Mitleidenschaft gezogen, wenn der Wasserhaushalt nicht mehr stimmt, ist Braun überzeugt.

Nachteilefüridyllisches Tal?

Hinzu kommt, dass sechs Kläranlagen an die Lauterach angeschlossen sind. Auch wenn sie gereinigtes Wasser in den Fluss leiten, wäre fraglich, ob der das in Zukunft noch verträgt, wenn sich durch das Absinken des Wasserspiegels das Mischungsverhältnis von Fluss- und Klärwasser verschieben würde. Die befürchteten Auswirkung wären nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch ein Nachteil für Kastl und die anderen Lauterachgemeinden, für die der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle darstellt.

Natürlich sieht Braun ein, dass eine stetig wachsende Stadt wie Neumarkt Vorkehrungen treffen muss, um den zu erwartenden künftigen Wasserbedarf rechtzeitig zu decken. Doch nach Brauns Ansicht braucht es dafür nicht eine Million Kubikmeter Wasser aus dem Hallerbrunnen, der heute zwar auf dem Gebiet des Landkreises Neumarkt liegt, aber früher zu Kastler Gebiet gehörte.

Braun glaubt, dass die Stadt Neumarkt die insgesamt erforderlichen drei Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr auch an verschiedenen Standorten im Neumarkter Stadtgebiet erwirtschaften könnte und dafür nicht den Hallerbrunnen braucht. „Das wäre auch noch billiger für die Stadt Neumarkt“, so Braun mit Verweis auf die elf Kilometer lange Leitung, die zum Hallerbrunnen verlegt werden müsste und die erhebliche Mehrkosten verursachen würde.

Auf der anderen Seite ist Manfred Tylla, Leiter der Neumarkter Stadtwerke, davon überzeugt, dass von der beabsichtigten Wasserentnahme aus dem Hallerbrunnen keinerlei Gefährung für das ökologische Gleichgewicht im Lauterachtal ausgehen werde. Dagegen wäre seiner Ansicht nach die von Stefan Braun vorgeschlagene Entnahme aus weiteren Quellen im Neumarkter Stadtgebiet mit erheblichen Beeinträchtigungen verbunden: „Untersuchungen haben gezeigt, dass dort ein erheblicher Rückgang des Grundwasserspiegels zu befürchten wäre, was größere Schäden nach sich ziehen könnte“, so Tylla zur Rundschau. „Wir haben 17 Varianten geprüft“, so Dr. Franz Janka, Pressesprecher der Stadt Neumarkt. In Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass der Hallerbrunnen die beste Lösung ist. Ausgangspunkt war laut Dr. Janka das Bestreben, die Neumarkter Wasserversorgung auf ein zweites Standbein zu stellen, um im Störfall eine Ausweichmöglichkeit zu haben. Er betonte, dass eine Wasserentnahme nur dann erfolge, wen der Wasserbedarf der Pettenhofener Gruppe gedeckt sei.

„Völlignormalerrechtlicher Vorgang“

Überdies habe man ökologische Bedenken durchaus ernst genommen und eine Vielzahl von Untersuchungen in Auftrag gegeben. „Der Hallerbrunnen ist nur einer der Zuflüsse zur Lauterach“, so Dr. Janka. Deshalb glaubt er nicht, dass die Lauterach durch eine Absenkung des Wasserspiegels beeinträchtigt werden könnte. „Wir wollen niemanden schädigen“, betont der Stadtsprecher. Im übrigen sei es ein völlig normaler rechtlicher Vorgang, wenn die Stadt Neumarkt wie viele andere Städte auch ihr Wasser von außerhalb beziehe.

Nun liegt es am Landratsamt Neumarkt als zuständiger Genehmigungsbehörde, eine Entscheidung zu treffen. Wie Landratsamtssprecher Michael Gottschalk mitteilte, steht das hierzu noch erforderliche Gutachten des Regensburger Wasserwirtschaftsamtes als technischer Aufsichtsbehörde noch aus. Seitens des Landratsamtes rechnet man laut Gottschalk man mit einer Entscheidung etwa zum Jahreswechsel.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht