Neuer Generalmusikdirektor
Ein Willkommen und ein Abschied: Regensburger Philharmoniker beim Begrüßungskonzert

Das Philharmonische Orchester war beim Begrüßungskonzert von Stefan Veselka im Audimax in glänzender Spiellaune

11.07.2023 | Stand 14.09.2023, 21:30 Uhr
Gerhard Dietel Dr.Dr.

Bei Gustav Mahlers vierter Sinfonie gelang Regensburgs designiertem Generalmusikdirektor Stefan Veselka ein präzises Dirigat. Foto: altrofoto.de

Nein, um ein „Antrittskonzert“ handelt es sich noch nicht, wie Regensburgs Theaterintendant Sebastian Ritschel, um Genauigkeit bemüht, eingangs feststellt, und Stefan Veselka ist, um ebenfalls präzise zu bleiben, aktuell noch lediglich „designierter“ GMD. Ein „Begrüßungskonzert“ mit dem neuen Chef des Philharmonischen Orchesters gibt es also im Audimax der Universität zu erleben, das zu dieser Willkommens-Veranstaltung einen regen Publikumszuspruch erlebt.





Ein Willkommen, aber auch ein Abschied: Am Ende des Abends lassen es sich Intendant und Orchestervorstand nicht nehmen, das langjährige Orchestermitglied Ralf Müller zu würdigen, der seinen Arbeitsplatz in Kürze um wenige Meter vom Theater nach gegenüber verlegen wird: in die städtische „Sing- und Musikschule“, deren Leitung er übernimmt. Manche der Zuhörenden werden Stefan Veselka bereits beim vierten der Philharmonischen Konzerte im vergangenen April als Dirigenten erlebt haben, viele aber auch sind gespannt auf die Erstbegegnung mit ihm anlässlich der Interpretation von Schuberts „Unvollendeter“. Diese setzt sich, nach den dunkel raunenden Anfangstakten, geradezu federnd leicht in Bewegung, wartet aber bald mit dramatischen Orchestereffekten auf, die von Stefan Veselka mit aller Energie in Szene gesetzt werden. Da ist jenes Theaterblut zu spüren, welches der neue GMD sicher in der kommenden Musiktheater-Saison weiter ausleben wird.

Schuberts zum Mitsummen bekannter „Unvollendeter“ folgt eine ausgesprochene Programm-Rarität: vier Lieder von Alma Mahler, angesiedelt zwischen Spätromantik und früher Moderne, stilistisch im Umkreis von Almas Lehrer Alexander Zemlinsky zu verorten. Weniger Lieder als expansive Gesänge sind es, denen Patrizia Häusermann mit ihrem Mezzosopran Strahlkraft verleiht, stets fähig, sich über den raffiniert farbreichen Orchesterpart zu erheben (Instrumentierung der ursprünglichen Klavierlieder: Mu’frida Bell).

Hauptwerk ist vierte Sinfonie von Gustav Mahler



Hauptwerk des Abends ist nach der Pause die vierte Sinfonie von Gustav Mahler, eine „Humoreske“ im Sinne Jean Pauls, nach dem der Humor das „umgekehrte Erhabene“ ist. Ganz naiv gibt sich Mahlers Komposition auf weiten Strecken, um aber immer wieder auch ins Groteske und Grelle umzuschlagen, zumal im „Totentanz“-Scherzo.

Stefan Veselka gelingt ein präzises Dirigat, das die ständigen Temporückungen in Mahlers Partitur genau umsetzt, aber auch zu großer, erfüllter Ruhe im langsamen Satz findet. In glänzende Spiellaune gerät bei dieser Sinfonie das Philharmonische Orchester, und zu Recht werden am Schluss zahlreiche solistisch hervortretende Orchestermitglieder für ihre feinen Einzelleistungen gefeiert. Zu ihnen gesellt sich Kirsten Labonde (Sopran), welche nach einem „Wunderhorn“-Text im Finalsatz das Paradies als eine Art Schlaraffenland ausmalen darf. Ganz innig gelingt ihr die abschließende Schilderung der himmlischen Musik. Unter solchen Klängen möchte man dereinst auch einmal gerne ins Jenseits eingehen.